Pro/Contra René Adler
Ist er der Richtige?
Text: Ingmar Kreienbrink (Pro) und Andreas Ernst (Contra) Bild: Imago
Kaum hat sich Bundestrainer Löw auf René Adler als Nummer 1 festgelegt, da patzt der Keeper im Spiel gegen Argentinien. Die Diskussion ist heiß: Ist er wirklich der Richtige? Hier streiten sich zwei Autoren über die T-Frage.
Pro Adler!
Zwischen Trainer und Torwart existiert meist eine ganz besondere Beziehung. Es gibt wohl keinen Spieler, auf dessen Leistung das Vertrauen des Trainers so große Auswirkungen hat. Deshalb kann es nicht sein, dass der Leverkusener Rene Adler schon nach dem ersten Patzer als Nummer 1 im Tor der Deutschen Nationalmannschaft für die WM in Südafrika in Frage gestellt wird.
Bei einem Wechsel würde Löw an Glaubwürdigkeit verlieren
Mit Sicherheit waren es Kleinigkeiten, die letztlich den Ausschlag für Adler und gegen den Schalker Keeper Manuel Neuer gegeben haben. Beide haben mit hervorragenden Leistungen in der Bundesliga gezeigt, dass sie würdige Vertreter in der Nationalmannschaft wären – laut Notenschnitt des Sportmagazins »Kicker« liegen sie fast gleichauf. Letztlich fiel die Wahl aber auf Rene Adler, und da kann ein konsequenter Bundestrainer nicht schon nach einem Spiel wieder alles über den Haufen werfen. Sonst würde er nicht nur in der Öffentlichkeit, sondern auch innerhalb der Mannschaft an Glaubwürdigkeit verlieren.
Bundestrainer Jogi Löw hatte offenbar aus dem Chaos vor der WM 2006 gelernt, als der damalige Teamchef Jürgen Klinsmann lange Zeit den Zweikampf zwischen Oliver Kahn und Jens Lehmann schürte. Diese Unruhe wollte Löw mit Blick auf die WM in Südafrika vermeiden und schaffte deshalb frühzeitig klare Fronten.
Die Abwehr muss sich noch einspielen
Schließlich gehören beide Kontrahenten noch zu den Jungspunden in der Nationalmannschaft. Adler trug gegen Argentinien erst zum neunten Mal das Trikot mit dem Bundesadler. Bei Manuel Neuer sind es sogar erst zwei Einsätze. Da Löw auch noch auf der Suche nach seiner perfekten Viererkette für das erste WM-Spiel gegen Australien ist, will er seiner Abwehr einen festen Rückhalt bieten, mit dem sie sich einspielen kann. Dass da noch viel Luft nach oben ist, zeigt die mangelnde Absprache zwischen Adler und Per Mertesacker beim Gegentor gegen Argentinien. Auch einige ungenaue Rückpässe der Abwehrspieler sorgten für Unruhe im eigenen Strafraum.
Für Manuel Neuer ist die Situation sicherlich bitter – erst verliert er knapp den Kampf um die Nummer 1, dann liefert sein Konkurrent auch noch direkt im ersten Spiel Argumente, dass der Schalker vielleicht doch die bessere Wahl gewesen wäre. Doch Neuer wird jetzt bestimmt nicht die Diskussion wieder hochkochen lassen und stattdessen beständig gute Leistungen sprechen lassen. Denn bis zur WM gibt es noch zahlreiche Bundesliga-Spiele. Und falls Adler auch dort mehrfach patzen sollte, könnten Neuers Aktien bei Bundestrainer Löw wieder steigen. Dass sich beide Kontrahenten im Titelkampf gegenüber stehen, könnte in der Schlussphase der Bundesliga-Saison Aufschlüsse über die Leistungsfähigkeit unter Druck geben.
Interessant zu beobachten wird in den nächsten Wochen die Reaktion des Bremer Torhüters Tim Wiese. Der zeigte sich nicht gerade erfreut über die Wahl Adlers als Stammtorwart. Ob er die Nummer 2 oder die Nummer 3 ist, hat Bundestorwarttrainer Andi Köpke bisher offen gelassen. Jedenfalls haben die bisherigen Bundestrainer stets großen Wert darauf gelegt, dass der dritte Torwart sich stillschweigend in sein Schicksal fügt – ob Wiese das kann, wird sich noch zeigen.
Deshalb darf Rene Adler seinen Kritikern in naher Zukunft keinen neuen Zündstoff liefern. Dann würde gerade bei einem so jungen Torhüter nicht nur das Selbstbewusstsein schwinden, auch das Vertrauensverhältnis zu Löw würde Schaden nehmen. So könnte der Bundestrainer schon vor dem ersten WM-Spiel ins Kreuzfeuer der Kritiker geraten. Und der Ruf nach Neuer würde dann berechtigterweise noch lauter…
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