Beim 11mm-Festival: José Mourinho - The best coach in the world
Batmans Robin
Text: Benjamin Kuhlhoff Bild: Imago
Überheblich, laut und verdammt erfolgreich. Das 11mm-Festival zeigt eine Dokumentation über José Mourinho, der heute zu zu den besten Trainern der Welt gehört. Doch von wem hat The Special One eigentlich gelernt? Wir wissen: von einem Engländer.
24.11.2009. Die knapp 94.000 Zuschauer im Camp Nou warten unruhig auf ihre Helden. Doch jetzt sind erst die anderen dran. Inter Mailand ist zu Gast. Zanetti, Lucio, Cambiasso und wie sie alle heißen. Sie werden geduldet. Es gibt nur vereinzelte Pfiffe. Dann kommt Samuel Eto’o, der vor der Saison zu Inter Mailand verkauft/-tauscht/-trieben wurde. Die Menschen erheben sich von den Sitzen. Applaus brandet auf. Sie lieben ihren Samu noch immer, egal, welches Trikot er trägt. Echte Helden vergisst man nicht, man respektiert sie. Auch Eto’o muss schwer schlucken. Ein bewegender Moment.
Und dann tritt noch ein alter Bekannter ins Rund: José Mário dos Santos Félix Mourinho, besser bekannt als: »The Special One«, kehrt zurück an seine alte Wirkungsstätte. Die Fans bleiben stehen. Der Applaus verstummt und von den Rängen hallt es: »Du bist nur ein Übersetzer.« Respekt? Fehlanzeige. Diesen arroganten Gockel belächeln sie hier nur.
Die rechte Hand des Misters
Dabei wäre er einmal beinahe einer ihrer Helden geworden. Denn der Weg von José Mourinho an die großen Fleischtöpfe des Weltfußballs ist eng geknüpft an einen Mann: Bobby Robson. Robson, der im Juli 2009 an Lungenkrebs verstarb, gilt als Mentor des extrovertierten Portugiesen. Das erste Treffen der englischen Trainerlegende mit dem charismatischen Neuling ist detailgetreu in Robsons Autobiographie »Farewell But Not Goodbye« beschrieben: »Wir trafen uns das erste Mal 1992 an einem Flughafen in Lissabon. Er sagt zu mir: ›Hallo Mister. Ich heiße José Mourinho und der Präsident von Sporting Lissabon hat mich als ihren Übersetzer engagiert. Ich hoffe, ich kann einen guten Job für sie machen.‹ Seit dem Tag hat er mich immer Mister genannt. Das war typisch für José. Immer nett und zuvorkommend.« Robson und Mourinho blieben danach auf Jahre unzertrennlich. Ein Duo wie Batman und Robin.
Auf der einen Seite der anerkannte Trainer, der so ziemlich alles erlebt hat, als Entdecker und Förderer zahlreicher Weltstars wie Gascoigne, Lineker, Romario, Ronaldo, Figo und Shearer gilt. Auf der anderen Seite der wissbegierige, smarte Newcomer ohne echten Stallgeruch. Denn Mourinho war selbst nie ein großer Fußballer, aber eben einer, der immer zu Stelle war, wenn Sir Bobby rief. Ein treuer Begleiter, so treu, dass Robson 1996 seine Zusage als Trainer beim FC Barcelona an eine Bedingung knüpfte. Er wollte Mourinho dabei haben. Der war längst mehr als Robsons Übersetzer, er war seine rechte Hand, Co-Trainer und engster Vertrauter in Personalunion.
Ronaldos Aufpasser, Peps Kumpel
Mourinho lernt in Barcelona katalanisch, wird zum Bindeglied zwischen Trainer und Mannschaft. Vor allem bei Barcas Führungsspielern steht er hoch im Kurs. Zum heutigen Barca-Trainer Pep Guardiola bescheinigte ihm Robson einst eine besondere Beziehung: »Pep war der Fixstern der Barca-Mannschaft. Er hatte zu allem eine Meinung und sprach sie offen aus. Oft habe ich mit ihm über Taktik gestritten. José merkte, dass Pep eine wichtige Figur im Klub war und freundete sich mit ihm an.«
Auch im Umgang mit einem hasenzahnigen Jungstar, den Robson für knappe 30 Millionen Mark von seinem alten Verein Eindhoven holte, schrieb Robson Mourinho magische Fähigkeiten zu. »Man hätte sehen sollen, wie er mit Ronaldo umging. Er wusste, wie er mit ihm sprechen musste. Ronaldo war auf dem Weg ein großer Spieler zu werden. José nahm ihn unter seine Fittiche: Keine Disco, keine Mode, kein Schmuck, keine Autos und Mädchen. Er hörte auf José und wurde bei Barca zum besten Spieler der Welt.«





