Die Geschichte der Fußballfans

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30.10.2010

Reinaldo Coddou H. über Maradona und Argentinien

»Das Herz auf der Zunge«

Interview: Christian Gail  Bild: Reinaldo Coddou H.

Kaum jemand kennt die Stadien, in denen Diego Maradona seine ersten Spiele machte, besser als 11FREUNDE-Mitbegründer Reinaldo Coddou H. Wir sprachen mit ihm über die Verehrung Maradonas und seinen neuen Bildband.

Reinaldo Coddou H. über Maradona und Argentinien - »Das Herz auf der Zunge«


Reinaldo, was ist für Argentinier das Besondere an Diego Maradona?

Er trägt das Herz auf der Zunge und spricht die Dinge so aus, wie er sie denkt. Das macht ihn so beliebt. Ob er mit dem was er sagt, recht hat, sei dahin gestellt.



Was ist mit seiner Spielweise?

Die Argentinier lieben seine Schlitzohrigkeit, seine Dribblings und das schön anzuschauende Spiel. Zusätzlich hat er gegen den Erzfeind England das Jahrhunderttor geschossen und mit Hilfe der Hand Gottes den Sieg errungen. Dadurch macht man sich hier unantastbar.

Wo wäre der argentinische Fußball ohne Maradona?

Seine größten Erfolge hat Maradona, wie eigentlich jeder argentinische Star, im Ausland gefeiert, doch mit dem Weltmeistertitel 1986 hat er den Argentiniern großes Selbstbewusstsein gegeben. Fußball war schon immer von großer nationaler Bedeutung. Das hat sich durch Maradona natürlich nochmal verstärkt. Die Argentinier brauchen eben etwas, damit sie wissen: »Es gibt etwas, worin wir die Besten sind«.

Wie kommt es, dass die Fans ihrem »D10s« fast alle Eskapaden verzeihen?

Nicht alle haben ihm verziehen. Gerade die Fußballfans, die etwas rationaler über Fußball denken, unterscheiden klar zwischen dem Fußballer, der Privatperson und dem Nationaltrainer Maradona. Als Privatmann und Nationaltrainer ist er einfach eine Null. Als Fußballer ist und bleibt Maradona jedoch ein genialer Spieler.

Das Scheitern als Nationaltrainer war für sein Ansehen nicht förderlich.

Die Ungepflogenheiten, die er sich als Trainer geleistet hat, bleiben nicht ohne Folgen. Viele Argentinier sind wirklich froh, dass er die Nationalmannschaft nicht mehr trainiert, weil sie erkannt haben, dass er kein guter Trainer ist. Ich nenne es mal das Matthäus-Syndrom, nur dass Diego Maradona als Trainer noch weniger vorweisen kann. Matthäus erwähnt immer, dass er schließlich Partizan Belgrad in die Champions League geführt hätte. So etwas hat Maradona nicht. Er hat sich nur Rekordniederlagen eingehandelt.

Du lebst und arbeitest in Berlin und Buenos Aires. Kann man die Stimmung in den Stadien Argentiniens mit einem Wort beschreiben?

Fanatisch.

Und in Deutschland?

Organisierte Stimmung. Aber ohne dies negativ werten zu wollen. Natürlich gibt es in Argentinien auch Vorsänger, die mit Trommeln oder Trompeten den Ton angeben. Viele denken, dass dort die ganze Zeit durchgesungen wird, und dass das aus der Kurve heraus entsteht. Das ist aber selten der Fall.  

Gibt es weitere Unterschiede?

Die Lieder sind bedeutend länger und mit richtigen Texten. Bei den Boca Juniors ist es zum Beispiel so, dass sie eine Halbzeit nur mit drei oder vier Liedern, die teilweise acht Minuten lang sind, begleiten. Ich würde es als eine Art Mantra bezeichnen. Selbst wenn die Mannschaft eine Chance verpasst, wird der Gesang nicht verändert oder abgebrochen, sondern es singt plötzlich das ganze Stadion mit. So etwas kannte ich aus Europa bisher noch nicht. Ein total überwältigendes Erlebnis.

Für Dein neues Buch »Buenos Aires - Die Welthauptstadt des Fußballs« hast Du die großen Clubs wie Boca Juniors oder River Plate aber auch kleine Vorstadt-Clubs wie Victoriano Arenas besucht. Was macht den Reiz der kleinen Clubs aus?  

Im Gegensatz zu Deutschland sind die Clubs in der dritten argentinischen Liga wirklich sehr klein, mit wenigen Zuschauern und maroden Stadien. Selbst in der zweiten Liga ziehen nur ganz wenige Clubs mehr als 5000 Zuschauer an. Das hat seinen ganz eigenen Charme, den man gar nicht so beschreiben kann. Die kleinen Clubs sind in ihrem Viertel noch stärker verwurzelt und dadurch familiärer.

Aber gefährlich sind sie allemal, oder?

Ja, selbst da ist die Gewaltbereitschaft noch sehr hoch. In den kleinen Stadien gibt es natürlich wenige Sicherheitsvorkehrungen, so dass es dort auch zu richtig krassen Ausschreitungen kommt.


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Kommentare

  • User
  • 01.11.2010 02:31:59 Ramon Diaz

    Er meinte wohl eher das das Stadion in Parque de los Patricios steht und nicht in Huracan...Ausserdem war el Globo immerhin einmal Meister, das kann die Arminia meiner Meinung nach nicht vorweisen.
    Ansonsten finde ich das Bild von den 20 Spuckenden die am Zaun hängen sehr beispielhaft für das Stadion Erlebniss in diesem Land (wie ich mir vorstelle wie einer ruft "eh lo gritaste putooooo" und auf einmal hängen da 20 Typen), es geht sogar bei Kreisklasse Spielen krass zu und manchmal muss man selbst die Schwiegermutter vom Zaun holen da die Polizei sie auffordert es zu unterlassen den 4. Schiri ununterbrochen anzupöbeln (wobei die Polizei ja generell eher Begleitung der Barras ist).
    Schade das Colon aufgrund der Geogr. Lage nicht in diesem Bildband auftauchen wird, das erweiterte Brigadier Lopez wird auf jeden Fall ein Schmuckkästchen, auf die Maroden Stadien der B Metropolitana freu ich mich aber.

  • User
  • 03.11.2010 11:19:54 Vitoco

    "eeh, con Chicago no se jode, loco!"

  • User
  • 04.11.2010 02:16:37 Ramon Diaz

    Ich hab an la Ferrere gedacht :)

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