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21.03.2011

Wie Matthäus seine Ehe retten will

Zettels Albtraum

Text: Dirk Gieselmann  Bild: Imago

Lothar Matthäus kämpft um seine Ehe. Ein kompliziertes Unterfangen, also hat er sich Notizen gemacht. Diese Notizen kennt jetzt die ganze Welt. Die »Bild« hat sie veröffentlicht – und den Weltmeister endgültig zerstört.

Wie Matthäus seine Ehe retten will - Zettels Albtraum


Lothar Matthäus wollte vorbereitet sein. Er schrieb seine Gedanken auf kariertes Papier. »TRÄUME – OK aber Realität«, steht auf dem aus einem Ringbuch gerissenen Blatt. »RAUCHEN – mehr Krebs«, »ABNEHMEN – trotz essen Mama«, »KINDISCH – Schwimmflügel«, »SCHREIEN – Wahrheit nicht hören«.  



Einfache Kausalitäten, letzte Wahrheiten. Als wäre ein ganzes Leben auf diesem Papierchen zusammengeschrumpft, das, was wirklich stimmt, steht in Blockschrift wie die zehn Gebote. Fundamental, naiv, archaisch, aber deshalb auch seltsam anrührend. Es könnten die Gedanken eines Greises und eines kleinen Jungen sein, des ersten Menschen und des letzten. »LÜGEN – Wahrheit nicht sehen«.  

An diesen Ellipsen wollte der Rekordnationalspieler sich festhalten, in seinem vielleicht letzten großen Finale gegen die verfließende Gattin Liliana. Aufräumen, Ordnung schaffen, auf diesen Zettel linsend, wie der Trainer, als der er so gern gesehen würde, wie Ewald Lienen. Dinge klären, etwas richtig machen. Einmal. Endlich. »Er machte genau das, was Paar-Therapeuten raten – und will offenbar um seine Ehe kämpfen...«, weiß das Ehekampf-Fachblatt »Bild«. 

Und dass »Bild« das weiß, macht das Richtige falsch. Das Anrührende peinlich berührend.  

Denn der Redaktion liegt besagter Zettel vor, und – was in diesem Fall ein und dasselbe ist – sie hat ihn veröffentlicht.

Es ist traurig. Allzu traurig.

Ob ihn ein schnüfflerhafter Reporter aus dem Aschenbecher geklaubt oder Matthäus den Zeitungsleuten persönlich zugesteckt hat – man weiß es nicht, wie man nicht weiß, welche von diesen Varianten unerträglicher wäre: Als Journalisten verkleidete Bluthunde – oder ein Weltmeister, dem nichts mehr peinlich ist.

Der einstige Weltklassespieler, der Trainer, der eigentlich besser ist als sein Ruf, sie verschwinden endgültig hinter einem Mann, der seiner kaum erwachsenen Frau die Schwimmflügel verbieten will. Darüber zu lachen ist selbst mit gewollter Energie kaum noch möglich. Es ist traurig. Allzu traurig. 

Man liest es und will es nicht gelesen haben. Zu spät. Die vage Hoffnung, Lothar Matthäus würde seinen Pakt mit dem Boulevard beenden und endlich umkehren, sie hat getrogen. »REALITÄT – verloren«, hat er selbst geschrieben. Zettels Albtraum. Wann wachen wir auf?






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Kommentare

  • User
  • 03.09.2010 14:35:41 Don Paul

    Es bleibt die Frage, warum auch ihr das hier ausbreiten müsst. Denn auch das ist eindeutig das Falsche im Richtigen. Oder umgekehrt. Oder beides. In jedem Fall: Daumen ganz klar runter!

    Denn viele – wie z.B. mir – hätten davon nie etwas mitbekommen, wenn ihr es nicht aufgewärmt hättet.

  • User
  • 03.09.2010 14:59:10 Rhoenschaf

    Loddar tut mir die letzte Zeit schon leid, ne Frau verloren die ihn nur wegen seines Geistes und seines Charms genommen hat, diese Zettel und von jedem Verein in Deutschland die Ansage das er den Fans nicht vermittelbar ist....man wie tief kann man fallen....

  • User
  • 03.09.2010 16:19:18 El Buitre

    Ist der Text jetzt ernst gemeint oder schwarzer Humor? Komm da jetzt nicht zu ner abschließenden Meinung. Dirk?

  • User
  • 03.09.2010 16:26:06 Karpfenluder

    Der Text ist ernst gemeint. Weil Dirk und Humor, ich weiß nicht.....

  • User
  • 03.09.2010 16:34:54 El Buitre

    Ich glaubs nicht.
    Hier: Als wäre ein ganzes Leben auf diesem Papierchen zusammengeschrumpft, das, was wirklich stimmt, steht in Blockschrift wie die zehn Gebote. Fundamental, naiv, archaisch, aber deshalb auch seltsam anrührend. Es könnten die Gedanken eines Greises und eines kleinen Jungen sein, des ersten Menschen und des letzten. »LÜGEN – Wahrheit nicht sehen«.

    Das meint er nicht Ernst.

  • User
  • 03.09.2010 16:37:08 prazzomoto

    Ein Verweis auf Arno Schmidt bei 11 Freunde?
    Damit hab ich ja nun auch nicht gerechnet …

  • User
  • 03.09.2010 16:54:25 wyntonia rufer

    Dieser Text ist pure Poesie!
    *seufz*

    ich bin verliebt

  • User
  • 03.09.2010 16:58:23 El Buitre

    Mich rührt er auch zu Tränen:

    Man liest es und will es nicht gelesen haben. Zu spät. Die vage Hoffnung, Lothar Matthäus würde seinen Pakt mit dem Boulevard beenden und endlich umkehren, sie hat getrogen. »REALITÄT – verloren«, hat er selbst geschrieben. Zettels Albtraum. Wann wachen wir auf?

    Das ist so wahr!

  • User
  • 03.09.2010 17:05:45 wyntonia rufer

    Ein Rotwein-Text für einsame Samstagabende, wenn es draußen regnet. Weil es so ungemein tröstet, dass es die anderen zumindestens dümmer sind als man selbst.

  • User
  • 03.09.2010 17:07:00 wyntonia rufer

    ...das ist natürlich eine theoretische Annahme. Ich bin samstags nie allein zu Hause, ich bin die gutaussehende Single-Frau an der Bar!

  • User
  • 03.09.2010 17:23:43 El Buitre

    Für die verregneten Tage und für die Zeit, wenn man sich fühlt als verstände einen niemand auf dieser Welt. Dirk versteht es, weil er es fühlen kann:

    An diesen Ellipsen wollte der Rekordnationalspieler sich festhalten, in seinem vielleicht letzten Finale gegen die verfließende Gattin Liliana.

    Hach..

  • User
  • 03.09.2010 17:48:07 skifahrer

    Letztlich ist doch die Frage, mit wie wenig Intelligenz ein Mensch lebensfähig ist ?

  • User
  • 03.09.2010 22:05:30 prazzomoto

    Und Matthäus-Witze und Leute, die das wirklich noch komisch finden, sind an Fadheit kaum zu überbieten.

  • User
  • 04.09.2010 00:19:15 El Buitre

    Find ich auch schlimm, bspw diesen hier:

    Oliver Kahn: "Du, Lodda, wo liegt eigentlich Afrika?"
    Lothar Matthäus: "Weiß nicht, aber so weit weg kann es nicht sein, Sammy Kuffour kommt jeden Morgen mit dem Fahrrad zum Training."

  • User
  • 04.09.2010 02:00:53 Wer

    Jaja, so ist das mit den teuflischen Pakten.
    Die Geister die ich rief ...

  • User
  • 04.09.2010 13:27:51 Marcellos

    Noch einen Link zur Blöd-Zeitung und ihr seht mich nie wieder!!!

    UNGLAUBLICH!!!

  • User
  • 04.09.2010 14:36:51 4ter Blinder

    "Weil es so ungemein tröstet, dass es die anderen zumindestens dümmer sind als man selbst."

    Weise Worte. In einem Aufwasch Bild und Bildleser erklärt. Das ist die Methode Sarrazin.

    Zum Glück bin ich nicht so dämlich wie die Bild-Leser.

    Hüstel!

  • User
  • 04.09.2010 14:48:12 Matzator

    Wer das Interview im Stern gelesen hat, weiß was für ein gebrochener Mann er ist. Aber seine Gefühlswelt dem Boulevard und damit Leichenfledderern preiszugeben, ist eindeutig der falsche Weg.

  • User
  • 05.09.2010 17:31:36 Ganna

    Mich würde auch mal interessieren, welcher investigativer Journalist, welchen Mülleimer, mit welchen weiteren Abfällen darin, danach untersucht hat, einen solchen Zettel von angeblich Loddar zu finden.
    Wie würde man zum Beispiel beweisen wollen, dass der Zeddl vom Loddar stammt? Vielleicht durch forensische Schriftvergleiche? Ist dann ein Forensiker (mit Spezialgebiet Matthäus) zufällig an einem Mülleimer vorbei, wo ihm dieser Zettel ins Auge stach, oder hat da einer sämtliche Mülleimer durchwühlt, weil die deutsche Öffentlichkeit das wissen mus? Gibt es einen Matthäus-Abfall-Sammler?

    Armer Loddar. Aus Liebeskummer hat sich schon so mancher Mensch zum Deppen gemacht.
    Manchmal hab‘ ich den Eindruck, dass Loddar die Fettnäpfchensuche als eine Sportart sieht, in welcher er sich noch nicht an der Weltspitze sieht.

  • User
  • 05.09.2010 17:41:35 AbteilungAttacke

    So wie ich Loddar kenne, hat der die Zettel der Blöd doch auf dem Silbertablett serviert.

  • User
  • 06.09.2010 08:45:10 giselher

    ...dass Loddar die Fettnäpfchensuche als eine Sportart sieht, in welcher er sich noch nicht an der Weltspitze sieht.

    Wenn der in irgendeiner Sportart noch Weltspitze sein sollte, dann im Fettnäpfchentreffen ...

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