Die Geschichte der Fußballfans

11FREUNDE-Spezial: Nr. 1

Die Geschichte der Fußballfans

Neu hier? Alle Infos zu 11Freunde Community
05.07.2010

Hellmut Krug über drei Elfmeter in zwei Minuten

»Den gibt man eher nicht«

Interview: Benedikt Voigt  Bild: Imago

Was lange Zeit als großer Langweiler in die Fußball-Geschichte einzugehen drohte, erfuhr durch drei Elfmeter in zwei Minuten eine dramatische Wendung. Ex-Schiedsrichter Hellmut Krug über das Viertelfinale Spanien gegen Paraguay.

Hellmut Krug über drei Elfmeter in zwei Minuten - »Den gibt man eher nicht«


Hellmut Krug, im Viertelfinale Spanien gegen Paraguay gab es drei Elfmeter in zwei Minuten – haben Sie das schon einmal erlebt?

Das ist sicherlich ungewöhnlich, weil der zweite Strafstoß im direkten Gegenzug gegeben wurde. Aber das ist für einen Schiedsrichter nicht maßgeblich.



Waren es denn berechtigte Elfmeter?

Der erste ist unstrittig, das war ein fortgesetztes Halten. Der zweite Strafstoß ist, die Fernsehbilder zugrunde gelegt, schon diskutabel. Ob der kurze Griff des Abwehrspielers zur Schulter des Angreifers tatsächlich für dessen Fall ausreichte oder ob der Angreifer selbst einen Beitrag dazu geleistet hat, ist schwer zu sagen. Nach den TV-Bildern zu urteilen ist das sicherlich ein Elfmeter, den ein Schiedsrichter eher nicht gibt.

War es anschließend richtig, den zweiten Elfmeter zu wiederholen, weil die spanischen Spieler zu früh reingelaufen sind?

Ich bin eher der Überzeugung, dass dieser Elfmeter wiederholt werden musste, weil der Schiedsrichter ihn nicht angepfiffen hat. Achten Sie auf die Körpersprache des Schiedsrichters. Er rennt sofort nach dem Schuss mit hocherhobenen Armen zum Strafstoßpunkt und zeigt auf seine Pfeife. Das deutet darauf hin, dass er sagen will: Du musst warten, bis ich den Strafstoß angepfiffen habe.

Wegen Hineinlaufens hätte man den ersten wiederholen lassen können...

...eben, den ersten hätte man deswegen wiederholen lassen können. Dort war das Hereinlaufen viel deutlicher. Daher wäre es unlogisch, wenn er den zweiten aus diesem Grunde hätte wiederholen lassen. Dort war das Hineinlaufen in einem Bereich, den wir als tolerabel bezeichnen.

Eigentlich hätte es vier Elfmeter in zwei Minuten geben müssen, weil Paraguays Torwart nach seinem parierten Strafstoß Fabregas von den Beinen holt.

Ich bin sicher, dass Schiedsrichter Batres dieses Foul nicht genau gesehen hat. Da haben ihm einige Spieler den Blick verstellt. Für Schiedsrichter ist ohnehin immer schwer auszumachen, ob der herausstürzende Torwart den Ball noch erreicht oder lediglich den Spieler zu Fall bringt.

Müssten die Referee-Leistungen nach der Vorrunde nicht besser werden?

Bei den Weltmeisterschaften vergangener Jahre war es so, dass zum Ende der Vorrunde die Schiedsrichter in der Kritik standen. Grund ist in erster Linie, dass nicht alle Schiedsrichter den Anspruch erfüllen, den wir bei einer WM an sie stellen. Eigentlich sollten die weltbesten dort sein, doch wenn man Schiedsrichter aus der ganzen Welt einsetzen will, wird man diesem Anspruch nicht durchgängig gerecht. Es werden auch Schiedsrichter aus Nationen berufen, in denen der Fußball keinen so großen Stellenwert einnimmt. In Deutschland stehen die Schiedsrichter vor bis zu 80 000 Zuschauern Woche für Woche auf dem Prüfstand. Da ist schwer zu verstehen, warum wir mit nur einem Schiedsrichter vertreten sind. Immerhin bleiben nach der Vorrunde die besten Schiedsrichter übrig.

Müssen wir ab dem Halbfinale nicht mehr über die Schiedsrichter diskutieren?

Das wollen wir hoffen. Aber auch ein guter Schiedsrichter kann Fehler machen.


Hellmut Krug leitete 240 Bundesligaspiele und ist Mitglied der DFB-Schiedsrichterkommission.






Ähnliche Artikel

Kommentare

  • User
  • 05.07.2010 20:52:06 Marco Polo

    Der Elfmeter hätte wiederholt werden MÜSSEN. Da gibt es nichts zu diskutieren. Wenn jetzt noch weitere FIFA Schiedsrichter mich eines besseren belehren, dann schweige ich. ABer in der Kreisliga lasse ich sowas wiederholen und von Beobachtern wird mir das auch nciht angekreidet...

  • User
  • 05.07.2010 22:30:23 GTEvo

    Helmut Krug ist Sch_ _ _

    In meiner Wahrnehmung als Ex-Fußballer, als Zuschauer, als Fan, als Leser, bewerte ich dass so!^^
    Holger

  • User
  • 05.07.2010 22:42:30 curb

    Grund ist in erster Linie, dass nicht alle Schiedsrichter den Anspruch erfüllen, den wir bei einer WM an sie stellen. Eigentlich sollten die weltbesten dort sein, doch wenn man Schiedsrichter aus der ganzen Welt einsetzen will, wird man diesem Anspruch nicht durchgängig gerecht. Es werden auch Schiedsrichter aus Nationen berufen, in denen der Fußball keinen so großen Stellenwert einnimmt.

    Dieses chauvinistische Gehabe bei der Herkunft der Schiedsrichter ist ja unerträglich und nur Ausdruck der Hilflosigkeit der Verantwortlichen. Noch mal zur Erinnerung für Herrn Krug: Der Kartenkasper aus dem Vorrundenspiel Serbien vs Deutschland pfeift für gewöhnlich in der stärksten Liga der Welt. Herr Rosetti und sein Assi aus der Serie A waren es, die sich von der Standionregie bei MEX vs ARG haben vorführen lassen müssen. Und von Graham Poll aus dem Mutterland aller Schiedsrichter muss man ja jetzt gar nicht erst anfangen. Natürlich gibt es auch genügend Beispiele für Fehlentscheidungen von Schiedsrichtern aus Saudi-Arabien oder den Seychellen, aber die Herren Mallenco oder Rosetti haben doch wohl eindrucksvoll bewiesen, dass (menschliche) Fehlentscheidungen oder schwache Leistungen keine Frage der Herkunft(sliga) sind.

  • User
  • 06.07.2010 00:16:14 Shileno

    Nicht zu vergessen, dass einer der bisher besten Schiris bei der WM aus Usbekistan kommt...

  • User
  • 06.07.2010 09:33:18 garlef

    curb // Dieses chauvinistische Gehabe bei der Herkunft der Schiedsrichter

    Dem möchte ich einfach mal aus vollem Herzen zustimmen, weil mir eben dieses Dumm-Stammtischgerede seit Ewigkeiten und seit vielen WM-Turnieren auf den Geist geht. Es werden (vermeintliche oder echte) schlechte Referee-Leistungen moniert und dann wird verbal auf die Schiedsrichter eingedroschen, die "irgendwo am Strand" pfeifen. Für dieses Zitat gehört Hitzfeld bestraft (Geldstrafe oder ähnliches). Der aus welchem Grund auch immer so hoch geschätzte Ottmar ist da Wiederholungstäter.

    Fakt ist: Die Referees aus Asien, Mittelamerika, Afrika fällen die Entscheidungen (falsch oder richtig), die die Unparteiischen aus Italien, Spanien etc auch fällen. 2006 gab Cantalejo/ESP einen Elfer für Italien gegen Australien. Iwanow/RUS wurde nach Niederlande gegen Portugal von Blatter und Medien geschasst (ich fand ihn gut; er hätte von den 22 alle Regeln umgehenden und beugenden Spieler ruhig noch mehr runterstellen können). Poll/ENG - naja. Die Herren Tellez/MEX und Larrionda/URU (Lampard-Tor gegen Deutschland), die auch bei dieser WM in Einsatz sind, pfiffen 2006 die Halbfinals. Und das haben beide ausgezeichnet gemacht. Und ich erinnere kurz an 1998, als Herr Bujsaim aus den Vereinigten Arabischen Emiraten das Halbflnale Brasilien gegen Niederlande pfiff, und in einem herausragenden Spiel auch noch positiv auffiel. Der war ohnehin einer der Besten. Das Finale 1998 leitete übrigens ein Marokkaner. Ohne Beanstandung. 2010 ist der Usbeke Irmatow klasse, einzig das Gelbe gegen Müller wird ihm nun schon seit Tagen zur Last gelegt. Dass De Bleeckere/BEL beim Spiel Paraguay gegen Japan, in dem es geschätzte zwei derbere Fouls gab, von fünf Gelben Karten drei wegen Handspiels verteilt (die Absicht ist zum Teil nur mit viel Phantasie zu erkennen), ändert nichts daran, dass er Bestnoten erhält. Zufall???

    Fazit: Das Thema ist ein alter Hut. Nicht mehr aufsetzbar. Die, die bei der WM pfeifen, sind FIFA-Referees. Und die können sich vergucken, egal, ob sie aus einer europäischen Metropole oder aus einem Dorf in Nordafrika kommen. Es passt nur zu gut, die "Außenseiter" noch weiter an den Rand zu drängen. Das Kranke daran ist, dass nach den Spielen gerne auch auf die Europäer geschimpft wird, in der Generaldebatte aber ständig nur die Karte "Strand-Schiri" gezogen wird.

  • User
  • 06.07.2010 10:12:01 Andreas Blenke

    Auch für den Fall, daß ich einigen auf die Nerven gehe — die immer lauter werdende Kritik an den Schiris hängt doch damit zusammen, daß uns vor dem heimischen Fernseher einfach bessere Technik zur Verfügung steht als den Offiziellen auf dem Platz.

    (Okeh — das Lampard-Tor, das dann keines sein sollte, hatte wohl auch fast jeder auf den Rängen richtig beurteilt. Aber wie oft, muß ich mir, nachdem ich im Stadion war, noch die Zusammenfassung im Fernsehen ansehen, um wirklich beurteilen zu können, was ich da zuvor wahrgenommen hatte.)

    Also gebt den Schiedsrichtern endlich die entsprechenden Hilfsmittel, damit sie ihren Job zur Zufriedenheit aller Beteiligten ordentlich erledigen können.

    Von wegen Pfeifen vom Strand: Einer der Schiedsrichter, die mir in diesem Turnier besonders positiv aufgefallen warern, war Koman Coulibaly aus Mali — und dann erkennt er kurz vor Schluß das Tor der Vereinigten Staaten gegen Slowenien nicht an. Das Spiel endet unentschieden.

    Hätte der vierte Offizielle am Spielfeldrand kurz einen Blick auf den Bildschirm werfen und seinen Chef über das, was er gesehen hätte, informieren dürfen, wären weder das Spiel der USA noch die bis dahin ausgezeichnete Leistung des Schiedsrichterteams zunichte gemacht worden.

  • User
  • 06.07.2010 10:45:21 garlef

    Andreas Blenke

    Der Coulibaly wurde ja auch heftigst kritisiert. Ich habe das Spiel nicht gesehen, aber so, wie du es schilderst, läuft es auf ein altes Muster hinaus: Der Schiri ist dem Spiel ein guter Leiter (und das will ich als Zuschauer), er macht einen Fehler (der durch das TV sichtbar wird), und er gilt als "Tomaten-Schiri" etc. Spielt ein Akteur großartig auf und verschießt einen Elfmeter (sprich: macht einen vielleicht spielentscheidenden Fehler) gilt er schlimmstenfalls als tragischer Held. Referees sind letztlich das schwache Glied, auf das sich trefflich eindreschen lässt. Und alle machen mit. Und in der Gruppe geht vieles ja auch einfacher.

    Wobei eine Schiri-Leistung natürlich kritisiert werden soll und muss. Und auch ich habe bei dieser WM manche Leistung gesehen, bei der ich zusammengezuckt bin aufgrund der meiner Meinung nach haarsträubenden Regelauslegung (Elfenbeinküste-Brasilien; Lannoy/Frankreich). Aber bitte alles mit Augenmaß, ohne Oberlehrer-Gehabe und ohne Schaum vorm Mund. Wenn man eine Strichliste machen und die Fehler aller Beteiligten in den 90 Minuten notieren würde, kämen die Spieler meist schlechter weg als die Referees. Auf WM-Niveau hält sich wohl manches noch die Waage, ab Bundesliga abwärts liegen die Spieler weit vorn...

  • User
  • 06.07.2010 11:04:38 sgu07

    Also gebt den Schiedsrichtern endlich die entsprechenden Hilfsmittel, damit sie ihren Job zur Zufriedenheit aller Beteiligten ordentlich erledigen können.

    oder so:

    also nehmt den fernsehzuschauern die hilfsmittel super-slomo, standbild und falsche kommentare, damit alle beteiligten mit der leistung der schiedsrichter wieder zufriedener sind.

  • User
  • 06.07.2010 11:15:58 gelsenkirchen

    der schiri zwischen brasilien und holland bekam die kicker-note 5. ich fand den eigentlich ganz gut weil er außerordentlich korrekt gepfiffen hat!

  • User
  • 06.07.2010 11:32:10 noorange

    Am besten sind im Augenblick die Standbilder bei Abseitsentscheidungen: früher wurde den Schiris noch ein paar Pixel gegönnt und man konnte als Fernsehzuschauer noch erkennen, dass der Ball den Fuß verlassen hat. Heute wird das Bild noch früher angehalten, keine "Lücke" zwischen Ball und Fuß. Was für ein Schwachsinn.

  • User
  • 06.07.2010 11:42:48 Redondo71

    Heute 11:15:58 von gelsenkirchen

    der schiri zwischen brasilien und holland bekam die kicker-note 5. ich fand den eigentlich ganz gut weil er außerordentlich korrekt gepfiffen hat!


    Das war doch der Japaner, oder? Der hat m. E. sehr gut gepfiffen, und das fanden außer mir auch alle anderen, die in meiner näheren Umgebung saßen und schwitzten...Kurios war die Szene als er versehentlich mit "rot" auf einen Spieler zustürmte. Aber auch da hat er - wie ich meine - sehr gut reagiert und seine Versehen mit einem Lächeln korrigiert.

    Im Übrigen danke ich curb und garlef für ihre Beiträge. Mir waren die Strand-Schiedsrichter und deren Leistungen bei der letzten WM nicht mehr so präsent.

  • User
  • 06.07.2010 11:45:33 Buthelezi

    Was mich bei der Beurteilung von Schiedsrichterleistungen immer irritiert ist, dass es weniger um die Menge als mehr um die Bedeutung der Fehlentscheidungen geht.

    Trifft ein Schiri 99 von 100 Entscheidungen richtig, aber die eine falsche ist eine knappe Abseitsposition oder z.B. eine fragwürdiger Elfmeter heißt es oft: Der Schiri war schlecht.

    Trifft ein Schiri nur 50 von 100 Entscheidungen richtig, lag aber zufällig bei den Entscheidugnen die zu Toren (oder eben nicht) führten richtig, gilt er in der Regel als guter Schiri.

    Natürlich ist es in der Realität nicht ganz so krass, aber ich denke die Tendenz, die ich darstellen will, kommt rüber.

    Mir ist schon klar, woher das kommt, aber richtig fair ist es nicht und es wird den Schiris nicht gerecht.

  • User
  • 06.07.2010 11:51:24 L3v3l0rd

    also nehmt den fernsehzuschauern die hilfsmittel super-slomo
    Wieso? Auf Popeln in super-slomo möchte ich nicht verzichten! Ich hab noch nich eine vernünftige Super-slomo gesehen... würd mir auch zu lange dauern, ehrlich gesagt.

  • User
  • 06.07.2010 15:00:22 Andreas Blenke

    @garlef

    Vor dem angesprochenen Spiel lief das Spiel Deutschlands gegen Serbien. Der Schiedsrichter dieses Spiels stand ja (zurecht) gleich sehr in der Kritik. Zu diesem Zeitpunkt im Turnier befürchteten schon alle, die ganze Veranstaltung könnte ein noch nie dagewesenes Kartenfestival werden.

    Man war also bereits sensibilisiert für das Thema. Gerade deshalb empfand ich Herrn Coulibalys Leitung des Spiels als so gut — er und seine Assistenten hatten sowohl das ein gutes Auge als auch das nötige Fingerspitzengefühl.

    Dieses Beispiel habe ich gewählt, weil es eben ein Schiedsrichter aus einem sogenannten »Fußballentwicklungsland« (was immer das eigentlich sein soll) war, der eine hervorragende Leistung ablieferte, bis auf eine krasse Fehlentscheidung eben, die dann auch noch derart große Bedeutung hatte.

    Genau das Problem, das Buthelezi zwei Posts zuvor so treffend beschrieben hat.

    Zur Super-Slomo: wurde offenbar nur eingeführt, damit man in der Wiederholung eines Kopfball-Zweikampfes besser die Flugbahnen aller Schweißtropfen beider Spieler verfolgen kann. In dieser Form überflüssig.

zum Forum

Logge Dich ein, um einen Beitrag zu schreiben!

VON DEN LESERN EMPFOHLEN



DIE AKTUELLE UMFRAGE

Thema: Fußballfans. Eure Wunschgäste für Maischberger, Lanz, Plasberg und Co.?

Werner Schulze-Erdel
Charly Steeb
Alf
Bono
Frank Zander
Zini
Max Power
Johannes B. Kerner
Günter Wallraf
Campino
Andreas Elsholz
Alfred Biolek
Vera Int-Veen
Marius Müller-Westernhagen
Ich




Werner Lorant im Interview


Rekordtorschützen in der U21

  • Pierre Littbarski (21 Spiele, 18 Tore)
  • Heiko Herrlich (20 / 17)
  • Benjamin Auer (23 / 15)
  • Mike Hanke (26 / 14)

11Freunde Liveticker

11FREUNDE @ TWITTER