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Wie Fredi Bobic Bulgariens Fußball ordnen will

Der Himmel ist die Grenze

Text: Tim Jürgens  Bild: Tim Jürgens

Fredi Bobic probt den Aufstand in Bulgariens Fußball. Als Boss des PSFC Chernomoretz Burgas will er den Klub auf internationales Niveau hieven. Tim Jürgens hat ihn für die aktuelle 11FREUNDE-Ausgabe am Schwarzmeer besucht.

Wie Fredi Bobic Bulgariens Fußball ordnen will - Der Himmel ist die Grenze


 Wer heute die Welt verändern will, braucht ein Handy. Pausenlos stößt das Telefon von Fredi Bobic einen dieser diskreten Business-Klingeltöne aus. Ein Spielerberater will über Siegprämien verhandeln. Marco Bode ruft wegen eines Spiels der Traditionsmannschaft an. Ein deutscher Reporter möchte etwas über Bobics Erfahrungen mit einem Sportmediziner wissen. LED-Banden fürs Stadion werden geliefert, der Boss soll die Rechnung abzeichnen. Und einer der Europameister von 1996 will einfach nur mit ihm quatschen.

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Jeden Anrufer empfängt Bobic mit einem optimistischen Tonfall, einer Mischung aus Geschäftig- und Verbindlichkeit. Vor seiner Profilaufbahn hat er im Stuttgarter Kaufhof eine Ausbildung in der TV- und Radioabteilung gemacht, weil er in seinem Beruf mit Menschen zu tun haben wollte. Das ist ihm auf ganzer Linie gelungen. Fredi Bobic ist Geschäftsführer von Chernomoretz Burgas und damit Chef von 126 Angestellten. Ein Hauch von Sozialismus liegt noch immer über dem Verein vom Schwarzen Meer. Allein vier Putzfrauen stehen auf der Payroll. Dabei war Chernomoretz nie ein großer Klub, auch nicht zu Zeiten des Ostblocks. Keine Meisterschaft, kein Cup-Sieg in einer wechselhaften Geschichte seit 1919. Aber was nicht ist, das soll nun werden.

Ein Hauch von Sozialismus

Mit dem Klischee des CEO hat Bobic nichts gemein. Es scheint, als habe er sich die Leichtigkeit des Spielers ins Funktionärsdasein hinübergerettet. Wie ein galanter Juniorchef flattert er durch die Katakomben des Lazurstadions, in dem die Geschäftsstelle liegt. Ein Schwätzchen mit Kalina oben in der Cafeteria. Zlatko Jankow, Veteran aus dem großen Team Bulgariens, das Deutschland 1994 aus dem WM-Turnier schoss, gleicht den Zwischenstand beim Endlos-Turnier ab, das die beiden in Arbeitspausen im Fußballtennis ausspielen. In seinem Büro ein kurzer Blick auf Bild.de: »Jürgen Klopp kommentiert die WM bei RTL? Hat der in der Sommerpause nichts Besseres zu tun?« Bobic ist ein Kumpeltyp, dennoch strahlt er eine angenehme Bestimmtheit aus. Die braucht er auch, angesichts der hohen Erwartungen, die sie in Burgas an ihn knüpfen. Chernomoretz soll das Aushängeschild eines neuen bulgarischen Fußballs werden. Bobic wurde als Brückenkopf nach Westeuropa geholt. Durch seine Innovationen soll der Klub innerhalb der nächsten dreieinhalb Jahre internationales Niveau erreichen – sowohl sportlich als auch hinsichtlich seiner Strukturen. Deshalb macht Bobic bei Burgas das, was Klinsmann einst beim DFB vorhatte: Er dreht jeden Stein um.

Kumpeltyp mit angenehmer Bestimmtheit

Seine wichtigste Stütze in diesem System ist Krassimir Balakow, der als Manager englischer Prägung den Sportdirektor und Trainer in Personalunion gibt. Mitte der Neunziger hatte der Bulgare Bobic beim VfB Stuttgart mit genialen Pässen versorgt und damit zum neuen Stürmerstar gemacht. Als Balakow Anfang 2009 nach Burgas kam, griff er direkt zum Hörer: »Fredi, du musst kommen.« Denn es lag einiges im Argen. Im März begannen sie gemeinsam die Entrümpelungsaktion. Als Co-Trainer von Felix Magath in Stuttgart hatte Balakow eine Vision entwickelt, wie ein moderner Profiklub zu führen ist. Eine Idee, die er bei seinen ersten Stationen als Cheftrainer noch nicht umsetzen konnte. Die Funktionäre in Zürich und St. Gallen waren partout nicht bereit, Balakow mit ausreichend Machtfülle auszustatten.

2006 lernte er aber den bulgarischen Unternehmer Mitko Sabew kennen. Dieser hatte zwar keine Ahnung von Fußball, dafür war er fasziniert vom Sportbusiness. Mit Sabews Geld und Balakows Know-how träumten sie davon, einen ganz anderen bulgarischen Verein zu entwickeln. Ab März 2009 komplettierte Bobic das magische Dreieck 2.0 – und das Experiment nahm Fahrt auf...

Die vollständige Reportage über Fredi Bobic und sein Reformierung des bulgarischen Fußballs könnt Ihr in der aktuellen Ausgabe von 11FREUNDE lesen. Jetzt im Handel!



Ergänzung zu Heft#98 01/2010

Fussballfans sind Verbrecher




Kleiner Mann, was nun? Fredi Bobic, einst Bundesligastümer mit eingebauter Torgarantie, will jetzt den bulgarischen Fußball reformieren. Hier im alten Stadion seines Klubs aus Burgas, dem »Colosseum«


Fotostrecke

  • Kleiner Mann, was nun? Fredi Bobic, einst Bundesligastümer mit eingebauter Torgarantie, will jetzt den bulgarischen Fußball reformieren. Hier im alten Stadion seines Klubs aus Burgas, dem »Colosseum«
  • Im Büro bei der täglichen Arbeit. Wer der Rotschopf an seiner Seite ist, wissen wir nicht genau, sieht aber aus wie eine Mischung aus Maurizio Gaudino und Matthias Sammer.
  • Bobic, leicht verwirrt, umgarnt von musikalischen Fans aus der bulgarischen Ultra-Szene. Nicht im Bild: 11FREUNDE-Redakteur Tim Jürgens, der im Hintergrund fröhlich zum Volkstanz bittet.
  • Sky´s the limit. Fredi Bobic hat Großes vor in Bulgarien und weist vorsichtshalber schon mal den Weg zu den Sternen.
  • Bobic, der alte Suchtie, kann es nicht sein lassen und gibt sich im »Colosseum« den täglichen Schuss Rasenfeeling.
  • Nicht die Auswechselbank von Hertha BSC, sondern die Heimstätte seines Klubs PSFC Chernomoretz Burgas. Unser Mann fürs Schwarzmeer, Tim Jürgens, verstauchte sich übrigens beim Schreiben des Vereinsnamens den rechten Daumen.

Kommentare

  • User
  • 22.12.2009 19:32:08 Delije

    Na dann man alles Gute fuer die zwei...der osteuropaeische Fussball ist 100%ig in den Haenden der organisierten Kriminalitaet, lokaler dubioeser "Businessman" , Anhaegsel der Polizei oder Armee und im besten Falle Aushaengeschild eines russischen Oelmultis.
    Viele Vereine in dieser Region die auch europaeische Klasse hatten
    wie ZSKA Sofia (ich nenne nur ein paar Namen: Stoichkov, Leckow, Penev), Levski (Borimirov, Sirakov), Etur (Balakov) sind einfach nur extrem heruntergewirtschaftet. Clubs die Weltpokale und Championsleaguesiege gefeiert haben wie Crvena Zvesda
    (Pancev, Mihajlovic, Belodedic, Pixi Stoijkovic u.v.a.m.) muessen ihre Talente fuer billig Geld weggeben. Partisan hat sein Jahrhundert Talent Jovetic abgegeben, Dinamo Zagreb (Boban) und Haijduk Split fuetern seit langem die italienischen und deutschen Ligen...was ich damit sagen will ist: ich freue mich wenn 2 Superfussballer sich dort engagieren und den Leuten etwas Hoffnung geben, aber jeder junge Spieler wird sobald er die kleinste Gelegenheit sieht zu einem westlichen Klub gehen.
    Die allmaechtige Korruptionsmaschinerie auf dem Balkan wird ueber kurz oder lang jeden frustrieren der nicht damit aufgewachsen ist. Freddy als Slowene hat es hier vielleicht etwas leichter ;)
    Leider ist es im heutigen Fussball nicht moeglich als kleiner Verein konkurenzfaehig zu sein (deshalb Respekt vor Bilbao oder Villareal) bei den offenen Grenzen und der EU Freizuegigkeit.
    Leider werden wir nicht mehr die Underdogs siegen sehen wie Steaua gegen Barcelona oder Zvesda gegen Marseille....

  • User
  • 22.12.2009 20:30:57 Gruni

    irres Foto vom alten Stadion. Erinnert mich an den Film "Planet der Affen"

  • User
  • 22.12.2009 21:02:50 noggel

    eure seite gehört echt mal generalüberholt. die fotostrecken, die kommunikation untereinander. mehr benutzerfreundlichkeit bitte! wär doch schade.

  • User
  • 23.12.2009 11:58:19 FreundeDerSonne

    Cherno spielt aber hier http://www.stadionwelt.de/sw_stadien/index.php?fol der=sites&site=fotos&id=3142&page=1
    lieber Tim!

    @Delije

    100% Zustimmung, dafuer haben wir auf dem Balkan aber immernoch die geilsten Fans Europas, da haelt einfach keiner mit!

  • User
  • 23.12.2009 15:15:54 skifahrer

    Das sind Geschichten, die nur der Fußball erzählt. Und wie sie man nur hier findet. Schön, auch wenn das Ganze noch ausgefeilter und eindringlicher beschrieben werden könnte. Zb: wenn das Stadion so aussieht wie auf den Bildern, wie sieht es dann erst mit den Trainingsanlagen aus ? Und welche Steine muss Bobic umdrehen ? Hierarchie, Anlagen, Spielertransfers, Geschäftsstelle, Ticketing, Marketing etc ? Gibt es bzw wie funktionieren diese westlichen Selbstverständlichkeiten eigentlich dort ? Das bleibt etwas unscharf...

  • User
  • 23.12.2009 18:07:54 lumpinho83

    die bildunterschriften sind wunderschön.

  • User
  • 23.12.2009 23:08:25 Delije

    @skifahrer
    Das Stadion sieht nicht soooo schlimm aus, die Infrastruktur ist nicht das Problem. Das Problem sind die Menschen. Stell Dir in jedem Spiel einen Hoyzer als Schiri vor und 250 EUR als Durchschnittsgehalt eines Arztes, dann hast Du eine vage Vorstellung was dort lauft.

    @FreundeDerSonne
    DAS STIMMT :)))

    Hab mir Heute auf Utube Zrvena Zvesda gegen Real Madrid (4:2) angeschaut, Bulgarien gegen Deutschland (2:1) und CSKA Sofia gegen Barcelona...solchen Fussball werden wir die naechsten 50 Jahre auf dem Balkan nicht sehen.....und die Fans...naja solche gibts keine hier.

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