Ernst Middendorp als TV-Experte
Out of Bielefeld
Text: Simon Riesche Bild: Imago
In Deutschland mit eher zweifelhaftem Ruf behaftet, ist Ernst Middendorp in Südafrika ein Star. Der deutsche Trainer ist WM-Experte für das südafrikanische Fernsehen – mit durchaus gewagten Analysen.
Ernst Middendorp scheint das alles sehr zu genießen. Ob er denn wirklich ernst meine, was er da gerade gesagt habe, will Walter Mokoena, eine Art Wolf-Dieter Poschmann des südafrikanischen Fernsehens, von seinem Experten wissen. »Natürlich«, sagt der deutsche Trainer und lächelt verschmitzt, »in zwei Jahren wird Mesut Özil genau so gut sein wie Lionel Messi.«
Willkommen zur Middendorp-Show! Es ist der Auftritt eines Paradiesvogels – verlacht in der Heimat, geschätzt in der Fremde. Der 51-Jährige, zurzeit Coach des südafrikanischen Erstligisten Maritzburg United, ist einer der WM-Experten des großen südafrikanischen Fernsehsenders SABC und als solcher voll in seinem Element. In herrlich verschwurbeltem Englisch setzt er immer wieder zu seinen berühmt berüchtigten Taktikvorträgen an, macht zwischendurch lange Kunstpausen. Südafrika hängt an seinen Lippen.
Vom Jahrhunderttrainer zum Ekel-Ernst
In Bielefeld, wo Middendorp in seiner bewegten Karriere gleich dreimal Station machte, wählten ihn die Arminia-Fans einst zum „Jahrhunderttrainer“, nannten ihn aber auch „Ekel-Ernst“. In den wilden 90ern beleidigte er in der ostwestfälischen Provinz Journalisten als „Bratwürste“. Auch bei seinem sagenumwobenen Comeback 2007, als er Arminias Spieler erst im Stile eines wild gewordenen Feldwebels zusammenfaltete und dann sensationell vor dem Abstieg rettete, sorgte er für Schlagzeilen. Nach einem Sieg entdeckte ihn die Polizei mit 1,2 Promille schlafend am Steuer seines Wagens. Wenige Monate später verlor Middendorp seinen Job, obwohl er zuvor noch großspurig erklärt hatte, er könne sich in Bielefeld „nur selber entlassen“.
Sein Ruhm ist leicht verstaubt
In Südafrika sind den Fans diese Eskapaden egal, hier schätzen sie Middendorp als großen Taktikfuchs. Als Trainer von Maritzburg United ist es etwas ruhiger geworden um „the crazy German“. Middendorps Ruhm stammt aus seiner Zeit als Coach der Kaizer Chiefs, einem der beliebtesten Vereine in Südafrika, den er von 2005 bis 2007 trainierte. Mit wem man auch spricht in Johannesburg, jeder scheint ihn zu mögen - den „Örnst“.
Paul Ince legt die Stirn in Falten
Und so werden sie ihn während dieser WM auch weiter ins Fernsehstudio einladen und seinen abenteuerlichen Analysen lauschen. Die einzigen, die sich etwas über Middendorp zu wundern scheinen, sind die anderen internationalen WM-Experten von SABC. Das Gesicht von Paul Ince, langjähriger Kapitän der englischen Nationalmannschaft, spricht Bände. Was er denn zu den Ausführungen des Deutschen sage, fragt ihn der Moderator. „Well“, sagt Ince lächelnd – und macht dann eine fast schon Middendorpsche Kunstpause.
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