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31.01.2010

Zur Entscheidung der CAF-Funktionäre

Machtwort der Sesselfurzer

Text: Alex Raack  Bild: Imago

Die Entscheidung des afrikanischen Fußball-Verbands, Togo aufgrund der vorzeitigen Abreise beim Afrika-Cup hart zu bestrafen, hat Empörung ausgelöst. Selten ist die krude Macht der Funktionäre deutlicher sichtbar gewesen.

Zur Entscheidung der CAF-Funktionäre - Machtwort der Sesselfurzer


Fußball-Funktionäre haben einen katastrophalen Ruf. Die breite Öffentlichkeit kann über diese Berufsgruppe lediglich sagen, dass sie Turnier-Karten auf dem Schwarzmarkt verhökert, Spiele verschiebt, notorische Geldgeber und Bauchpinsler bevorzugt und – wenn es ganz dicke kommt – sich sogar von einem Fresspaket bestechen lässt, wenn es um die Vergabe der größten Sportveranstaltung der Welt geht.



Sehr zum Nachteil der ungezählten ehrenamtlichen und/oder ehrenhaften Arbeiter und Helfershelfer im Hintergrund, ohne die das große Rad Fußball keine Umdrehung schaffen würde.

Fresspakete und Bauchpinsler

Die Herren der CAF, des afrikanischen Pendants zur UEFA, haben jetzt mit einer skandalösen Entscheidung dafür gesorgt, dass sich wohl auch in Zukunft an diesem Ruf der Funktionäre nicht viel ändern wird. Nur knapp drei Wochen nachdem der Tross der togolesischen Nationalmannschaft auf dem Weg zum ersten Spiel beim Afrika-Cup in Angola durch einen brutalen Rebellen-Überfall zwei Mitglieder seines Teams verlor, ließ der CAF verlauten: Togo wird für die nächsten beiden Turniere die Teilnahme verweigert.

Vom Papier her eine korrekte Entscheidung, schließlich reiste Togos Auswahl, dass nur knapp einem noch größeren Massaker entkommen war (die Angreifer nahmen mit ihren Maschinenpistolen insbesondere den Bus unter Beschuss, der mit dem Gepäck der Fußballer beladen war) noch vor dem ersten Spiel beim diesjährigen Afrika-Cup ab. Premierminister Gilbert Houngbo hatte seine Landsleute in die Heimat beordert, wo die Fahnen bereits auf Halbmast hingen. Die geschockten Sportler hatten sich zunächst dafür entschieden in Gedenken an die getöteten Freunde (den Assistenztrainer und Pressesprecher)  doch aufzulaufen – welche Antwort soll knapp dem Tod entkommenen jungen Fußballern auch sonst einfallen? Die Entscheidung des Politikers fand auf der ganzen Welt Akzeptanz, und Togos Nationalhelden hatten die Gelegenheit ihrer Trauer den notwendigen Freiraum zu lassen.

Halbmast in Togo

Dass das Turnier überhaupt stattfand, hat viele ausländische Beobachter überrascht, vor allem jene, die schon die Wahl des immer noch unter den Spätfolgen eines jahrelangen Bürgerkriegs leidenden Angolas als Austragungsort harsch kritisiert hatten. Angola hat es trotzdem geschafft bunte Spiele zu veranstalten, jedenfalls aus sportlicher Sicht. Der Afrika-Cup 2010 geht heute mit dem Endspiel zwischen Ghana und Ägypten (live ab 16.45 Uhr auf Eurosport) zu Ende und wird so oder so einen würdigen Sieger finden. Just in dem Moment, als also endlich so etwas, wie Normalität in dieses so grausam eingeläutete Turnier einzukehren schien, hat der afrikanische Fußball-Verband die hässliche Seite der Funktionärswelt offenbart und eine Entscheidung öffentlich gemacht, die bei allen Menschen, die auch nur ansatzweise etwas mit Sport zu tun haben, einen kalten Schauer des Ekels verursachte: »Die Entscheidung der Politiker (Togos, d. Red.) entspricht nicht dem Reglement der CAF und des Afrika-Cups. Deshalb hat das Exekutiv-Komitee so entschieden und Togos Verband zudem mit einer Geldstrafe in Höhe von 50.000 US-Dollar belegt.«

»So entschieden« bedeutet in diesem Fall: Togos Fußball-Nationalmannschaft darf bei den nächsten beiden Afrika-Cups nicht antreten. Eine ähnlich drastische Sperre verhängten Funktionäre einst 1985, als nach der Heysel-Stadionkatastrophe der FC Liverpool für sieben lange Jahre aus allen europäischen Wettbewerben ausgeschlossen wurde.

Die perverse Macht

Damals fanden 39 Menschen bei einer Massenpanik den Tod. Anhänger aus Liverpool hatten das Chaos ausgelöst. 2010 musste Togo den Verlust zweier Teammitglieder ertragen, von den psychischen Spätfolgen wurde noch gar nicht gesprochen. Togo ist Opfer – und wird gerade dafür bestraft. Selten wurde die Macht der Sesselfurzer abseits des Fußballplatzes perverser deutlich.






Kommentare

  • User
  • 31.01.2010 17:09:32 Kudde1887

    Sehr gelungener Beitrag!
    Ich habe, als ich die Entscheidung mitbekommen habe auch nur den Kopf schütteln können...

  • User
  • 31.01.2010 18:45:41 kleiningo

    Eine Schweinerei...

  • User
  • 31.01.2010 18:59:20 Gruni

    Diese Entscheidung setzt den Ereignissen die Krone auf. Ein sportpolitischer Totalschaden. Menschenverachtend.

    Auch wenn Togo nicht an der WM teilnimmt ist die FIFA gut beraten, dieses Problem bis dahin aus der Welt zu schaffen.

  • User
  • 01.02.2010 08:27:09 Schatz

    Das sind keine Sesselfurzer. Das sind Eierschaukler.

  • User
  • 02.02.2010 12:43:54 missbrauch_melden

    unglaublich aber wahr, ich hoffe dass das noch korrigiert werden kann.

  • User
  • 02.02.2010 13:06:58 AbteilungAttacke

    Die geschockten Sportler hatten sich zunächst dafür entschieden in Gedenken an die getöteten Freunde (den Assistenztrainer und Pressesprecher) doch aufzulaufen – welche Antwort soll knapp dem Tod entkommenen jungen Fußballern auch sonst einfallen?

    Was für ein fürchterlicher Absatz. Was jungen Fußballern einfallen soll, weiß ich nicht, aber jungen Menschen möglicherweise schon: Memento mori ! Auf dem Absatz kehrt machen und Zeit mit den Lieben (Frau, Freundin, Freunden Familie) verbringen und sich darüber klar werden, dass es weit wichtigere Dinge gibt als Fussball.

    Wobei dabei das Gedenken an die Opfer da noch hinzukommt - und für meinen Geschmack der Artikel dann doch zu sehr relativierend andeutet, dass es doch "nur" Sprecher und Assi erwischt hat (ergo die Mannschaft auf dem Papier noch voll funktionsfähig ist/zu sein hat). Aber mit dem guten alten "the games must go on" hat die Sportindustrie ja so ihre Erfahrungen.
    (Das soll nicht automatisch heissen, dass der Rückzug per se richtig war, nur eins von zwei möglichen Übeln!).

    Ansonsten ist dem Artikel zuzustimmen. Dass die Machtprobe zwischen Togo und der CAS auf dem Rücken der Spieler ausgetragen wird, ist gleichsam peinlich wie bitter.

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