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18.10.2010

Zum Rekordtor für Juventus

La Zona Del Piero

Text: Fabian Jonas  Bild: Imago

Am Wochenende hat Alessandro Del Piero beim 4:0-Sieg gegen Lecce sein 178. Torfür Juventus Turin geschossen und damit den Vereinsrekord des legendären Giampiero Boniperti egalisiert. Grund genug einmal Danke zu sagen.

Zum Rekordtor für Juventus - La Zona Del Piero


Die meisten Web-Seiten von Fußballern sind eher simpel gehalten. Kurzbiografie, Erfolge, Bildergalerie, Gästebuch, Charity – fertig. Bei Alessandro Del Piero ist das auf den ersten Blick nicht anders, wenngleich sofort auffällt, dass man es hier offenkundig mit einem Weltstar zu tun hat, so prominent wirbt ein Sportartikelhersteller auf der Seite, so aktuell sind die Inhalte und so minutiös wird berichtet. Gespielte Minuten: 50 678, Spiele: 736, Tore: 308, Torschützenkanonen: 4, Titel: 20.



178 Tore schoss er dabei allein für seine Herzdame Juve. Ein Rekord für die Ewigkeit. Und eigentlich hat er in seiner Karriere weitaus öfter getroffen als die im Datennetz angezeigten 308 Male. Denn die Tore in der Nationalmannschaft zählt Del Piero nicht mit in seinem Leistungstacho. 27 für die A-Nationalmannschaft, 3 für das U 21-Team kommen noch hinzu. Und eigentlich noch dieses eine, das erste als Profi, mit dem alles begonnen hat als gerade 18-Jähriger, am 22. November 1992, dieses 5:0 gegen Ternana in der Serie B, für Padua, dieses Tor, das heute fast ein bisschen peinlich ist, weil er es nicht für Juve geschossen hat und nicht für die Nationalmannschaft. Alle anderen schon.

Ein Leben in elf Kapiteln

Auf den zweiten Blick ist Alessandro Del Pieros Homepage sehr viel anders, zumindest seine Biografie. Da geht es nicht im Schnelldurchlauf durch die Karrierestationen, da wird erzählt, und zwar ausführlich. In satte elf Kapitel ist sein bisheriges Leben gegliedert, und die fangen zwar nicht ganz dort an, wo nach Günter Grass jede gute Erzählung anfangen muss, nämlich bei der Großmutter, immerhin aber bei den Eltern – und in Vendemiano.: »Was ich war. Was ich bin. Was ich morgen sein werde. Meine Wurzeln erzählen alles über mich. Ich habe die ganze Welt bereist, aber jedes Mal, wenn ich meine Geschichte erzählen muss, fange ich dort an. Mit meinen Eltern, meinem Bruder, unserem Haus in San Vendemiano (mit einem m, ich habe es oft falsch geschrieben gesehen).«

Auch wenn man nicht unbedingt davon ausgehen muss, dass Del Piero diese Zeilen mit dem Federkiel bei Kerzenlicht selber geschrieben hat, zeugen sie doch von einem Fußballspieler, der ein bisschen anders ist, wohltuend anders, ruhiger, reflektierter, zurückhaltender als viele seiner Kollegen, speziell jene, die mit ähnlichem Talent ausgestattet sind wie er.

Von San Vendemiano zur Zona Del Piero

Mit diesem Talent hat er es weit gebracht. Von San Vendemiano die 77 Kilometer nach Padua. Und von dort zu sieben italienischen Meisterschaften (von denen die letzten beiden allerdings wieder aberkannt wurden), einem Pokalsieg, dem Champions-League-Titel (bei drei weiteren Finalteilnahmen), dem Weltpokal. Vizeeuropameister ist er 2000 geworden und 2006, natürlich, Weltmeister. Man denkt hierzulande nicht so gerne daran, aber es war Del Piero, der die Deutschen im Halbfinale endgültig versenkte mit seinem Tor zum 2:0, das ein ohnehin unwahrscheinliches deutsches Aufbäumen im Keim erstickte.

Er hat dieses Tor von halblinks gemacht, mit rechts schlenzte er den Ball von dort in den Winkel – ein typisches Tor der hängenden Spitze, die am liebsten von halblinks abzieht, gerne auch von außerhalb des Strafraums, aus der »Zona Del Piero«, wie die Italiener, vor allem in Turin, deswegen diesen Teil des Feldes nennen. In Turin wird er wie ein Heiliger verehrt, ein bisschen einer ist er sogar, seitdem er beim Zwangsabstieg 2006 verkündete: »Ein Kavalier verlässt seine Dame nicht«, und damit zum Ausdruck brachte, dass er Juve keinesfalls im Stich lassen würde – zu einem Zeitpunkt, als noch nicht klar war, ob es für den Rekordmeister nach dem Manipulationsskandal nicht sogar in die Serie C, die dritte Liga, gehen würde.


weiterlesen [1] [2]





Kommentare

  • User
  • 18.03.2010 19:07:30 bergomi

    schöner artikel über einen großen. ich mag den.

  • User
  • 19.03.2010 10:15:31 Matzator

    Einer der wenigen Italiener, die mir angenehm sind und die ich vermissen würde, wenn sie eines Tages aufhören. Mehr Del Pieros und weniger Inzaghis oder Faschisten wie Buffon wenn ich bitten darf!

  • User
  • 19.03.2010 17:17:33 saloth sar

    pippo ist der groesste!

  • User
  • 19.03.2010 17:31:27 ColePorter

    Buffon ist ein Faschist??

  • User
  • 28.03.2010 09:04:17 DerBronkhorst

    Ja, ist er:
    http://mreugenides.blogspot.com/2006/07/gianluigi- buffon-is-fascist.html

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