Löw contra DFB
Högschde Alarmstufe
Text: Thomas Hummel Bild: Imago
Funktionäre im DFB haben seit Jürgen Klinsmanns Amtszeit einige Rechnungen offnen. Jetzt wehrt sich Coach Joachim Löw öffentlich gegen das Kesseltreiben. Welche Konsequenzen hat das für den deutschen Fußball?
Jetzt wehrt sich der Bundestrainer. Joachim Löw gibt zu den Kapriolen um die abgebrochenen Vertragsverhandlungen mit dem Deutschen Fußball-Bund (DFB) eine schriftliche Stellungnahme ab - und die birgt Zündstoff.
»Ganz bewusst haben wir uns in den vergangen Wochen nicht konkret zur
Vertragssituation geäußert. Umso verwunderter sind wir über die plötzlich in der Öffentlichkeit diskutierten angeblichen Vertragsdetails. Dadurch sind viele Unwahrheiten in Umlauf gekommen. Einen Handschlag-Vertrag hat es zum Beispiel nicht gegeben«, heißt es dort. Was der 50-Jährige meint, ist die fortwährende Indiskretionitis in der Bild-Zeitung, die jüngst ausgebreitet hat, dass Löw und Nationalmannschaftsmanager Oliver Bierhoff für ihre Unterschrift unter einen neuen Vertrag einen Bonus in Höhe eines Jahresgehalts gefordert haben, Bierhoff zudem ein Veto-Recht bei der Besetzung des Bundestrainerpostens.
DFB-Präsident Theo Zwanziger hatte vor Weihnachten 2009 öffentlich bekannt gegeben, dass man sich mit Löw per Handschlag auf eine Vertragsverlängerung geeinigt habe. »Von unserer Seite wurde ein verhandelbarer Vorschlag vorgelegt, uns dagegen wurde ein nicht-verhandelbares Angebot zugestellt, über das ich innerhalb von 48 Stunden entscheiden sollte. Unsere ganze Konzentration gilt seit sechs Jahren dem Erfolg der Nationalmannschaft - auch im Sinne der Entwicklung und Reputation des deutschen Fußballs. Dabei stehen Teamwork, Loyalität und Respekt an erster Stelle für mich. In diesem Sinne werden wir uns in den nächsten Wochen intensiv auf die WM in Südafrika
vorbereiten«, erklärt Trainer Löw.
»Im Prinzip muss man den ganzen Laden auseinandernehmen«
Vielleicht muss man noch einmal an Jürgen Klinsmann erinnern. Der sagte im Juli 2004 in einem Interview mit der Süddeutschen Zeitung über den Deutschen Fußball-Bund (DFB): »Im Prinzip muss man den ganzen Laden auseinandernehmen.« Man müsse eine radikale Umstrukturierung in Gang bringen. Klinsmann stellte dem stolzen DFB ein vernichtendes Zeugnis aus – und weil der DFB in einer sportlich verzweifelten Lage war, nach dem peinlichen Vorrunden-Aus bei der EM in Portugal, zwei Jahre vor der Heim-WM, kontaktierte der Verband um den neuen Präsidenten Theo Zwanziger den lauten Kritiker. Der DFB übergab Klinsmann die Verantwortung für das Projekt WM 2006 und erfüllte ihm praktisch alle Wünsche. Zum Beispiel einen Manager für die Nationalmannschaft. Oliver Bierhoff, Klinsmanns Wunschkandidat, wurde inthronisiert. Klinsmann, Ko-Trainer Löw und Manager Bierhoff haben sich dann mit so ziemlich jedem angelegt, der im deutschen Fußball was zu sagen hatte. Doch weil die Deutschen 2006 ein selbsternanntes Sommermärchen erlebten, weil auch unter Nachfolger Löw sportlich Vieles gut lief und die Nationalmannschaft beste Sympathiewerte genoss, blieben Löw und Bierhoff unangreifbar.
Allein der ebenso knorrige wie ehrgeizige Sportdirektor Matthias Sammer ließ nicht locker und nahm bisweilen die Teppich-Zweikämpfe auf. Manche behaupten, Sammer würde selbst gerne den Laden übernehmen.
Das ist der Hintergrund zur denkwürdigen Sitzung im DFB-Präsidium am Donnerstag, als auf einmal zwei Vertragsentwürfe für Trainer Löw, Manager Bierhoff und den Stab auf dem Tisch lagen, als man sich um Kompetenzen und einen Bonus stritt. Wurden nun in den Hinterzimmern des DFB ein paar alte Rechnungen beglichen?






