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17.03.2011

Das Ajax-Superteam der Siebziger

Sie küssten und schlugen ihn

Text: Harry Walstra  Bild: Imago

Das Ajax der 70er war nicht nur erfolgreich, sondern setzte auch in ästhetischer Hinsicht Maßstäbe: mit dem »Totaalvoetball« und dessen wichtigstem Protagonisten Johan Cruyff. Als er ging, war die große Ära vorbei.

Das Ajax-Superteam der Siebziger - Sie küssten und schlugen ihn


München, am 25. Juni 1988. Im Europameisterschaftsfinale zwischen den Niederlanden und der Sowjetunion steht es nach 54 Minuten 1:0 für das Oranje-Team, als der ehemalige Ajax-Spieler und nun bei Milan aktive Marco van Basten mit einem fantastischen Volleyschuss Torwart Rinat Dassajev überwindet und das Spiel entscheidet. Die Flanke von der linken Seite kommt vom 37-jährigen Ajax-Mittelfeldakteur Arnold Muhren. Schon 15 Jahre zuvor, im März 1973, hatte Muhren mit Ajax Amsterdam im ebenfalls ausverkauften Münchner Olympiastadion gespielt.



Im Viertelfinal-Rückspiel des Europapokals der Landesmeister hatten die Holländer gegen Bayern München mit 1:2 verloren – ohne den verletzten Johan Cruyff, aber mit Muhrens älterem Bruder Gerrie. Da aber Ajax das Hinspiel durch Tore von Cruyff, Gerrie Muhren und zweimal Arie Haan mit 4:0 gewonnen hatte, reichte die knappe Niederlage allemal, um in die Vorschlussrunde zu kommen.

Den Bruder vor der Nase

Anfang der 70er Jahre saß Arnold Muhren bei Ajax noch meist auf der Bank, sein Bruder dagegen war im linken Mittelfeld dieser bereits legendären Mannschaft gesetzt. Gerrie Muhren war ein Linksfuß mit einem enormen Laufpensumund einer großartigen Technik. Nicht zuletzt er symbolisierte im späteren Halbfinale gegen Real Madrid die Überlegenheit der Ajax-Elf. Nach einem knappen 2:1 in Amsterdam bekam Gerrie Muhren im Rückspiel beim Stand von 0:0 von Wim Suurbier den Ball. Zum Erstaunen der Gegenspieler hielt Muhren das Spielgerät bestimmt zehnmal hoch: links, rechts, links, rechts, eine Demonstration wie auf dem Bolzplatz. 100 000 fanatische Zuschauer in der spanischen Hauptstadt waren auf einmal mucksmäuschenstill. Wenige Minuten später schoss Muhren das einzige Tor des Tages, womit Ajax Amsterdam zum dritten Mal in Folge das Finale im Europapokal der Landesmeister erreichte.

Jugend forsch plus alte Hasen

1969 war es, als Ajax in diesem bedeutendsten aller europäischen Wettbewerbe zum ersten Mal das Endspiel erreicht hatte. Damals musste Gerrie Muhren als Ersatzspieler mit ansehen, wie seine Mannschaft in Madrid gegen den AC Mailand mit 1:4 verlor – und das, obwohl Ajax mit Männern wie Piet Keizer und Johan Cruyff schon damals fußballerische Extraklasse verkörperte. Nach dem verlorenen Finale dankten einige ältere Kräfte ab und junge Spieler wie Ruud Krol, Arie Haan und eben Gerrie Muhren setzten sich in der ersten Elf durch. Trotz eines herausragendes Unterbaus aus der eigenen Jugend holte Trainer Rinus Michels noch die Mittelfeldspieler Nico Reinders und Johan Neeskens sowie mit Horst Blankenburg einen Abwehrrecken aus Deutschland nach Amsterdam. Mit diesen Transfers hatte der knüppelharte Michels – er nannte seine Spieler nicht beim Namen, sondern rief ihre Rückennummern – eine Weltklassemannschaft beisammen.



Aus Heft #51 02 / 2006


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Kommentare

  • User
  • 18.03.2010 12:53:35 Catilina

    Derweil entwickelten sich die Dinge für Cruyff in Barcelona ebenfalls nicht nach Wunsch. Er konnte folglich nicht ohne Ajax und Ajax konnte nicht ohne ihn.

    Das ist ja nun Unsinn. Als Cruyff zu Barca kam, stand die Mannschaft im hinteren Mittelfeld. Am Ende der Saison war sie spanischer Meister. Selten dürfte ein einzelner Spieler ein Team in dieser Weise beeinflußt haben.

    Cruyff hat sich durch seinen Wechsel zu Barcelona finanziell verbessert, in sportlicher Hinsicht aber war der Club damals nicht en par mit Ajax oder Bayern. Der damalige spanische Fußball war technisch so gut wie nur je, in punkto Athletik hatte er starke Defizite. Als der beste Techniker der Welt, der zudem an den Power-Fußball von Ajax gewöhnt war, fetzte Cruyff in seiner ersten Saison in Spanien wie ein heißes Messer durch Butter.

    Das Problem war, daß viele niederländische und deutsche Spieler, die in den 70ern nach Spanien wechselten, sich an den Trott, der damals dort herrschte, irgendwann gewöhnt hatten. Cruyff oder Netzer hatten immerhin noch ihr technisches Vermögen, aber ein Spieler wie Bonhof, der in den späten 70ern beim FC Valencia seine Kondition einbüßte, war hinterher praktisch nicht mehr zu gebrauchen.

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