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15.03.2010

Fan-Repressalien bald auch hier?

Italienische Verhältnisse

Text: Dominik Bardow  Bild: Imago

Reiseverbote zu Auswärtsspielen, Tickets nur noch mit Personalausweis, verwaiste Kurven: Was unter deutschen Fans als Horrorszenario diskutiert wird, ist in Italien längst Realität. Ein Blick über die Alpen – und in die Zukunft?

Fan-Repressalien bald auch hier? - Italienische Verhältnisse


Personalisierte Stadiontickets? Alter Hut. Reiseverbote? Alles schon erlebt. Nur beim Thema Pyrotechnik wird Palummella hellhörig. »In Deutschland haben sich acht Fans mit Bengalos verbrannt?«, fragt der Mann, der 30 Jahre lang Chef der Ultras des SSC Neapel war und bis heute in der Curva B im Stadio San Paolo steht.



Zwei Wörter - Bengalisches Feuer – reichen, um Erinnerungen an die 70er und 80er Jahre hochsteigen zu lassen, an UEFA-Cup-Reisen nach Deutschland. »Damals haben die deutschen Fans alle Feuerwerk abgebrannt, wir kannten das gar nicht«, sagt Palummella, der eigentlich Gennaro Montuori heißt, aber so nennt ihn in Neapel keiner. »Da wart ihr uns voraus. Als wir das ausprobiert haben, wurden wir gleich festgenommen, auf die Wache geführt und kamen nur gegen Kaution raus«, erinnert sich Palummella.

Italienische Verhältnisse bald auch in Deutschland?

Die Bengalischen Feuer waren jedoch das Einzige, in dem Deutschlands Kurven den italienischen Fans voraus waren. Denn in Italien hatten sich schon in den 50er und 60er Jahren die ersten Ultra-Bewegungen formiert, bevor sie Jahrzehnte später auf andere Länder übersprangen. Und während in Deutschland nach den acht verletzten Fans beim Nürnberger Auswärtsspiel in Bochum über Repressalien wie personalisierte Tickets, Verbot von Fanutensilien und Reiseverbote für Auswärtsfans diskutiert wird, ist das in Italien schon seit Jahren Realität.

Deutsche Fans, die vor leeren Kurven bangen, müssen sich fragen: Sind die italienischen Verhältnisse unsere Zukunft?

Wer in Italien von außerhalb kommt oder sich spontan ein paar Stunden vor Spielbeginn entschließt, ins Stadion zu gehen, hat oft Pech gehabt. Tickets muss man lange im Voraus kaufen und per Internet oder Vorverkaufsstelle Name, Adresse, Ausweis- und sogar Steuernummer angeben, die ausländische Fans natürlich nicht haben. Vereine wie der AS Rom haben mittlerweile die Kassenhäuschen am Stadion komplett abgebaut.

Und die Strafen sind nach den Ausschreitungen der letzten Jahre härter geworden, das Innenministerium greift durch. Gerade sind drei Juve-Fans zu Haftstrafen zwischen zwei und sieben Monaten verurteilt worden, weil sie unweit des Stadions in Florenz mit Knallkörpern warfen. Beim Auswärtsspiel vor drei Wochen in Bologna wurde ein Reiseverbot gegen die Juve-Fans verhängt, nachdem ein Polizist bei Ausschreitungen verletzt wurde. Und Italiens Innenminister Roberto Maroni erwog kürzlich ein komplettes Reiseverbot für Fans des SSC Neapel bis zum Saisonende.


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Kommentare

  • User
  • 11.03.2010 13:48:35 RBaggio10

    Was will uns der Text sagen? Das wir keine italienischen Verhältnisse im Stadion haben wollen, kann wohl jeder bestätigen, aber aus einem anderen Grund als die oben genannten "Repressalien". Da geht keiner mehr hin, weil es am TV sicherer ist! Wer hat schon Lust auf ne Schlägerei an jedem Wochenende?
    Und die Idioten, die sich selber oder Freunde/Fans abfackeln, weil rotes Feuer so "cool" aussieht, die sind Teil der Fankultur und dürfen nicht aus dem Stadion verbannt werden? Wer sowas sehen will, solls bei sich in der Garage machen und nicht andere gefährden. Mit Fussballkultur im eigentlichen Sinne hat das nur wenig zu tun. Und das Verbot dieser Sachen in der Kurve wird garantiert nicht für italienische Verhältnisse sorgen, eher zum Gegenteil führen. Der vergleich zwischen
    Deutschland und Italien in diesem Punkt mir Italien hinkt wie Käptn Hook.

  • User
  • 11.03.2010 14:25:35 AbteilungAttacke

    Kenne den Interviewten nicht, aber Sätze wie »Reiseverbote sind eine hässliche Sache .... aber Gewalt ist auch eine hässliche Sache.« lassen einem die Wände hochgehen.

  • User
  • 11.03.2010 14:31:47 ColePorter

    Ich wusste gar nicht, dass die Deutschen vor 30 Jahren schon den Südeuropäern ihre (Pyro)Leidenschaft gelehrt haben.

    Man lernt nie aus...

  • User
  • 11.03.2010 15:32:24 Der Gump

    Der Vergleich könnte froh sein, wenn er hinken könnte! Warum gibt es denn diese Repressalien in Italien? Weil es wohl etwas anderes ist, ob ein Spiel mit 8 Leuten endet die sich beim rumfackeln verletzten, oder mit Krawallan die 80 Verletzte und einen totgeschlagenen Polizisten zur Folge haben wie in Catania 2007. Der im selben Jahr im Zuge einer Schlägerei auf ein Autobahnraststäte von einem Polizisten erschossene Lazio-Fan sollte hierbei auch nicht unerwähnt bleiben. Haben wir ernsthaft in irgendeiner Weise ähnliche Verhältnisse? Ich glaube nicht.

  • User
  • 11.03.2010 15:47:10 Hotte80

    Ich wusste gar nicht, dass die Deutschen vor 30 Jahren schon den Südeuropäern ihre (Pyro)Leidenschaft gelehrt haben.

    Is ja auch Quatsch. Im Kriech, ab '42, war hier in Wilhelmshaven ein italienisches Nebelbataillon stationiert. Wenn die Amis mit ihren B-17 bzw. die Tommys mit ihren Lancaster kamen, mussten die Kerle raus und Nebelbomben zünden.

  • User
  • 11.03.2010 20:39:25 pandrodor

    Wer nichts zu verstecken habe, der sollte doch kein Problem damit haben.
    Den Satz liebe ich ja...Schäuble at its best.

    Mit leeren Stadien zieht man die Gewalt doch nur vom Fußball weg, die Gewalt ist damit nicht "abgeschafft".

    Härtere Strafen und auch mal ne schöne Umlage, sprich Kostenbeteiliung am Polizeieinsatz, sind aber zu begrüßen. Da werden aber genug Dinge einfach im Sande verlaufen und nicht richtig zur Anklage kommen, kennt man ja wenn Linke mal wieder mit Steinen und Molotovcocktails zeigen wollten, dass sie einen am Sender haben. Solange man quasi straffrei durchkommt ist halt auch kaum ein Risiko mit solchen Aktionen verbunden.

  • User
  • 11.03.2010 23:40:01 AbteilungAttacke

    Naja, Pandro, das Thema haben wir ja schon emsig diskutiert.

    Bei der Kostenbeteiligung habe ich einfach immer das Problem, wen es da treffen soll. Weder Verein noch Stadionbetreiber sind Störer - und von den Chaoten kann man kaum genug Geld eintreiben, es sei denn man erwischt endlich mal den Hooligan mit dem 100 000 Euro Jahrenseinkommen. Andere polizeirechtliche Konstruktionen sind schwierig. Auch stört mich immer das Trommelfeuer von GdP und Konsorten, die eine Kostenbeteiligung einfach daraus ableiten wollen, weil die Polizei ja sinngemäß wegen des Fussballs Kosten haben. Soviel zum Verbot, vom Zweck auf die Mittel zu schliessen.

    Und härte Strafen ? Die Strafen sind m.E. hoch genug für die in Frage kommenden Delikte - man müsste sie nur mal adequat anwenden.

  • User
  • 12.03.2010 00:49:28 MAEXo

    es hat den anschein das die GdP
    ganz gezielt ein bedroliches abbild des fussballs
    erzeugen will
    Um mehr angestellte und kohle rausschlagen
    Sieht man sich einige aktionen wie zb beim Fürth-FCB
    Pokal Spiel an
    könnt man fast denken das die ganz gezielt ausschreitungen provozieren wollen

    acab

  • User
  • 12.03.2010 11:03:20 Hotte80

    Endlich mal eine handfeste, durch nichts zu erschütternde Theorie...

  • User
  • 12.03.2010 11:27:01 AbteilungAttacke

    Naja Hotte, um mal den Verschwörungstherotiker in mir kurz von der Leine zu lassen, so ganz abwegig ist MAEXo's theorie nicht. Allerdings nicht der "die Provozieren"-Teil, sondern der "mehr Kohle rausschlagen"-Tel.

    Natürlich gibt es keine konkreten Beweise, aber es ist ein offenes Geheimnis, wie klamm die Polizei allerorten ist (zumindest hier bei uns in NRW) und die Mittel werden in manchen Bereichen nicht mehr, sondern weniger.

    Da ist es schon auffällig, das just dort, wo bei einer Großveranstaltung viel Kohle zu holen ist, die Forderung nach Kostenbeteiligung immer laut und wiederholt zu Tage treten - und nirgendwo könnte man mehr Geld holen als beim Profifussball.

    Es ist gewissermaßen das Aufstellen von Verkehrskontrollen - nur halt in sehr viel größerem Maßstab. ^^

  • User
  • 12.03.2010 11:49:28 Hotte80

    Von mir aus kann es ruhig eine finanzielle Beteiligung der "Vereine" (sind sie zum allergrössten Teil ja gar nicht mehr) und eine stärkere Polizeipräsenz geben. Um beim Stadionbesuch vor tumben Zeitgenossen besser geschützt zu werden. Ich habe die Schnauze gestrichen voll von diesem Schwarz-Weiss-Gefasel. "Wir sind alles liebe, liebe Fans, die nur ihre Mannschaft unterstützen wollen. Und da ist die böse, böse Polizei, die uns ständig provoziert". ARSCHLECKEN! Wobei es selbstverständlich Lösungsansätze für ein besseres Mit- und nebeneinander geben muss. Allerdings scheint mir das ein schon fast unlösbares Problem zu sein.

  • User
  • 12.03.2010 11:51:12 Hotte80

    Ach, und was ich vom Statement "ACAB" halte und von denjenigen, die solche Aussagen tätigen, nun ja...

  • User
  • 12.03.2010 13:21:05 Haensgen vom Deich

    Was ist denn gegen All Christians Are Brothers zu sagen?

  • User
  • 12.03.2010 13:37:08 vokabelle

    Schau mal in die Schlagzeilen, da fällt es gleich ins Auge...

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