Das Nuller-Heft

11FREUNDE-Spezial: 00er

Das waren die Nuller Jahre

Neu hier? Alle Infos zu 11Freunde Community
30.11.1999

Mario Américo: Der beste Masseur der Welt

»Er hatte heilende Hände«

Interview: Alex Raack  Bild: Imago

Dieter Hochmuth gilt als einer der besten Sportphysiotherapeuten Deutschlands. Seine Karriere startete 1977 in Sao Paolo, bei einem Praktikum der besonderen Art. Sein Lehrmeister: Der legendäre Mario Américo.

Mario Américo: Der beste Masseur der Welt - »Er hatte heilende Hände«


Dieter Hochmuth, Sie haben 1977 ein Praktikum beim bekanntesten Sportmasseur der Fußballgeschichte absolviert – Mario Américo. Wie sind Sie denn daran gekommen?

Lange Geschichte: Ich habe zu der Zeit einen gewissen Herrn Grammer aus Amberg massiert. Der wiederum war Besitzer einer Fabrik, die Schwebesitze für Traktoren herstellte, unter anderem mit einer Zweigstelle in Brasilien. Während einer Behandlung erzählte er mir von einer Dienstreise nach Sao Paulo, was mich wiederum dazu brachte, ihm von meinem großen Vorbild zu berichten: Mario Américo, dem legendären Masseur der brasilianischen Nationalmannschaft.



Wie ging es weiter?

Sechs Wochen später lag Herr Grammer wieder auf meinem Tisch. »Übrigens, Herr Hochmuth, mein Kollege in Sao Paulo kennt ihren Mario Américo. Der sitzt inzwischen als Abgeordneter im Staatsparlament.« Wenn ich denn Lust hätte, würde er mir den Kontakt herstellen. Das wollte ich natürlich unbedingt.

Also gleich rein in den Flieger und ab nach Brasilien?

Moment, so eine Weltreise war damals richtig teuer. Ich habe noch ein Jahr lang im Krankenhaus gearbeitet und mir das nötige Geld zusammengespart. Dann konnte die Tour beginnen.

Zwischen 1977 und 1980 haben Sie dann vier einmonatige Praktika absolviert.

Ganz genau. Einmal im Jahr bin ich rüber, habe bei Mario in der Praxis hospitiert, beim heimischen FC Portuguesa gearbeitet und Mario dabei geholfen die brasilianische Box-Nationalmannschaft auf die Panamerikanischen Kämpfe in Puerto Rico vorzubereiten.

Wie kommt man eigentlich dazu, einen brasilianischen Physiotherapeuten als sein Vorbild auszuwählen?

Ich habe meinen Beruf damals schon geliebt und Mitte der siebziger Jahre gab es nur zwei bekannte Fußball-Betreuer, die über die Grenzen ihres Schaffens bekannt waren. In Deutschland Erich Deuser und international eben Mario Américo, dem man nachsagte, er habe heilende Hände.

Die Weltmeisterschaft 1974 in Deutschland war Américos letztes Turnier für die brasilianische Fußball-Nationalmannschaft. Seine mächtige Gestalt, die riesige Gürteltasche und seine Art verletzte Spieler vom Platz zu schaffen,  dürfte damals nicht nur Sie beeindruckt haben...

Mario war der erste Star-Betreuer der Fußball-Geschichte. Der lief auf den Rasen, holte seine geheimnisvollen Tinkturen aus der Tasche und wenn es gar nicht anders ging, warf er Pelé, Jairzinho, oder wie sie alle hießen, über die breiten Schultern und schleppte sie vom Feld! Gleich nach der WM kaufte ich mir eine Turnier-Chronik, darin ein großes Foto von ihm und seiner ominösen Tasche. Die ich dann übrigens nach meinem Praktikum auch in Deutschland eingeführt habe.

Um den Inhalt von Américos Tasche wurde jahrzehntelang gerätselt. Was war denn nun tatsächlich drin? Wunderdrogen? Spritzen? Geheimnisvolle Pillen?

Von wegen. Ganz vorne lagen Schwamm und Eis in Styropor, die restlichen Taschen waren gefüllt mit selbst hergestellten Salben und Tinkturen. Alles rein pflanzlich.

Woher wollen Sie das wissen?

Weil er mir in meinem letzten Praktikumsmonat ein paar Rezepte mit auf den Heimweg gab, die ich dann in Deutschland von befreundeten Apothekern anmischen ließ.

Und plötzlich waren Sie der deutsche Wunderheiler?

Nein, nein. Die Salben und Cremes verkauften sich in meinem näheren Umfeld zwar sehr gut, aber um für die Sachen deutschlandweit zu werben fehlte mir schlichtweg das Geld.

Gibt es denn noch Salben auf Américo-Basis zu kaufen?

Ein Ableger ist in meinem Online-Shop noch zu haben: »Amazonas Balm«. Je nach Wunsch leicht kühlend, oder leicht wärmend.


weiterlesen [1] [2]





Das ist Dieter Hochmuth: 1976 begann er seine berufliche Laufbahn als Masseur und medizinischer Bademeister im Marienkrankhaus. Nach den Praktika bei Mario Américo zwischen 1977 und 1980 arbeitete er zwei Jahre lang als Sportphysiotherapeut beim 1. FC Nürnberg, Club-Boss Michael A. Roth war den Empfehlungen seiner Fußballer nachgegangen. Seit 1979 ist er zudem Inhaber eines Reha-Zentrums für Sportphysiotherapie und Krankengymnastik in Kümmersbruck. Zwischenzeitlich knete er Tenniskörper von Edberg, Becker, Sampras und Co. auf der ATP-Tour. Der nächste Clou ist bereits in Planung: Eine App für die physiotherapeutische Behandlung von Golfspielern.


Fotostrecke

  • Das ist Dieter Hochmuth: 1976 begann er seine berufliche Laufbahn als Masseur und medizinischer Bademeister im Marienkrankhaus. Nach den Praktika bei Mario Américo zwischen 1977 und 1980 arbeitete er zwei Jahre lang als Sportphysiotherapeut beim 1. FC Nürnberg, Club-Boss Michael A. Roth war den Empfehlungen seiner Fußballer nachgegangen. Seit 1979 ist er zudem Inhaber eines Reha-Zentrums für Sportphysiotherapie und Krankengymnastik in Kümmersbruck. Zwischenzeitlich knete er Tenniskörper von Edberg, Becker, Sampras und Co. auf der ATP-Tour. Der nächste Clou ist bereits in Planung: Eine App für die physiotherapeutische Behandlung von Golfspielern.


Kommentare

Logge Dich ein, um einen Beitrag zu schreiben!

VON DEN LESERN EMPFOHLEN



DIE AKTUELLE UMFRAGE

Igor de Camargo ist...

super
Belgier
Brasilianer
eine Nasenschwalbe
blöd
clever
groß
klein
mittelgut
Igor de Camargo




Dr. Roland Loy im Interview


Runde Fußballer

  • Manfred Kreis (Fortuna Köln)

11Freunde Liveticker

11FREUNDE @ TWITTER