Zur Entscheidung der CAF-Funktionäre
Machtwort der Sesselfurzer
Text: Alex Raack Bild: Imago
Die Entscheidung des afrikanischen Fußball-Verbands, Togo aufgrund der vorzeitigen Abreise beim Afrika-Cup hart zu bestrafen, hat Empörung ausgelöst. Selten ist die krude Macht der Funktionäre deutlicher sichtbar gewesen.
Fußball-Funktionäre haben einen katastrophalen Ruf. Die breite Öffentlichkeit kann über diese Berufsgruppe lediglich sagen, dass sie Turnier-Karten auf dem Schwarzmarkt verhökert, Spiele verschiebt, notorische Geldgeber und Bauchpinsler bevorzugt und – wenn es ganz dicke kommt – sich sogar von einem Fresspaket bestechen lässt, wenn es um die Vergabe der größten Sportveranstaltung der Welt geht.
Sehr zum Nachteil der ungezählten ehrenamtlichen und/oder ehrenhaften Arbeiter und Helfershelfer im Hintergrund, ohne die das große Rad Fußball keine Umdrehung schaffen würde.
Fresspakete und Bauchpinsler
Die Herren der CAF, des afrikanischen Pendants zur UEFA, haben jetzt mit einer skandalösen Entscheidung dafür gesorgt, dass sich wohl auch in Zukunft an diesem Ruf der Funktionäre nicht viel ändern wird. Nur knapp drei Wochen nachdem der Tross der togolesischen Nationalmannschaft auf dem Weg zum ersten Spiel beim Afrika-Cup in Angola durch einen brutalen Rebellen-Überfall zwei Mitglieder seines Teams verlor, ließ der CAF verlauten: Togo wird für die nächsten beiden Turniere die Teilnahme verweigert.
Vom Papier her eine korrekte Entscheidung, schließlich reiste Togos Auswahl, dass nur knapp einem noch größeren Massaker entkommen war (die Angreifer nahmen mit ihren Maschinenpistolen insbesondere den Bus unter Beschuss, der mit dem Gepäck der Fußballer beladen war) noch vor dem ersten Spiel beim diesjährigen Afrika-Cup ab. Premierminister Gilbert Houngbo hatte seine Landsleute in die Heimat beordert, wo die Fahnen bereits auf Halbmast hingen. Die geschockten Sportler hatten sich zunächst dafür entschieden in Gedenken an die getöteten Freunde (den Assistenztrainer und Pressesprecher) doch aufzulaufen – welche Antwort soll knapp dem Tod entkommenen jungen Fußballern auch sonst einfallen? Die Entscheidung des Politikers fand auf der ganzen Welt Akzeptanz, und Togos Nationalhelden hatten die Gelegenheit ihrer Trauer den notwendigen Freiraum zu lassen.
Halbmast in Togo
Dass das Turnier überhaupt stattfand, hat viele ausländische Beobachter überrascht, vor allem jene, die schon die Wahl des immer noch unter den Spätfolgen eines jahrelangen Bürgerkriegs leidenden Angolas als Austragungsort harsch kritisiert hatten. Angola hat es trotzdem geschafft bunte Spiele zu veranstalten, jedenfalls aus sportlicher Sicht. Der Afrika-Cup 2010 geht heute mit dem Endspiel zwischen Ghana und Ägypten (live ab 16.45 Uhr auf Eurosport) zu Ende und wird so oder so einen würdigen Sieger finden. Just in dem Moment, als also endlich so etwas, wie Normalität in dieses so grausam eingeläutete Turnier einzukehren schien, hat der afrikanische Fußball-Verband die hässliche Seite der Funktionärswelt offenbart und eine Entscheidung öffentlich gemacht, die bei allen Menschen, die auch nur ansatzweise etwas mit Sport zu tun haben, einen kalten Schauer des Ekels verursachte: »Die Entscheidung der Politiker (Togos, d. Red.) entspricht nicht dem Reglement der CAF und des Afrika-Cups. Deshalb hat das Exekutiv-Komitee so entschieden und Togos Verband zudem mit einer Geldstrafe in Höhe von 50.000 US-Dollar belegt.«
»So entschieden« bedeutet in diesem Fall: Togos Fußball-Nationalmannschaft darf bei den nächsten beiden Afrika-Cups nicht antreten. Eine ähnlich drastische Sperre verhängten Funktionäre einst 1985, als nach der Heysel-Stadionkatastrophe der FC Liverpool für sieben lange Jahre aus allen europäischen Wettbewerben ausgeschlossen wurde.
Die perverse Macht
Damals fanden 39 Menschen bei einer Massenpanik den Tod. Anhänger aus Liverpool hatten das Chaos ausgelöst. 2010 musste Togo den Verlust zweier Teammitglieder ertragen, von den psychischen Spätfolgen wurde noch gar nicht gesprochen. Togo ist Opfer – und wird gerade dafür bestraft. Selten wurde die Macht der Sesselfurzer abseits des Fußballplatzes perverser deutlich.





