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12.08.2010

PSG kommt nicht zur Ruhe

Pariser Stilfragen

Text: Tilo Mahn  Bild: Imago

Die großen Erfolge von PSG liegen lange zurück. Fußball wird in Paris zur Nebensache, Fanausschreitungen bestimmen die Schlagzeilen – und die Liste der Maßnahmen gegen Hooliganismus in der Hauptstadt wird immer länger.

PSG kommt nicht zur Ruhe  - Pariser Stilfragen


Am ersten Spieltag der französischen Ligue 1 hat die Verantwortlichen von Paris Saint-Germain die Vergangenheit eingeholt. Fast 250 Fans des Hauptstadtklubs musste die Polizei am Samstag vor dem Spiel gegen den AS Saint-Etienne festnehmen. »Die Fans hatten versucht, die Leute daran zu hindern, ins Stadion zu gehen«, sagte ein Sprecher der französischen Polizei. Die Randalierer hatten gegen neue Bestimmungen protestiert, die der Verein zur Sicherheit im Stadion eingeführt hatte. Die Pariser Fans dürfen demnach in ihrer Kurve nicht mehr frei entscheiden, wo sie ihren Platz haben. Der Verein verspricht sich davon weniger Gewalt im Stadion.



Schon im März hatten Pariser Fans einen Stadionboykott angekündigt. Damals als Reaktion auf Ausschreitungen von Hooligans. Nachdem beim Spiel Paris gegen Marseille im Februar ein Pariser Fan zu Tode geprügelt worden war, hatten sich die Fangruppen der »Tribune de l´Auteuil« gegen die Sanktionen des französischen Verbandes gewehrt. Spiele unter Ausschluss der Öffentlichkeit waren die Folge. Der Präsident von PSG, Robin Leproux, versuchte mit einem »Anti-Gewaltplan« die gewaltbereiten Fanlager aus dem Stadion zu vertreiben. Günstige Eintrittspreise für Kinder und Familien sollten helfen, ein anderes Publikum in den Prinzenpark zu locken und das Bild der Pariser Fans zu verbessern. Mit Familienbereichen in den Fankurven erhoffte sich PSG, sein Publikum friedlicher stimmen zu können. Doch die extremen Fangruppen wie »Commando Loubard« oder »Milice Paris« ließen sich von den Maßnahmen nicht abschrecken.

Hooliganismus wird zur Chefsache

»Bevor man sich entscheidet, PSG zu unterstützen, musste man zuerst einmal klarstellen, zu welchem Fanlager man gehört. Egal ob Auteuil oder Boulogne, in der Pariser Fankultur war es notwendig, einer Gruppe anzugehören«, schrieb die französische Zeitung »Le Parisien«.  Besonders bei Spielen gegen Marseille sind einzelne Fangruppen immer wieder mit extremen Fans von Olympique aneinandergeraten. Nach dem Spiel am 28. Februar hatten sich die Fangruppen gegenseitig durch die Stadt gejagt. Dabei hatten Fans aus Marseille so lange auf den 37-jährigen Yann Lorence eingeschlagen, bis dieser bewusstlos wurde, ins Koma fiel und im Krankenhaus verstarb.

Mit dem Vorfall hatten sich selbst das französische Innenministerium und der Bürgermeister von Paris, Bertrand Delanoë, beschäftigt. Man wolle »ein Bündel an Maßnahmen ergreifen, um den Hooliganismus in Paris auszulöschen«, sagte Delanoë. Von Seiten der französischen Regierung drohten die Verantwortlichen: »Das Überleben von PSG steht auf dem Spiel.« Alle Beteiligten hatten sich daraufhin schärfere Maßnahmen versprochen. Auffällige Fans sollten nicht nur Stadionverbot bekommen, sondern durch eine Bannmeile rund um die Spielorte nicht einmal mehr in die Nähe der Stadien gelangen. Spiele ohne Publikum über die Dauer einer gesamten Saison waren im Gespräch.

»Charakterproblem im Verein«

Französische Journalisten, die den Verein in Frankreichs Hauptstadt seit Jahren journalistisch begleiten, sehen jedoch in den Vorfällen vom Wochenende ein Problem, das nie gelöst wurde. Besonders den rechts orientierten Fangruppen wie »Kop de Boulogne« sei mit einer Durchmischung im Stadion nicht beizukommen. Die Tageszeitung »Le Parisien« hatte schon vor vier Jahren kritisiert, dass die Fanausschreitungen in Paris auch auf »den Charakter im Verein« zurückzuführen seien.  Daher fordern Hooligan-Experten wie Dominique Bodin von der Universität Rennes, in ganz Frankreich den Vereinen Erzieher zur Verfügung zu stellen, damit diese in den Fangruppen Konflikte entschärfen und die Fans von Gewalt abhalten können.

Bei einem Spiel im UEFA-Cup vor knapp vier Jahren gegen Hapoel Tel Aviv hatten etwa 150 Pariser Hooligans einen israelischen Fan überfallen. Ein französischer Polizist hatte den Israeli beschützt und einen der Hooligans aus Notwehr erschossen. Ein Journalist der Zeitschrift »L´Express« hatte die Szene beobachtet und dem Polizisten ein »bemerkenswertes Maß an Gelassenheit« bescheinigt. In nächsten Heimspiel von PSG am 19. August in der Europa League gegen Maccabi Tel Aviv wird sich zeigen, wie gelassen Paris Saint-Germain auf die erneuten Unruhen reagieren kann.






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Kommentare

  • User
  • 09.08.2010 19:27:44 pandanator

    Yann Lorence wurde nicht von Fans aus Marseille todgeprügelt sondern von Leuten aus der Auteuilekurve. Lorence selber war ein Hooligan aus der rechten Boulgneszene die seit sich Jahren in einer erbitterten Rivalität zur unpolitischen ethnich durchmischten Auteuilekurve befindet.

  • User
  • 10.08.2010 01:45:36 DJ Gleise

    war in der saison 08/09 ein paar mal im Prinzenpark, auch gegen OM, so krass wie es beschrieben wird ist es auch nicht, als neutraler fan wird man in ruhe gelassen, allerdings sind da schon komische typen unterwegs, aber die stimmung ist gigantisch, gerade wenn OM sich die Ehre gibt

  • User
  • 10.08.2010 10:36:41 van Gool

    Pandanator hat Recht.

    Paris verfügt über zwei grundverschiedene Kurven, die sich in ihrer (sozialen) Herkunft, ihrer Zusammensetzung und von ihrem Selbstverständnis und der Ausrichtung her komplett unterscheiden.

    Die daraus resultierenden Folgen für den Verein, sein Publikum und das Umfeld muten schon sehr speziell an und mir ist europaweit so keine vergleichbare Situation bei einem anderen Verein bekannt.

    Ergänzend hierzu:

    http://www.coloniacs.com/?p=84

    Hinweis: Ganz neutral - die Fakten stimmen, ungeachtet dessen, wie man zur Ultraszene steht, und, nein, ich bin kein Ultra, und, ja, mittels dreimal googeln und mit etwas Allgemeininteresse kann man darüber im Internet stolpern, was dem Artikel im Interesse einer genaueren (besseren) Hintergrundrecherche gut getan hätte.

    Denn, wie gesagt, Paris scheint, was das Thema angeht, schon sehr speziell (und damit interessant) zu sein, was einen Blick hinter die Kulissen lohnend erscheinen lässt.

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