Oliver Risser über seine Odyssee
»Es ist egal, wo ich spiele«
Interview: Christian Lawendel Bild: Imago
Aufgewachsen als Weißer in Namibia spielte Oliver Risser in Deutschland, Island und Norwegen. Seit August 2010 ist er in Finnland bei Kuopio PS. Ein Gespräch über den Antrieb und die Fehler eines Vagabunden.
Oliver Risser, nach einer kleinen Odyssee über den halben Erdball spielen Sie aktuell in Finnland. Durften Sie schon gegen Jari Litmanen auflaufen?
Nein, leider nicht.
Er ist die Ikone des finnischen Fußballs. Welche Vorbilder haben Sie?
Diego Maradonna war immer mein Idol. Es gab aber auch tolle Spieler in meiner Heimat. Doctor Khumalo war mein Lieblingsspieler aus Namibia.
Doctor Khumalo?
Ja, er war ein sensationeller Techniker, ein Vorzeigefußballer und hat für den Sport gelebt. Das hat mich als Kind beeindruckt.
Wie sind Sie zum Fußball gekommen?
Ich bin den normalen namibischen Weg gegangen. Fußball ist im Kindesalter Teil des Schulsports. Erst mit 16 oder 17 Jahren wechselt man in einen Verein. So war es auch bei mir.
Hatten Sie als Weißer mit deutschen Wurzeln in Namibia Probleme?
Nein. Es ist immer die Frage, wie man sich selbst darstellt. Wenn man es darauf anlegt, frei dem Motto: Ich bin weiß und etwas Besseres, bekommt man natürlich Ärger. Ich bin mit den Jungs groß geworden und fühle mich als Namibianer, trotz heller Haut.
Was heißt das?
Ich fühle mich heimisch. Dort sind meine Wurzeln. Meine Familie lebt schon seit fünf Generationen in diesem Land. Es ist die Lockerheit und Herzlichkeit, die die Menschen ausmachen. Das sage ich als Afrikaner.
Sie wechselten von den Ramblers Windhoek in Sommer 1999 zur SpVgg EGC Wirges nach Deutschland. War das der erste Besuch in Deutschland?
Ja, genau. (lacht)
Wieso lachen Sie?
Ich wollte mich im Fußball etablieren, hatte aber keine Ahnung, wie man das anstellt. Als ich nach Deutschland kam, habe ich eine Ausbildung zum Werkzeugmechaniker gemacht. Ohne die hätten meine Eltern mich nicht nach Deutschland gelassen. Für mich stand aber immer der Fußball im Vordergrund. Durch fehlende Kenntnisse hatte ich Schwierigkeiten, mich nach oben zu arbeiten.
Was fehlte?
Heute haben die meisten Spieler einen Berater. Ich bin allein ins kalte Wasser gesprungen und habe versucht mich festzusetzten. Damals bin ich in die Oberliga gegangen, ohne mir weitere Gedanken zu machen. Vielleicht wäre ein Wechsel zu den Amateuren eines Bundesligisten sinnvoller gewesen. Das hätte man als Sprungbrett nutzen können. Soweit habe ich aber damals nicht gedacht.
Hat es auf Grund der Unerfahrenheit mit dem ganz großen Wechsel nicht geklappt?
Sicherlich. Manchmal steht man sich selbst im Weg. Als ich in Sandhausen war, kam das Angebot vom Breidablik UBK aus Island und ich ging im Mai 2006. Das war vielleicht einer der größten Fehler in meiner Karriere.
Warum sind Sie nach Island gegangen?
Mir wurde dort gutes Geld angeboten. Außerdem habe ich blauäugig auf andere Menschen gehört. Es schien mir der leichtere Weg nach oben. Ich war damals 24 oder 25 Jahre alt und dachte, dass ich über den Umweg Island leichter in die erste oder zweite Liga nach Deutschland komme. Es wäre sicherlich schlauer gewesen in Sandhausen zu bleiben. Der Verein ist ein Jahr später in die dritte Liga aufgestiegen.




