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09.03.2010

Wie man richtig jubelt

Danke an den Freistaat!

Text: Lars Spannagel  Bild: Imago

Bei wem muss sich bedanken, wenn man ein Spiel gewonnen hat? Bei Mama? Beim Vaterland? Beim Sponsor? Die Liste der potenziell Beleidigten ist lang. Unser Autor Lars Spannagel hat ein paar Ratschläge fürs richtige Jubeln.

Wie man richtig jubelt - Danke an den Freistaat!


Dankesreden waren schon immer knifflige Angelegenheiten, nicht nur beim Oscar. Die Verneigung vor der »Academy« ist Pflicht – aber was dann?



Im Sport ist es nicht anders: Trainer und Manager, Mitspieler und Sparringspartner, Masseure und Ernährungsberater, Busfahrer und Platzwarte möchten alle nach Triumphen erwähnt und gelobt werden. Die chinesische Shorttrackerin Zhou Yang wollte nach ihren beiden Goldmedaillen von Vancouver auf der sicheren Seite sein und bedankte sich schlicht und einfach bei ihren Eltern – ein böser Fehler.

»An erster Stelle steht das Vaterland, nicht der Dank an die Eltern«, rügte sie nun Chinas stellvertretender Sportminister Yu Zaiqing. »Es ist in Ordnung, seinen Eltern zu danken. Aber als erstes soll man seinem Vaterland danken.« Auch wenn Herr und Frau Zhou zweifelsfrei hervorragende Shorttrack-Gene an ihre Tochter weitergegeben haben, gelten im Sport eben andere Regeln. Die alte Weisheit »Wes Trikot ich trag, des Lied ich sing« ist nicht nur im Reich der Mitte aktueller denn je. Und so sollte sich auch niemand wundern, wenn Athleten Dank und Lob künftig an ungewohnte Adressaten richten.

Sollte der FC Bayern heute das Viertelfinale der Champions League erreichen, wird Vereinspräsident Uli Hoeneß demütig vor die Kameras treten und die lange fälligen Worte sprechen: »Ich bedanke mich beim Freistaat Bayern, Ministerpräsident Horst Seehofer und der Christlich-Sozialen Union!« Unions Sportdirektor Christian Beeck hat für den nächsten Zweitligasieg bereits eine Rede vorbereitet, mit tränenerstickter Stimme wird er stammeln: »Das alles hat uns nur www.kfzteile24.de ermöglicht!«

Wenn Brasiliens Fußballer im Sommer den WM-Titel holen, wird ihre Botschaft wie immer lauten: Jesus war mit uns, Jesus ist der Größte. Gott ist eben immer noch die höchste Instanz – die »Academy« des Sports quasi.

Aber dieser Dank wäre in China wahrscheinlich noch schlechter angekommen. 






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