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09.01.2010

Otto Pfister über das Attentat von Angola

»Ein Schlag für Afrika«

Interview: Dirk Gieselmann  Bild: Imago

Nach demTerroranschlag auf den Mannschaftsbus der togolesischen Nationalmannschaft in Angola steht Afrika unter Schock. Wir sprachen mit dem ehemaligen Nationalcoach Togos, dem Deutschen Otto Pfister.

Otto Pfister über das Attentat von Angola - »Ein Schlag für Afrika«


Otto Pfister, der Terroranschlag auf ihre ehemalige Mannschaft hat die Fußball-Welt erschüttert. Wie haben Sie diese Nachricht aufgenommen?

Das war ein echter Schock für mich. Ich habe es am Freitag aus dem Videotext erfahren, eine ganz bittere Sache. Das ist schon unglaublich.



Haben Sie bereits Kontakt zu Spielern aufgenommen?

Ich habe sofort versucht, Emmanuel Adebayor von Manchester City auf dem Handy zu erreichen, auch den jungen Toure von Leverkusen - vergeblich. Danach habe ich mit Thomas Dossevi vom FC Nantes gesprochen, der mir diesen Vorfall detailliert geschildert hat. Schlimm. Heutzutage ist einfach alles möglich.

Welche Bedeutung hat dieser Anschlag für die Erwartungshaltung der Afrikaner, insbesondere, was die WM in Südafrika angeht?

Das wird jetzt natürlich direkt auf die WM projiziert. Das ist ein echter Schlag für Afrika, die Kritiker werden nun Oberwasser bekommen. Aber man darf Angola nicht mit Südafrika verwechseln. Man darf jetzt nicht in Panik verfallen.

Sie haben viele Jahre lang afrikanische Mannschaften trainiert und gelten als Afrika-Experte. Gehen Sportler dort wegen der teilweise instabilen Verhältnisse ein besonderes Risiko ein?

Generell ist das Risiko in Afrika nicht höher als anderswo. Aber die Sicherheitsmaßnahmen sind natürlich mit denen in Deutschland nicht zu vergleichen. Das sind auch in diesem Bereich Entwicklungsländer, wie in der Wirtschaft, wie fast überall. Es ist teilweise eine endlose Weite dort - wie sollen Sie so etwas vernünftig kontrollierten?

Reflexartig wurde die sofortige Absage des Turniers in Angola gefordert. Der afrikanische Fußball-Verband CAF hat umgehend abgelehnt. Ist das die richtige Entscheidung?

Der Afrika-Cup ist ein unglaubliches Event für die Afrikaner, fast wichtiger als eine WM. Man darf ihn nicht absagen. Da ist man ganz schnell bei Helmut Schmidt und dem entführten Flugzeug in Mogadischu - da wird man erpressbar.

Natürlich erwägt Togo dennoch einen Rückzug, und Premier-League-Klubs haben bereits ihre Spieler aufgefordert, zurückzukehren ...


Die Klubs gehen jetzt natürlich auf die Palme, weil sie Angst um ihre hochbezahlten Superstars haben. Jetzt geht das ganz große Zittern los.






Kommentare

  • User
  • 09.01.2010 16:09:56 flow_loehne

    "Generell ist das Risiko in Afrika nicht höher als anderswo. Aber die Sicherheitsmaßnahmen sind natürlich mit denen in Deutschland nicht zu vergleichen. Das sind auch in diesem Bereich Entwicklungsländer, wie in der Wirtschaft, wie fast überall. Es ist teilweise eine endlose Weite dort - wie sollen Sie so etwas vernünftig kontrollierten?"

    Obwohl ich Otto Pfister aufgrund seiner vielen Tätigkeiten und für seine Aufbauarbeit in Afrika sehr schätze, irrt er hier. Das Risiko in südafrikanischen, angolanischen oder nigerianischen Straßen durch Gewalt umzukommen, ist höher als in deutschen, französischen oder us-amerikanischen Straßen. Und das sollte man auch ruhig benennen - denn wenn es bei der WM knallt, dann helfen auch die guten und schönen Worte nicht mehr.
    Allerdings muss ich Pfister nun zustimmen, dass man nun keine Panikmache betreiben sollte. Afrika hat sich eine WM verdient und sollte nun alles dafür tun, dass diese WM sicher über die Bühne geht. Dafür sollten sie allerdings jede Hilfe aus Europa annehmen.

  • User
  • 09.01.2010 17:01:48 laufpass

    ist einfach ein zu hohes risiko für die ganzen spieler in Afrika,...

    bei der WM kann das auch passieren, allerdings ist das da wahrscheinlicher

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