Fernsehsport: Netzer tritt ab
Jünters Weisheiten
Text: Jörn Lange und Christian Gail Bild: Imago
Nach nunmehr zehn Jahren soll es nun vorbei sein: Günter Netzer und Gerhard Delling, die Statler und Waldorf der ARD, werden uns in Südafrika zum letzten Mal mit sachkundigen Analysen und subtilem Wortwitz erheitern.
Als Günter Netzer und Gerhard Delling im Jahr 2000 erstmals gemeinsam die deutsche Fernsehbühne betreten, erinnern sie phasenweise an Statler und Waldorf aus der »Muppet Show«. Irgendwie altbacken, doch trotzdem oder gerade deswegen das heiße Ding im Fußball-TV-Dschungel, wo sich junge Moderatoren (und vermeintlich junggebliebene Fieldreporter) in immer weiteren Superlativen und Hightechtinnef verlieren. Netzer und Delling werden der angenehme Gegenentwurf sowohl zur bunten ran-Welt als auch zu Kommentatoren-Dinosaurierduos wie Dieter Kürten und Karlheinz Feldkamp. Bereits im ersten Jahr heimsen die gescheitelten Herren einen Grimme-Preis ein.
Dabei neckt sich das Paar in den stärksten Momenten ihres Schaffens fast so, als kämpften sie auf HipHop-Bühnen um das goldene Mikrofon. Delling rühmt Kloses Haltungsnoten beim Torjubel-Salto, Retourkutsche vom Fachmann: »Da sieht man, dass Sie vom Turnen natürlich auch keine Ahnung haben!« Die junge Crowd ist aus dem Häuschen. Der alte Mann auf dem Ohrensessel sowieso.
In dieser Stimmung möchte sich auch der Teamchef nicht lumpen lassen, 2003 erhebt ein fuchsteufelswilder Rudi Völler die Stimme und brandmarkt Netzer in seiner legendären Weißbierrede als »Standfussballer a.D.«.
Doch Netzer bleibt seiner Linie treu. Einige finden das gut, andere unken spätestens 2006, dass die Beziehung Netzer/Delling in die Jahre gekommen sei. Und tatsächlich sind erste Alterserscheinungen in Form schnöder Selbstwiederholung nicht vermeiden. So verkommt das vormalige Dreamteam mit der Zeit zu einem Abziehbildchen seiner selbst, das einstmals blinde Zusammenspiel blitzt nur noch in seltenen Momenten auf. Die Kollegen vom ZDF um Jürgen Klopp lassen die Combo bei der WM in Deutschland jedenfalls nach dem aussehen, was sie wirklich ist: alt.
Dennoch: Als »Tribut« an die letzten zehn Jahre voller fußballerischer Weisheit an dieser Stelle ein Potpourri der besten Bilder und markigsten Sprüche des ehemaligen Weltklassefußballers, Discobesitzers, Managers und Medienfachmanns.







