Die Geschichte der Fußballfans

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16.09.2010

Adam Piechnik über FCB vs. KNVB

»Robben sitzt unbequem«

Interview: Andreas Bock  Bild: Imago

Karl-Heinz Rummenigge will in der »Causa Robben« mit dem niederländischen Fußballverband (KNVB) bis zum »Sankt-Nimmerleinstag« kämpfen. Wir sprachen mit Anwalt Adam Piechnik über die Chancen des FC Bayern.

Adam Piechnik über FCB vs. KNVB - »Robben sitzt unbequem«


Adam Piechnik, der FC Bayern erwägt aktuell eine Klage gegen den niederländischen Fußballverband (KNVB). Der Grund: Arjen Robben soll vor und während der WM medizinisch falsch behandelt worden sein. Welche Chancen räumen Sie dem Bundesligisten bei einem Gerichtsverfahren ein?

Eigene Ansprüche des FC Bayern scheinen mir beim ordentlichen Rechtsweg nicht offensichtlich. Ob die Fifa-Statuten einen erfolgsversprechenden Rechtsweg eröffnen, vermag ich zu bezweifeln, die passen für diesen Fall meines Erachtens nicht. Freilich kann ich hier aber nur den Sachverhalt zu Grunde legen, der in der Presse mitgeteilt wird. Insgesamt bin ich aber eher skeptisch.



Warum?

Ich könnte mir gut vorstellen, dass die Fifa sehr viel Druck auf den FC Bayern ausübt. So will man nicht nur einen Präzedenzfall, sondern insgesamt sicherlich auch ein Präzedenzverfahren vermeiden. Bei den folgenden Turnieren würde sonst jede Behandlung und Verletzung eines Nationalspielers auch ein potenzieller Rechtsfall sein. Dieses Szenario soll sicherlich mit allen Mitteln verhindert werden. Wenn einer in diesem Fall gute Chancen hätte, dann ist es einzig der Spieler –  insbesondere gegen den behandelnden Arzt. Freilich müsste aber erstmal ein Behandlungsfehler nachgewiesen werden. Herr Dr. Müller-Wohlfahrt ist mit Sicherheit ein Fachmann, aber die Frage, ob ein Behandlungsfehler vorliegt, würde ein neutraler Gutachter klären müssen. Ob Robben hier jedoch was unternehmen will, erscheint mir allerdings fraglich.

Weil er seinem Fußballverband nicht in den Rücken fallen will?

Das scheint mir logisch. Robben sitzt momentan zwischen zwei Stühlen und damit sehr unbequem. Einmal ist der FC Bayern sein Verein und sein Arbeitgeber, der Spieler ist also verpflichtet, seinen Körper für den Verein fit zu halten und keine unnötigen Gefahren einzugehen. Andererseits aber ist Arjen Robben Nationalspieler und Niederländer, von daher wird er dem Verband nicht schaden wollen. Aus diesem Grunde weiß ich auch nicht, ob Robben gerne Zeuge in einem etwaigem Verfahren des FC Bayern wäre. Eine andere relevante Frage bei einem Verfahren wäre auch die nach der Rolle von Arjen Robben. Inwieweit war er informiert, inwieweit hat er zugestimmt oder sogar eine Teilnahme an der WM forciert? Inwieweit informierte er den FC Bayern über alle Maßnahmen? Viele Fragen, die von Außenstehenden jedoch nicht beantwortet werden können.

Karl-Heinz Rummenigge spricht nun auch von einer moralischen Verpflichtung.

Die hätte aber nicht die Juristerei, sondern eher die Ethik-Kommission der Fifa zu prüfen. Ich könnte mir auch vorstellen, dass Rummenigge versucht, die aktuelle Druckkulisse zu nutzen, um seine Forderung nach einer Fifa-Versicherung für die abgestellten Nationalspieler prominent zu machen. Als Fußball-Fan, der ich ja auch bin, weiß man, dass Herr Rummenigge bei so was geschickt ist und das Wort »geschickt« meine ich zu 100 Prozent positiv. Rummenigge hat hier das Beispiel mit der »Miete« genannt, weil die Nationalspieler quasi gegen Gebühr abgestellt und damit »vermietet« werden. In fast jedem Mietvertrag ist doch heute die Klausel zu finden, dass der Mieter eine Haftpflichtversicherung haben muss, die auch für die Mietsache gilt.

Kann man in solchen Fällen überhaupt von Moral sprechen? Im Fußball ist alles auf kurzfristigen Erfolg angelegt und vermutlich würde jeder Spieler vor einer WM seine Einwilligung für medizinischen riskante Behandlungen geben.


Die Frage ist doch auch die: Unterstellt der FC Bayern hätte vor dem Champions-League-Finale genauso gehandelt – also seinen Spieler Robben sehr offensiv und gegebenenfalls falsch behandelt und vorschnell eingesetzt –, wäre er dann verpflichtet gewesen, dem niederländischen Verband Schadensersatz zu zahlen? Immerhin besteht ja die Abstellungspflicht oder – um es in den Worten von Rummenigge zu sagen – die Pflicht zur Vermietung. Das zeigt, dass hier die Juristerei vielleicht nicht der richtige Weg ist, sie führt hier meines Erachtens zu weit. Ob die Frage nach der Moral weiterführt, mag ich auch zu bezweifeln. Eine einvernehmliche Lösung können wir Juristen dann in der Regel schnell abschließen, wenn bei einem Vergleich niemand sein Gesicht verlieren muss. Das sehe ich hier problematisch, weil letztlich hier auch eine Frage relevant ist: Hat ein Arzt grob falsch behandelt? Kann der niederländische Verband hier wegen einer Präsentation des Dr. Müller-Wohlfahrt den Behandlungsfehler oder Diagnosefehler seines eigenen Arztes offen eingestehen, nachdem er diesen bestritten hat? Auch kann eine Falschbehandlung als fahrlässige Körperverletzung gewertet werden. Und teilweise hört man ja auch zwischen den Zeilen heraus, dass hier sogar der Vorwurf der Falschbehandlung wider besseren Wissens erhoben wird. Hier wären wir dann bei vorsätzlicher Körperverletzung.

Wie ist die Wirkung gegenüber den eigenen Nationalspielern?

Hier scheint jeder Boden dafür entzogen zu sein, dass der niederländische Verband von selbst einen Fehler freiwillig zugibt. Ich denke, manchmal ist der schnelle und laute Schrei in die Presselandschaft hinein für außergerichtliche Verhandlungen schädlich. Hier hat vielleicht der FC Bayern nicht optimal agiert. Meine Meinung ist: Am besten treffen sich beide Seiten heimlich, machen einen heimlichen Deal und geben eine Presseerklärung mit zwei Sätzen ab: »Wir haben uns ohne Klärung der Schuldfrage freundschaftlich geeinigt. Alles andere bleibt geheim.«

Es gibt bereits sogenannte Abstellungsgebühren für die Klubs. Können Sie diese erklären?

Die hat die ECA – früher G14 – auch mit der Fifa ausgehandelt. In diesem Jahr wurden 40 Millionen US-Dollar, also 31,6 Millionen Euro, aus den Einnahmen der FIFA an die Klubs gezahlt, die Summe wird bei der WM 2014 etwas höher sein. Die Frage ist daher, ob mit dieser Summe auch die – sei es moralische oder juristische – Verpflichtung der Fifa entfallen ist, die Spieler zu versichern. Früher gab es ja einen Fifa-Versicherungsfonds, der soweit ich mich erinnere zum Beispiel bei Michael Owen und seiner Kreuzbandverletzung 2006 eingriff. Hier liegt ja das Paradoxe: Der FC Bayern hat im ECA, wie diese insgesamt, die Abstellungsgebühren gefordert, wohl mit Recht und zur Vermeidung von Klagen. Die Abstellungsgebühren hat aber die Fifa als Anlass genommen, den Versicherungstopf abzuschaffen. Und das ist der Grund, weshalb Blatter hier etwas unwirsch auf die Forderungen des FC Bayern reagiert. Ob zu Recht will ich nicht beurteilen. Ich denke aber, dass die Höhe der Abstellungsgebühren – will man das Bild mit der Miete weiter strapazieren – einer Wohnung in eher schlechter Lage entsprechen. Ich glaube, der Mietspiegel für Nationalspieler ist ein anderer.

Und wie errechnet sich nun die vom FC Bayern gewünschte Kompensation in Höhe von 11.000 Euro pro Tag?

Normalerweise läuft es bei einer Verletzung wie folgt: Das Gehalt für einen verletzten Spieler übernimmt ab der siebten Woche die Berufsgenossenschaft. Das sind aber maximal rund 6000 Euro im Monat. Laut Medienberichten hat sich der FCB verpflichtet, hier wohl für drei Monate das volle Gehalt zu zahlen. Man geht also von circa 11.000 Euro pro Tag aus.

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Adam Piechnik ist leidenschaftlicher Fußballfan und Rechtsanwalt in einer Düsseldorfer Kanzlei. Dort vertritt und berät er Unternehmen im Bereich des gewerblichen Rechtsschutzes und des Sport- und Veranstaltungsrechts. Zu seinen Mandanten zählen auch diverse Sporteventveranstalter und Sportvereine, u.a. ein Verein der 2. Fussball-Bundesliga.




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Kommentare

  • User
  • 16.09.2010 17:47:47 AbteilungAttacke

    Sehr gutes Interview - aber schon lustig, dass Piechnik eben genau so antwortet, wie man es methodisch von einem Juristen erwarten kann.

    Erst stellt er zutreffend das "Geschick" des Herrn Rummenigge aus Sicht eines Fussballfans dar, der "versucht, die aktuelle Druckkulisse zu nutzen, um seine Forderung nach einer Fifa-Versicherung für die abgestellten Nationalspieler prominent zu machen", um nur wenige Antworten später es aus einer rein juristischen Sichtweise zu beurteilen, wenn er feststellt,"dass manchmal der schnelle und laute Schrei in die Presselandschaft hinein für außergerichtliche Verhandlungen schädlich" ist und "hier ... vielleicht der FC Bayern nicht optimal agiert" hat.

    Viele "normale" Menschen würden das sofort in einen Sachzusammenhang setzen und nicht quasi "schizophren" abstrahieren.

  • User
  • 17.09.2010 00:10:59 oranje49

    Sehr zutreffendes Interview von der Adam Piechnik. Applaus.....!

  • User
  • 17.09.2010 08:56:58 Redondo71

    Du bist doch selbst voll der Schizo, Attacke.

  • User
  • 17.09.2010 09:17:37 misterkite

    gefällt mir auch gut. ich finds ricchtig wenn er sagt dass das geschrei, das in erster linie killerkalle da rauslässt eher schädlich ist, zusammen mit diesen ,teilweise doch eher lustigen aussagen, man werde bis zum st.nimmerleinstag...also ehrlich....

    die bg zahlt nur 6.000 p.m.? wieläuft das denn dann ab? sind vereine dann die gearschten weil sie die differenz zuzahlen müssen, sind die versichtert oder wie gestaltet sich das? ich meine bei nem durchschnittlichen monatsgehalt eines buli spielers von ca. 100000 euro kommt da bei ner 6monatigen verletzungspause ja einiges zusammen...

  • User
  • 17.09.2010 09:54:30 AbteilungAttacke

    @ Redondo

    He, he, da bin ich ja nicht allein... äh ... also insgesamt gesehen und so.

    "Mir gehts supa, ich bin schizophren." Josef Hader

  • User
  • 17.09.2010 13:28:30 sullenberger

    @ kite

    im normalfall ist der spieler ab der 7. woche "der gearschte".
    denn ab dann ist nicht mehr sein verein verplfichtet sein gehalt fortzuzahlen, völlig egal wieviel er sonst im verein bekommt, sondern eben die bg. und die zahl maximal 6.000 euro.

    anders ist die sache, wenn im verein dazu eine klausel existiert (wie in der sache robben). darin steht dann etwa, dass der verein (hier: bayern) auch während einer verletzung das gehalt, oder einen prozentsatz davon, über die 6. woche hinaus zahlt, bis z.B. maximal 3 monate (wie scheinbar bei robben der fall).

  • User
  • 17.09.2010 13:43:20 Redondo71

    Ja, und dann besteht natürlich immer die Möglichkeit, ein Kranketagegeld zu versichern. Damit können die Spieler dann die Einbußen nach 6 Wochen ausgleichen, wenigstens zum Teil. Die Verscherungsprämie wird dabei regelmäßig vom Verein getragen.

  • User
  • 17.09.2010 13:48:25 Atatenango

    Hauptsächlich daran gut ist doch, dass dem dämlichen Rummenigge da mal vorgestellt wird was Sache ist. Wenn ich allen schon den Begriff "Causa Robben" höre, krieg ich nen Kotzkrampf. Da will ein mittel gebildeter Mensch sich als intelligent darstellen, weil er ein Fremdwort benutzt. Allein deswegen gehört dem schon der Arsch versohlt!

  • User
  • 17.09.2010 15:24:56 AbteilungAttacke

    Hm, die Frage ist, oder Kalle wirklich so "dämlich" ist, wie wir denken. Piechnik sprichts doch an.

    Klar ist, was die Rechtsstreitigkeit angeht, Rummelflieges Verhalten dämlich hoch 9. Doch bei dem Rechtsstreit hatte, wie Piechnik richtig feststellt, Bayern eh nicht so gute Karten, es sei denn, sie kriegen den Arjen dazu, seinen eigenen Verband zu verklagen...

    Wenn es aber Kalles (und, wie Holgerlein sagen würde, der Allianzversicherung) ureigenstes Interesse ist, die Spielerversicherung in alter oder gar neuer und verbesserter Form wieder einzuführen, ist ein wenig Trara gar nicht so schlecht. So bleibt es im (Unter)bewusstsein der Medien, um zu richtiger Zeit am richtigen Verhandlungstisch wieder vorgekramt zu werden. Es würde auch in die - den Bayern durchaus zu unterstellende - langfristige Strategie zur Eindämmung des Einflusses der Nationalmannschaften auf Spielerabstellung entsprechen.

  • User
  • 17.09.2010 16:11:51 Atatenango

    Ich bin heute aggressiv: dem Rummenigge gehört trotzdem der Arsch versohlt...manchmal braucht es auch keinen wirklichen Grund!

  • User
  • 17.09.2010 16:47:44 dfllümmel

    Ich finde eher, dass Rummenigge die ganze Angelegenheit im Sinne des FC Bayern höchst professionell angeht und eine klassische win-win-Situation (Entschuldigung für das Fremdwort...) geschaffen hat. Entweder gewinnt er den Rechtsweg und streicht das Geld ein oder er verliert und kann dann über die Medien einen enormen politischen und moralischen Druck auf die UEFA ausüben, für die Zukunft eine Versicherung für die Spieler abzuschliessen.

  • User
  • 18.09.2010 14:23:20 GTEvo

  • User
  • 18.09.2010 14:25:23 GTEvo


    "Von Nix, kommt Nix"

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