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11.03.2010

Warum der HSV auf Lukaku achten sollte

Anderlechts Drogba

Text: Johannes Ehrmann  Bild: Imago

Im Achtelfinale der Europa League gastiert der RSC Anderlecht beim Hamburger SV. Die ruhmreichen Zeiten des Klubs liegen 20 Jahre zurück. Im Team steht mit Romelu Lukaku aber eines der größten Talente Belgiens.

Warum der HSV auf Lukaku achten sollte - Anderlechts Drogba


In all ihrer Nacktheit kann eine Zahl mitunter mehr Bedeutung tragen als viele, viele Worte. Im Fall, der hier verhandelt werden soll, sind es – um genau zu sein – zwei Zahlen. Beide transportieren sie die gleiche Botschaft, bezeichnen ein und dieselbe Person. Die erste Zahl ist etwas ungerade, nicht ganz so leicht zu merken, sie lautet 15.110. Die andere ist dafür umso runder und einprägsamer: 10 Millionen. Was, oder besser: wer beide Ziffernfolgen verbindet: Romelu Lukaku. Ein Name, der in den Ohren deutscher Fußballkenner in etwa so vertraut klingt wie, sagen wir: 15.110, der sich für jeden Belgier aber so wohlklingend anhört wie 10 Millionen.



10 Millionen, das ist der geschätzte Marktwert des belgischen Stürmers, der heute Abend im lilafarbenen Trikot des RSC Anderlecht in die Hamburger Arena einlaufen wird. Wer ob dieses beträchtlichen Sümmchens für einen in Europa weitgehend unbekannten belgischen Fußballspieler zum Stirnrunzeln ansetzt, sollte noch eine weitere Zahlenkombination auf sich wirken lassen: 13.5.1993. Das nämlich ist das Geburtsdatum von Romelu Lukaku, was bedeutet, dass er in zwei Monaten seinen 17. Geburtstag feiern wird.

Die Großen klopfen an

Chelsea und Real sollen bereits ein gesteigertes Interesse an Lukaku geäußert haben, wobei es hierbei nicht um die vorschnelle Verpflichtung eines potenziell großartigen Talents aus irgendeiner Jugendmannschaft geht, sondern um den Transfer eines Spielers, der trotz seines zarten Alters bereits zwei Drittel der Saison im Stamm des Tabellenführers der ersten belgischen Liga gespielt hat, 13 Tore in der Meisterschaft und drei in der Europa League erzielt hat, zwei davon beim 3:1-Sieg bei Ajax Amsterdam.

Kein Zweifel: Der 16-jährige Lukaku ist einer der herausragenden Spieler des belgischen Rekordmeisters, womit wir bei der zweiten Zahl wären. 15.110 Euro nämlich wurden durch die Versteigerung des Jerseys erzielt, das der RSC-Angreifer im Spitzenspiel gegen Club Brügge trug. Das zweitteuerste Trikot, das des Marokkaners Mbark Boussoufa, war bei der Wohltätigkeitsaktion mit 405 Euro ungleich günstiger zu haben. Der Hype um Lukaku kennt keine Grenzen derzeit.

Der Drogba von Anderlecht

Zart mag sein Alter sein, die Statur des 1,91-Meter-Hünen steht den Maßen der Modellathleten innerhalb seiner Zunft in nichts nach. Der Sohn kongolesischer Eltern erinnert in seiner Robustheit an den Ivorer Didier Drogba, er verfügt, wie auch den einschlägigen YouTube-Tribute-Videos zu entnehmen ist, außerdem über ein beeindruckendes Kopfballspiel, große Schnelligkeit und einen ausgeprägten Strafrauminstinkt. Zusammen mit dem artistischen Talent, das sowohl vor als auch nach Toren Anwendung findet, ergibt das einen spektakulären Angreifer, der die belgischen Fans über die Maßen begeistert.

In der vergangenen Woche durfte Lukaku beim 0:1 gegen Kroatien in der A-Nationalmannschaft debütieren, Nationaltrainer Dick Advocaat bescheinigte seinem Youngster für die 77 Minuten, die er auf dem Platz stand, »eine gute Leistung«. Angeblich saßen auf den Rängen die Scouts aller namhaften europäischen Klubs. Wesley Sonck, Lukakus gestandener Sturmkollege im Team der »Roten Teufel«, trat dagegen auf die Euphoriebremse. »Er muss noch ballsicherer werden«, sagte Sonck nach dem Spiel. »Er wird heute Abend gesehen haben, dass das nicht die belgische Meisterschaft ist. Aber wenn er weiter hart arbeitet, kann er auf dem internationalen Niveau spielen.«

RSCA: 1990 zuletzt im Finale

Sicher, ein Durchmarsch in der belgischen Liga (RSC hat derzeit 12 Punkte Vorsprung auf den Tabellenzweiten und wird im Sommer den 30. nationalen Titel feiern) ist nicht gleichzusetzen mit Erfolg außerhalb der Landesgrenzen. Zumal die Zeiten, als der belgische Rekordmeister auch erfolgreich in Europa mitmischte, nunmehr zwei Jahrzehnte in der Vergangenheit liegen.

1990 erreichten die Lilaweißen unter dem damaligen Coach Aad de Mos zuletzt ein europäisches Finale, das man gegen Sampdoria Genua durch zwei Vialli-Tore in der Verlängerung verlor. Frischer im Gedächtnis ist da noch die historische Schlappe gegen den FC Bayern vor ziemlich genau zwei Jahren. 0:5 lautete der Endstand im Constant-Vanden-Stock-Stadion, das wahrlich schon bessere Zeiten erleben durfte.

Glanzzeit Siebziger und Achtziger

Ähnlich wie bei der belgischen Nationalmannschaft liegt die Glanzzeit des Brüsseler Vorortklubs in den siebziger und achtziger Jahren. Drei europäische Titel zwischen 1976 und 1983 wurden von RSC-Mannschaften gewonnen, in denen Größen wie die Holländer Arie Haan und Rob Rensenbrink, später dann Morten Olsen, Franky Vercauteren und Enzo Scifo spielten.

In beiden Fanlagern ebenfalls wohlbekannt: Die heutige Begegnung ist eine Neuauflage des Endspiels im Pokal der Pokalsieger aus dem Jahre 1977. Damals besiegte der HSV den belgischen Titelverteidiger durch zwei späte Tore von Georg Volkert und Felix Magath mit 2:0.

Ziemlich genau 16 Jahre vor der Geburt von Romelu Lukaku war das.




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Kommentare

  • User
  • 11.03.2010 23:12:25 Lenardinho

    Wenn man ihn so spielen sieht, kaum zu glauben, dass er erst 16 ist. Wirklich krass..

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