Die Geschichte der Fußballfans

11FREUNDE-Spezial: Nr. 1

Die Geschichte der Fußballfans

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24.09.2010

Warum die Premier League stärker denn je ist

Krise? Welche Krise?

Text: Simon Kuper  Bild: Stuart Clarke

Verschuldet und abhängig von dubiosen Geldgebern: Nicht nur in der Bundesliga spekulieren viele auf einen Niedergang der englischen Premier League. In der neuen Ausgabe von 11FREUNDE nimmt sich Simon Kuper des Themas an.

Warum die Premier League stärker denn je ist - Krise? Welche Krise?


Als Roman Abramowitsch beschloss, einen Fußballklub zu
kaufen, sah er sich zuerst in Spanien und Italien um. Allerdings gestalteten sich die Dinge in Südeuropa recht kompliziert. In Italien machten die Familien, in deren Besitz sich die Vereine befanden, seit Generationen Geschäfte miteinander. In Spanien, o Graus, gehörten die größten Klubs gar den Fans. Mit der Bundesliga schien sich der Oligarch erst gar nicht beschäftigt zu haben. Und so flog er im April 2002 nach Manchester, um sich United anzuschauen. Innenverteidiger Rio Ferdinand fuhr ihn anschließend höchstpersönlich zurück zum Flughafen. Unterwegs sang der Russe zusammen mit Rios vier Jahre altem Halbbruder ein Liedchen. Abramowitsch schien ein netter Kerl zu sein.



Nicht lange danach, so heißt es, flog er mit dem Hubschrauber über den Dächern von London, als er im gediegenen Westen der Stadt ein Fußballstadion entdeckte. »Was ist das?«, wollte er wissen. Es war Chelsea. Wenig später kaufte Abramowitsch den Klub. Bei einer Flasche Evian wurde der Deal mit dem scheidenden Besitzer Ken Bates im Dorchester Hotel perfekt gemacht. So wurde 2003 eine neue Ära im englischen Fußball eingeläutet: Auf einmal wurde einer der traditionsreichen Klubs des Landes nach dem anderen von reichen Ausländern aufgekauft und zum angeblich besten der Welt gemacht.

Sechs Milliarden Euro Schulden

Nicht wenige Leute prophezeien jetzt das Ende dieser Ära. Gut die Hälfte der etwa sechs Milliarden Euro Schulden, die europäische Vereine angesammelt haben, entfällt auf englische Klubs. Der FC Portsmouth beispielsweise gewann 2008 den FA Cup und meldete kurz darauf Insolvenz an. Der FC Liverpool, den Verbindlichkeiten von geschätzten 240 Millionen Pfund und zwei verhasste amerikanische Besitzer plagen, ist dringend auf der Suche nach einem ausländischen Käufer. Im August wäre der Klub beinahe an eine im Auftrag der chinesischen Regierung operierende Investorengruppe veräußert worden. Auch in der Champions League ist die Dominanz der englischen Vereine derzeit gebrochen.

Kritiker beklagen, dass die meisten großen Klubs Ausländern wie Abramowitsch gehören, die keinerlei Verbundenheit im traditionellen Sinne mit ihren Spielzeugen vorweisen können. UEFA-Präsident Michel Platini spricht vielen aus dem Herzen, wenn er sagt: »Der Fußball hat sich entwickelt, weil die Spieler von Manchester City gegen die Spieler von Manchester United waren. Ich wüsste aber nicht, warum Citys katarischer Besitzer etwas gegen Uniteds amerikanischen Besitzer haben sollte.« Platini muss angesichts dieser absurden Vorstellung schmunzeln. Welche Rolle spielt es da schon, dass Citys Besitzer Scheich Mansour eigentlich aus Abu Dhabi kommt?

Rosige Zeiten für die Bundesliga

Inzwischen reibt man sich in Deutschland – immerhin die bevölkerungsreichste und wirtschaftlich stärkste europäische Nation – voller Vorfreude die Hände, denn die Bundesliga geht rosigen Zeiten entgegen. Glaubt zumindest Uli Hoeneß, der gerne darauf verweist, dass seine Bayern schuldenfrei sind. Der Vorsitzende der DFL, Christian Seifert, prophezeit im Hinblick auf die Premier League: »Langfristig gesehen ist die Liga in Gefahr.«

Stimmt das? Ist die Premier League wirklich in so großen Schwierigkeiten? Die Antwort lautet: ganz und gar nicht. Im Gegenteil, es kann sogar sein, dass die Liga erst jetzt richtig durchstartet...


Den vollständigen Text gibt es ab sofort in der neuen Ausgabe von 11FREUNDE. Wir wünschen viel Spaß bei der Lektüre.



Ergänzung zu Heft#107 10/2010

Die erfundene Krise






Kommentare

  • User
  • 24.09.2010 10:49:38 Söderdaddy

    Hat der gute Mann auf dem Bild tatsächlich Ausrüster UND Hauptsponsor von Newcadtle United auf dem Schal? Wie schön.

  • User
  • 24.09.2010 17:32:02 Matzator

    Er freut sich wahrscheinlich auch darüber dass sein 8-jähriger Sohn Hand in Hand mit Wayne Rooney ins Stadion einlaufen darf, wofür er zwei Monatsgehälter geopfert hat.

  • User
  • 25.09.2010 23:28:57 Rafael Thunderfart

    Ich bin noch nirgendwo hingekommen, wo ich mir die aktuelle Printausgabe von 11freunde hätte kaufen können, und so hab ich den Artikel nicht zu Ende gelesen; aber daß die Premier League nicht über Nacht von ihrem Thron gepurzelt ist, scheint selbst in Anbetracht der wirtschaftlichen Probleme mancher Clubs und der Abwanderung einiger Starspieler keine weltbewegende Erkenntnis.

    So sehr sich der Stellenwert einer Liga sich nach den Erfolgen ihrer Topclubs in internationalen Wettbewerben bemißt; aus der einmaligen Abwesenheit vom CL-Halbfinale auf einen Abwärtstrend zu folgern, ist voreilig.

    Die wirtschaftlichen Probleme im Gefolge der Finanzkrise haben die Machtverhältnisse im Fußball, wo nicht vertieft, da doch zumindest nicht angetastet. In Italien, wo in den letzten Jahren 2 der 3 Großklubs zu Sanierungsfällen geworden sind, hat die Finanzkrise lediglich einen längst bestehenden Trend verschärft.

    Was das bedeutet, zeigt das (zugegebenermaßen extreme) Beispiel Inter Mailands: Inter Mailand hat sich der unentrinnbaren Abwärtsspirale, in welcher der italienische Ligafußball gefangen ist, durch Internationalisierung entzogen, und zwar so konsequent, daß für Inter die Schwäche der nationalen Konkurrenz sich, international gesehen, in einen Standortvorteil verkehrt hat. Mit seinem kosmopolitischen Kader ist Inter von den Nachwuchsproblemen des italienischen Fußballs nicht betroffen, und unter Benitez spielt der Club, einst Inbegriff zynischer Defensivtaktik, so attraktiv und offensiv, wie man es von einem Verein mit einem solchen Kader erwarten kann.

    England hatte im zurückliegenden Jahrzehnt 4 Clubs, die in der CL vorne mitmischen oder sie gewinnen konnten, und wenn Liverpool vielleicht auch dauerhaft aus diesem Kreis ausscheidet, so wird die Dominanz der übriggebliebenen 3 der "Big Four" eher noch deutlicher werden; und sei`s auch, weil sich infolge der Finanzkrise für die Mehrheit der Premier League-Clubs die finanziellen Spielräume verengt haben. Jetzt, da bei vielen EPL-Clubs die Kohle nicht mehr so locker sitzt, werden die Großen noch weniger Probleme haben, die Premiership unter sich auszumachen.

    Mit anderen Worten: Nicht darin, daß der Tabellenletzte den Tabellenführer schlagen kann, liegt die Stärke einer Liga. Als die Serie A die beste Liga war, bestand ihr Vorzug nicht in Homogenität, sondern in dem uneinholbaren Vorsprung der Spitzenteams gegenüber den Mannschaften, die sich nicht für internationale Wettbewerbe qualifizierten. Im Gegensatz zu allen übrigen Ligen Europas, verfügte die italienische damals jahrelang über 5 oder 6 Teams, die stark genug waren, in den europäischen Wettbewerben um den Titel mitzuspielen (Milan, Inter, Juve, Napoli, Sampdoria, Parma, Torino, Roma). Heute hat England die meisten solcher Teams.

  • User
  • 26.09.2010 00:20:53 AntiMöller

    Thunderfart, das lege ich auf Wiedervorlage. Soviel: Du verfolgst das Geschehen in meinen Augen nicht.

    ...UND BITTE SAG NICHT TORINO WENN DU JUVE MEINST!!!!

  • User
  • 26.09.2010 06:59:47 saloth sar

    ...UND BITTE SAG NICHT TORINO WENN DU JUVE MEINST!!!!

    (Milan, Inter, Juve, Napoli, Sampdoria, Parma, Torino, Roma)

    anti,l lern doch erst mal lesen und das gelesene zu verstehen!

  • User
  • 26.09.2010 08:17:30 der_arme_berliner

    Ich bin Mitglied bei den German-Reds und finde es manchmal sehr bedrückend, wie unter den Fans des FC Liverpool über die sportliche und wirtschaftliche Entwicklung unseres Klubs diskutiert wird. Das einzige was da immer wieder auftaucht ist: Amis go home, Hicks und Gillet haben den Klub kaputt gemacht, Mit einem anderem Besitzer wäre es sportlicher für den Klub leichter und und und. Für mich ist das viel zu kurz gedacht.

    Mal ein paar Fakten:
    Saison 04/05: am 14. ST Achter, am Ende Fünfter
    Saison 05/06: am 9. ST Zwölfter, am Ende Dritter
    Saison 06/07: am 10. ST Zehnter, am Ende Dritter

    Die Übernahme des Vereins durch die beiden Amis geschah Anfang Februar 2007.

    Saison 07/08 immer unter den ersten Vier, am Ende Vierter,
    Saison 08/09 immer unter den ersten Drei (außer am 1. ST) – davon 8 x Erster, am Ende Zweiter; Saison 09/10 an 16 ST war man Siebter (auch am Ende).

    Diese Zahlen zeigen das vor den Amis es keine Konstanz gab, nach den Amis zog diese Konstanz ganz offensichtlich ein. War das auch die „Schuld“ der beiden Amerikaner?

    Der zunehmende sportliche Schlingerkurs unseres Vereins muss andere Gründe haben, als die Übernahme von Hicks und Gillet. Ich will nicht verhehlen, dass die unsichere Lage, die sich erst am 15.Oktober klären wird, auch das Team verunsichert. Aber noch werden die Gehälter pünktlich gezahlt, noch kommen die Fans, zumindest in der PL, ins Stadion und noch gab es keine großen Verletzungen im Team diese Saison. Was braucht ein gestandener Profi, noch dazu beim FC LIVERPOOL !!! denn mehr, um seine Leistung auf dem Rasen zu bringen?

    Ich führe die sportliche Talfahrt auf zwei andere Ursachen zurück und die liegen alleine im Verein: Eine völlig ungenügende Nachwuchsarbeit und eine schlechte Transferpolitik, insgesamt auf ein fehlendes sportliches Konzept seit Jahren.

    Nachwuchsarbeit beim LFC
    Seit 2000 wurden fast zwei Dutzend Spieler aus der U 18 in den Kader der Profis berufen. Keiner hat sich dort durchgesetzt! 2006 und 2007 gewann der FC Liverpool den FA Youth Cup! Wo sind die Spieler aus diesen Nachwuchsteams geblieben? Gerrard und Carragher sind goldenen Ausnahmen von vor 10 Jahren! Aber sowohl ManU und auch Barca zeigen, dass bei aller Globalisierung und Monetarisierung des Spitzenfussballs die Grundlagen im eigen Klub gelegt werden können. Wenn schon keiner aus der eigenen U 18, dann sollte es mal vielleicht der von anderen Vereinen geholten U 18-Spieler schaffen? Auch hier Fehlanzeige. Keiner hat es geschafft.
    Ergo: Die Nachwuchsarbeit und deren Vernetzung zum Profiteam beim LFC liegt offenbar am Boden. Evtl. hat sich Kenny Dalglish genau deshalb an diesem Punkt im Verein wieder eingeklingt.
    Auch das Scoutsystem des LFC scheint zu große Löcher zu haben.

    Zur Transferpolitik:
    Unser, zu Recht, viel gelobter Rafa hat sehr wohl gesehen, dass die Spielerdecke zu dünn ist, um sich auf einen PL-Sieg zu konzentrieren. Deshalb galt sein Haupt-Augenmerk der Champions League. Zu wenige Schultern müssen zu lange eine zu große Last tragen: Gerrard und Carragher zeigen bestimmt auch deshalb immer öfter Verschleißerscheinungen, bei Kuyt und Torres ist gleiches zu vermuten.
    Der sportliche Niedergang begann nicht zufällig auch mit dem Weggang von Xabi Alonso: Keiner war so wichtig wie er für Gerrard, keiner hielt dem Kapitän besser den Rücken frei. Da konnte Gerrard all seine Energie in die Offensivstärken legen. Danach sah man Gerrard viel zu oft vor und am eigenen Strafraum grätschen. Das geht auch bei ihm an die Substanz, irgendwann meldet sich auch bei ihm der Körper. Erst recht in einem Jahr mit einer, frustrierenden, Weltmeisterschaft.
    Aber dieses Beispiel zeigt auch, wie dünn schon damals der Erfolgs-Grat war, auf dem der LFC wanderte, als er noch Erfolge feierte.
    Es gibt eben zu viele und zu teure Mitläufer: Lucas (10 Mio. !!! Ablöse), Johnson (20 Mio. !!! Ablöse), Aquilani (20 Mio!!! Ablöse), Babel (17,25 Mio!!! Ablöse) gehören jetzt immer noch zum Kader, bringen keine Leistung für den Klub. Mal mitgerechnet? Das sind fast 70 Mio. totes Kapital!

    In der Ära Benitez wurde eben sehr teuer, aber auch wenig nach Konzept eingekauft. Und das obwohl wir zu den acht einnahmestärksten Vereinen in Europa gehören. Genug Geld war also da, aber es wurde nicht immer klug eingesetzt.

    Andere, wie z. B. ein Keane (24 Mio. Ablöse), ein Dossena (9 Mio Ablöse), ein Sissoko (12 Mio Ablöse) oder ein Cisse (20 Mio !!!) wurden mit zum Teil großem Verlust nach kurzer Zeit wieder verkauft.

    Wir sollten auf hören, davon zu träumen, wir seien mit ManU oder Chelsea auf Augenhöhe.
    Arsenal und Wenger gehen doch auch andere Wege: Trotz seiner recht langen sieglosen Phase ist Wenger mit seinem Konzept gut gefahren und gibt dem Klub dort Orientierung auf junge Talente, wenn auch auf Kosten des ständigen Erfolgs.
    Rafa hat alles aus dem Verein herausgeholt, was möglich war! Aber das geht nicht auf Dauer gut. Sein Abschied war daher folgerichtig.
    Unser Verein hat offenbar seine Orientierung verloren und Hodgson ist bestimmt nicht der Steuermann, der unser Schiff wieder in die Top-Four steuert. Ihm fehlt noch das Konzept, kam auch zu spät als Manager, noch dazu nach einem gebrochenem Versprechen an seine Fulhamer Fans. Keine guten Vorzeichen von Anfang an für diese Saison.

    Und doch glaube ich, das das Team sich fängt, Gerrard, Carragher und Johnson müssen die Frust-WM verarbeiten und ihre Energiespeicher wieder aufladen. Das dauert, das war klar. Auch Kuyt und Torres brauchen noch Zeit, haben eine ansterngende WM in den Knochen oder waren lange verleztz. Also müssen jetzt andere ran, und bestimmt nicht Lucas und Co. ! Dann eben die jungen wie Spearly, Shelvey und Danny Wilson. Aber aber auch ein Agger wird zu wenig geschätzt vom Trainer.

    Meine Liebe zum Verein mißt sich aber auch nicht an Pokalen. Ich will dieses Einzigartige am FC Liverpool erleben: das einzigartige Pflegen von Traditionen, die enge Verbundenheit zwischen Verein und Fans, die Leidenschaft auf dem Rasen, den Kop, das YNWA.

  • User
  • 26.09.2010 12:25:01 AntiMöller

    Heute 06:59:47 von saloth sar
    ...UND BITTE SAG NICHT TORINO WENN DU JUVE MEINST!!!!

    (Milan, Inter, Juve, Napoli, Sampdoria, Parma, Torino, Roma)

    anti,l lern doch erst mal lesen und das gelesene zu verstehen!


    Oh, Gereiztheit macht blind, pardon!

  • User
  • 26.09.2010 12:29:19 Andreas Blenke

    À propos Liverpool: And what about China?

  • User
  • 26.09.2010 20:50:49 Rafael Thunderfart

    @ AntiMöller

    Kann deinen Einwand nicht ganz nachvollziehen.

    Ja, die Primera Divisiòn ist - technisch, taktisch - die bessere Liga, aber ihr Stellenwert in der CL hing in den letzten Jahren allein von Barcelona ab. Die großen 4 der Premier League haben seit 2004/05 alle in Champions League-Endspielen gestanden, aus der spanischen Liga nur Barcelona. Ins Halbfinale ist von den spanischen Clubs außer Barcelona nur Villareal eingezogen, der Überraschungserfolg eines kleinen Vereins, der sich nicht wiederholen ließ. Real Madrid hat zum letzten Mal 2004 in einem CL-Viertelfinale gestanden.

    In dem engl. WIKIPEDIA-Artikel über die Premier League steht, daß die Liga in England oft für die "Big Four" Dominance kritisiert wird.
    Zumindest verbürgt diese Dominanz, daß die Clubs, die realistische Chancen haben, den Wettbewerb zu gewinnen, sich zuverlässig für die Champions League qualifizieren.

  • User
  • 27.09.2010 18:24:37 AntiMöller

    Rafa, ich finde, Du hast einen zwar interessanten, aber unzulässigen Umkehrschluss gezogen. In meinen Augen gewinnt die Champions-League jeweils eine der stärksten Mannschaften der Saison, welche dann aber häufig gleichzeitig in der Liga abrutscht. Und die Stärke einer Liga misst sich nicht daran, wie Top die ersten beiden drauf sind.

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