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11.03.2010

Ausverkauf bei Real Madrid?

Das große Kabbeln

Text: Alex Raack  Bild: Imago

Kaum ist Real Madrid aus der Champions League geflogen, werden in Spaniens Metropole erste Transfergerüchte der neuen Stars laut. Wir haben für Kaka, Cristiano Ronaldo und Kollegen schon einmal in die Glaskugel geschaut.

Ausverkauf bei Real Madrid? - Das große Kabbeln


Nicht mal 24 Stunden ist her, da wurde das große Real Madrid aus der Champions League gekegelt. Im Achtelfinale. Für die erfolgreichsten Verein der Welt eine riesengroße Blamage. Möglicherweise rollen jetzt Köpfe bei den »Königlichen«. Trainer Manuel Pellegrini steht angeblich schon auf der Abschussliste. Nach Informationen von 11FREUNDE ist der Chilene nicht der Einzige, der den Verein bald verlassen wird. Ein Ausblick auf die kommende Transferperiode.  



Iker Casillas

Der Torwart, im Real-Internat geboren, aufgewachsen und gepflegt, liebäugelt nur kurz mit einem Wechsel in die zweite Mannschaft (»Zurück zu den Wurzeln!«), besinnt sich dann doch eines Besseren und bleibt der ersten Auswahl erhalten. Vor laufenden TV-Kameras lässt sich Casillas das Logo der Madrilenen auf die Stirn tätowieren und behauptet anschließend vollmundig »Real oder Tod!«. Wenige Wochen später hat sich die Zahl schmerzhafter Gesichtstätowierungen in der Spaniens Hauptstadt sprunghaft erhöht.  

Christoph Metzelder

Seine vierzehnmonatige Verletzungspause hat Deutschlands beliebtester Innenverteidiger lässig überwunden, jetzt fühlt sich Christoph Metzelder gerüstet für den erneuten Konkurrenzkampf: »In Madrid will ich mich für die WM 2014 empfehlen.« Nationaltrainer Winfried Schäfer soll den ehemaligen Dortmunder laut Insiderinformationen (DFB-Pressemann Stenger: »Diese Aussagen sind streng bierhoff, äh, geheim.«) bereits auf dem Zettel haben. Als Metzelder zum ersten Training erscheint, wird er allerdings bereits an der Ordnerpforte schroff abgewiesen. Reals Vereinsführung hat den Deutschen in der Zwischenzeit verkauft, der AC Milan hat spontan zugegriffen (»Wir brauchen dringend frisches Blut.«). Auf dem Nachhauseweg reißt sich Metzelder das Kreuzband, als er an der Ampel auf Grün wartet.  

Kaka


Für den sensiblen Mittelfeldmann ist die Zeit bei Real Madrid eine einzige Enttäuschung. Nicht nur sportlich hat der Brasilianer keinen Zugang gefunden, auch sonst scheinen Spaniens Hauptstadt und Kaka nicht zueinander zu passen. Obwohl der streng religiöse Fußballer in 13 Monaten 17 Millionen Dollar an die hiesige Kirche überwiesen hatte, waren die übernatürlichen Erleuchtungen ausgeblieben. Spontan heuert Kaka beim SC Paderborn an und führt den ansässigen Bibelkreis in neue Sphären. Erst als ihm der neue SC-Trainer Otto Rehhagel das Beten nach Torerfolgen verbietet (»Kann er gefälligst zu Hause machen!«) trennen sich die Wege des UEFA-Cup-Teilnehmers aus Ostwestfalen wieder. Kaka entsagt dem Profi-Fußball und schließt sich der Freizeittruppe »Die Nacktmullfreunde« in der Bunten Liga Marburg an.  

Rafael van der Vaart


Die Rückkehr von Rafael van der Vaart legt für drei Tage das komplette öffentliche Leben in Hamburg lahm. Alte Männer weinen hemmungslos, auf Anweisung des frisch gewählten Bürgermeisters Ronald Schill werden alle Neugeborenen »Rafael« getauft, egal ob männlich oder weiblich. Die Alster wird zu Ehren des Holländers orange gefärbt, Lumpi Spörl vollführt vor lauter Vorfreude Fallrückzieher in Holzschuhen auf der Reeperbahn. Der FC St. Pauli sieht sich in der Massenhysterie gezwungen, Sylvie van der Vaart zum Saisonauftakt im Mittelkreis singen zu lassen. In seinem ersten Spiel gegen den VfB Stuttgart gelingen van der Vaart sechs Tore und acht Vorlagen, zwei davon mit dem Augenlid. »Hamburg ist meine Heimat!«, diktiert der Mittelfeldmann den Journalisten in die Blöcke und schwört ewige Treue. Sieben Stunden später gibt er unter Tränen den Wechsel zum FC Chelsea bekannt.  

Cristiano Ronaldo

Bei der Vorführung des Bremer Neuzugangs Cristiano Ronaldo finden sich lediglich 120 Menschen im Weserstadion ein, darunter zwei Schulklassen, die von Stadion-Wärter Frank Baumann die Ostkurve gezeigt bekommen. Ronaldo lächelt tapfer in die einzige Kamera und sagt: »Endlich ein Klub, mit dem ich dauerhaft Chancen auf den Champions-League-Gewinn habe.« Platzwart Marco Bode scheucht den Portugiesen schließlich vom Platz (»Und nicht auf die Würmer treten, das sind aktive Lebewesen mit Schmerzempfinden!«) Ronaldo gelingen im Training einige gute Szenen, unter anderen schafft er es, Co-Trainer Wolfgang Wolff gleich viermal hintereinander zu tunneln.

Zu viel für Thomas Schaaf, der Ronaldo wochenlang nur auf der Bank lässt. Nach der Hinrunde ist die Zeit des ehemaligen Weltfußballers in Bremen abgelaufen, es zieht ihn zur TSG Hoffenheim. Für diese Ablöse schafft es Sportdirektor Christian Nerlinger gerade noch Ailton aus Uerdingen los zu kaufen. Mit 62 Toren in 11 Spielen ist der Kugelblitz in Bremen längst wieder zum Wunschspieler mutiert. Bei seiner Begrüßung fallen 45.000 Bremer in stille Ekstase.  

Raul

Bleibt.






Kommentare

  • User
  • 11.03.2010 18:29:42 Vert

    Raul:
    Bleibt auf der Bank, damit er beim Abstieg in die Zweite Liga von den Medien als unschuldig betitelt werden kann.
    Im folgenden Spieljahr wird er durch sein Jokertor am letzten Spieltag als Retter von Madrid gefeiert, da er den Klassenerhalt sichert.
    Aufgrund besserer sportlicher Perspektiven wechselt er in 3 Jahren nach Fürth, um dort den Aufstieg anzupeilen.




    (zum Glück gibts bei Astro-TV eine kostenlose Erstberatung)

  • User
  • 11.03.2010 20:32:36 MarcRamone

    "stille Ekstase"

    Noch nie wurde Werder Bremen treffsicherer definiert.

  • User
  • 11.03.2010 21:26:32 Super10

    super super. ich habe mich köstlich amüsiert.

  • User
  • 11.03.2010 23:18:29 poppejam

    Nett - nur was hat das Bild der Inter-Tifosi da zu suchen?

  • User
  • 11.03.2010 23:31:28 Anthony Yeboah

    Ganz nett - vor allem der Teil mit Ronaldo
    Hätte auch nichts dagegen, wenn Kaka nach Marburg kommen würde ;)

    Aber bei aller Liebe für alliterierte Namen: Heisst der Co in Bremen nicht Wolfgang Rolff??

  • User
  • 12.03.2010 01:16:16 ImParadieszuhause

    sehr schön! aber seid wann ist Real "Pleitegeier" Madrid der erfolgreichste Verein aller Zeiten, oder hab ich da den Sarkasmus überlesen?

  • User
  • 12.03.2010 09:27:57 einrudithömmes

    Na, seit längerem, oder?

    Es sei denn, du wirst hier fündig...

    Kommt natürlich auf die Definiton an, aber Meister, Pokel, Landesmeister und so. Schon. Wird höchstens knapp mit Interdependiente vielleicht.

  • User
  • 12.03.2010 09:40:37 vokabelle

    Hokel, Pokel, Glotzmonokel!

  • User
  • 12.03.2010 09:52:48 Ether

    Allein für sechs Tore und acht Vorlagen in einem Spiel wäre es das alles Wert. Bei einer normalen HSV-Saison wäre er damit auch bis zum Ende bester Torschütze des HSV.

  • User
  • 12.03.2010 10:56:14 Ether

    Warum denkt bitte noch niemand darüber nach, Metzelder nach Kaiserslautern zu holen? "Metze auf den Betze!" Was sich da allein an Vermarktungsmöglichkeiten ergeben würden...

  • User
  • 12.03.2010 18:05:05 Catilina

    Spontan heuert Kaka beim SC Paderborn an und führt den ansässigen Bibelkreis in neue Sphären

    :-D

    Wer sollte in der nördlichsten Bastion der Gegenreformation, dem schwarzen Paderborn, dem evangelischen Glauben zum Durchbruch verhelfen, wenn nicht der baptistische Ballzauberer aus Brasilien ? Das moralische Niveau des autochthonen Protestantismus wird ja eher von Frau Käßmann repräsentiert. Ein Bibelkreis wäre eine echte Errungenschaft in der westfälischen Hochburg des finstersten Ultramontanismus. Dort hat sich vermutlich bis heute nicht herumgesprochen, daß die Bibel seit 500 Jahren ins Deutsche übersetzt ist. Und was fürchtet die Römische Kirche mehr, als Laien, die die Bibel lesen und auslegen ?
    Daß Kaka, Reformator der Ostwestfalen, aus einem Land stammt, in dem die Katholische Kirche jährlich Zehntausende ihrer Schäfchen an evangelische Freikirchen verliert, ist sicherlich kein schlechtes Omen.

  • User
  • 12.03.2010 22:45:38 AntiMöller

    (beiseit) er kennt seinen Westfälischen Frieden.

    *raun*

  • User
  • 15.03.2010 13:34:22 meikl

    "Auf dem Nachhauseweg reißt sich Metzelder das Kreuzband, als er an der Ampel auf Grün wartet."

    Ich habe sehr gelacht über diesen Satz...

  • User
  • 15.03.2010 16:22:37 Catilina

    er kennt seinen Westfälischen Frieden.

    ...und findet ihn...nach einem fried- und freudlosen Jahr im Schatten der spanischen Inquisition.

    Und was fürchtet die Römische Kirche mehr, als Laien, die die Bibel lesen und auslegen ?

    Enthüllungen über booty bandits im Priesterrock. :-D

    P.S.: Real Madrid = dekadenter Mistverein. Bayern soll denen, wenn er denn unbedingt weg will, Ribèry überlassen und dafür Van Der Vaart holen.

  • User
  • 16.03.2010 19:46:33 van Gool

    Stimmt! Dekadenter Mistverein! Prägnant, kurz und kraftvoll - zutiefst schade, dass Weltwirtschaftskrisen an so Gebilden immer vorbeizulaufen scheinen .....

  • User
  • 18.03.2010 17:11:07 oranje49

    Ich dachte, Real hatte schon sein Resterampe-Tisch gehabt, wovon der FC-Bayern und AC Milan Nutznießer geworden sind. Wie die Bayern mal wieder Ihr Dusel gehabt haben....!!

  • User
  • 05.05.2010 23:10:41 Shinook

    ah oranje, jedesmal ein genuss abwärts.

    Schöner Artikel. Schön finde ich den vdV Schlusssatz.

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