Das Nuller-Heft

11FREUNDE-Spezial: 00er

Das waren die Nuller Jahre

Neu hier? Alle Infos zu 11Freunde Community
12.11.2011

Zum 50. Geburtstag von Enzo Francescoli

Der Prinz aus Uruguay

Text: Christian Piarowski  Bild: Imago

Enzo Francescoli galt als einer der elegantesten Fußballer, die es in Südamerika je gegeben hat. Zu seinem 50. Geburtstag werfen wir einen Blick auf die Karriere des Mannes,  den Zinedine Zidane sein Vorbild nennt und den in Argentinien all nur »Der Prinz« rufen.

Zum 50. Geburtstag von Enzo Francescoli - Der Prinz aus Uruguay


Es läuft bereits die Nachspielzeit an diesem 8. Februar 1986. Der große Traditionsverein River Plate tut sich schwer gegen die Gäste aus Europa. Da landet der Ball auf der Brust des Spielers mit der Nummer neun. Der lässt den Ball kurz abtropfen und zimmert ihn mit einem wuchtigen Fallrückzieher von der Strafraumgrenze in die Maschen. Der Schütze jubelt, als bedeute dieses Tor den Gewinn des Weltpokals. Enzo Francescoli hat gerade den vermutlich schönsten Treffer seiner Karriere erzielt – und den wohl unbedeutendsten. Ohne dieses spektakuläre Tor würde sich heute sicher niemand an das Spiel zwischen River Plate Buenos Aires und der polnischen Nationalelf erinnern. Dass Francescoli auch in Freundschaftsspielen bis zur letzten Minute alles für seinen Verein gab und selbst unwichtige Tore so leidenschaftliche feierte, machte ihn zum Idol bei den Fans des dahin siechenden Traditionsklubs.



Denn um Kultstatus zu erlangen, bedarf es beim dem Verein aus Buenos Aires mehr als nur überdurchschnittliches Talent – erst Recht, wenn man von der anderen Seite des La-Plata-Flusses kommt. Enzo Francescoli Uriarte wurde am 12. November 1961 in der uruguayischen Landeshauptstadt Montevideo geboren. Das Fußball spielen erlernte er auf der Straße und sorgte bereits in der Schulmannschaft für Aufsehen. Als Enzo eines Tages krank dem Unterricht fernbleiben musste, beruhigte der Lehrer die verlegenen Eltern, dass dies überhaupt kein Problem wäre. Viel wichtiger sei es nämlich, dass er am Wochenende zum entscheidenden Spiel der Schulauswahl wieder fit sei.

Zu klein und zu schmächtig

Vo seinem Vater hatte Enzo die Leidenschaft für den populären Klub Peñarol geerbt. Doch dort schickten sie ihn genauso wie bei River Plate Montevideo nach einem Probetraining fort. Zu klein, zu schmächtig sei der Knirps, hieß es. Erst der kleine Klub Montevideo Wanderers nahm Francescoli in die Jugendmannschaft auf, nachdem ein dort kickender Schulfreund Enzo dem Trainer empfohlen hatte. Dieser zeigte sich angetan von seinem neuen Schützling, der ihm die Arbeit erheblich erleichterte, da er vielseitig einsetzbar und kaum vom Ball zu trennen war. Wie ein Mitspieler erzählt, verliefen die Taktikbesprechungen fortan ziemlich simpel: »Ihr erobert den Ball und passt ihn dann zu Enzo. Das ist alles.«

Schon bald ging auch in Argentinien die Kunde um, dass bei einem kleinen Klub in Montevieo ein Ausnahmetalent Aufsehen erregte. Mit 21 Jahren wechselt Francescoli 1982 zu River Plate Buenos Aires. Der populäre Verein befindet sich in einer Krise und sucht händeringend nach einer Blutauffrischung, mit der den Ansprüchen des Klub genüge getan werden kann. Die Erwartungen an den jungen Uruguayer sind dementsprechend groß. Doch dieser wiegelt ab: »Ich glaube, dass ich mit meinem Stil gut zu River passe. Ich habe vor der Aufgabe keine Angst, aber es gibt hier viele gute Spieler. Ich bin nicht der Retter.«

Er sollte Recht behalten – zunächst. Denn die Anfangszeit bei River verläuft für Francescoli alles andere als leicht. Nur wenige Wochen nach seinem Debüt lösen finanzielle Probleme einen Streik der Spieler aus. Auch wenn dieser bald beendet werden kann, ist das Verhältnis zwischen Fans und Kickern in der Folge vergiftet. Die Anhänger beschimpfen und verhöhnen die Spieler als Abzocker. Als Francescoli nach einer Auswechslung vom Trainer mit einem Tritt in den Allerwertesten vom Platz geholt wird, spenden die Zuschauer Applaus, beschimpfen den Uruguayer gar als Landstreicher und Dieb. River beendet die Meisterschaft als Vorletzter. Francescoli plagt das Heimweh.

Abschiebung nach Kolumbien

Als für die neue Saison sein Landsmann Luis Alberto Cubilla, seines Zeichen ebenfalls Idol des Vereins, als Trainer engagiert wird, scheint Francescolis Zeit bei River bereits beendet. In den Planungen Cubillas spielt er keine Rolle. Doch als man ihn nach Kolumbien abschieben will, weigert sich Francescoli. »Ich kam zu River, um hier zu triumphieren und ich bin sicher, das werde ich. Das ist eine Sache der Ehre.« Ohne ein Wort über das angespannte Verhältnis zum Trainer zu verlieren, spielt er auch auf ungeliebten Positionen.

Doch der Durchbruch gelingt erst unter Hector Rodolfo Veira, der ihn als Stürmer einsetzt. Francescoli verzückt in der Folgezeit die Anhänger mit seiner eleganten Spielweise und auch, weil er wichtige Tore schießt. Etwa beim beim 3:0 Sieg gegen Velez Sarsfield im März 1986 mit dem River sich die Meisterschaft fünf Spieltage vor Schluss sichert. Da feieren sie ihn schon längst als ihren Prinzen – »el principe«. Den Namen gibt ihn sein Landsmann, der Reporter Víctor Hugo Morales. »Damals hatte ich einen Ohrwurm vom Tango Príncipe. Francescoli machte ein Tor, und ich habe spontan eine Zeile des Textes wiederholt: 'Príncipe soy, tengo un amor y es el gol' (Ich bin ein Prinz und meine große Liebe ist das Tor). Der Spitzname passte perfekt zu diesem melancholisch und traurig wirkenden Mann, der sich wirklich etwas bewegte wie ein Prinz«, erklärt der Journalist.


weiterlesen [1] [2]





Ähnliche Artikel

Kommentare

  • User
  • 13.11.2009 17:02:45 Catilina

    Der AC Turin war damals alles andere als ein unbedeutender Verein. Immerhin erreichte der Club 1992 das Finale des Europapokals der Pokalsieger. Neben Francescoli standen während der 80er und 90er Jahre die Brasilianer Junior, Muller, Renato, Casagrande und André Cruz, der Italo-Belgier Enzo Scifo, der Spanier Rafael Martin Vasquez, der Franzose Angloma, der Holländer Kieft und der Ghanaer Abedi Pelé sowie die beiden italienischen Weltklasse-Mittelfeldspieler Dino Baggio und Gianluigi Lentini im Kader der "Granatapfelroten".

  • User
  • 13.11.2009 17:30:34 Catilina

    Nachtrag: Torino unterlag 1992 Ajax Amsterdam im Finale des UEFA-Cups.

  • User
  • 13.11.2009 18:50:18 Ramon Diaz

    Vielen Dank für diesen Artikel über einen der größten Spieler der das heilige Trikot mit der Banda getragen haben, Enzo ist als Mensch und als Spieler eine herrausragende Persönlichkeit.Schade das er in Europa so wenig Anerkennung genießt.Sehr wichtig ist das er der einzige der großen 3(Labruna,Alonso,Enzo) ist der nicht aus der Jugend von River stammt.Grande principe, InmENZO.Glückwunsch Nachträglich

  • User
  • 14.11.2009 13:15:49 Wesereule

    Ja, ein sehr schöner Artikel! Danke, dass ihr Enzo in Erinnerung gerufen habt. Muss gleich mal Youtuben.... ;-)

  • User
  • 17.11.2009 18:01:01 Christofscha

    Wie siehts eigentlich aus? Wird Enzo nun wirklich Sportdirektor wenn sein "Kumpel" Rodolfo D'Onofrio Präsi wird bzw. wie hoch sind eigentlich dessen Chancen auf das Amt?

  • User
  • 13.11.2011 14:57:00 Capocannoniere

    "Einer der größten Spieler" usw....mag ja alles sein...nur: Wer hier hat ihn öfter als ein paar mal spielen sehen ? Für uns ist Francescoli ein Fußball-Genie aus zweiter und dritter Hand. Wir kennen ihn nicht, nur seinen Ruf. Er ist, im wahrsten Sinne des oft gedankenlos gebrauchten Wortes, eine Legende...

  • User
  • 13.11.2011 20:22:59 AntiMöller

    Ich bin zwar erst neuerdings "Toro", aber auch Francescoli hat da nicht diesen impact hinterlassen, wie EIN Martin Vasquez oder Lajos Detari. Von Lentini (teurer als Rummenigge!) ganz zu schweigen. Wie gesagt: "aus 2ter Hand".

    Egal: Francescoli hätte Mehmet Scholls Eier noch nicht mal putzen dürfen! Völlig überschätzt, diese uruguyanische Antwort auf Hennes Bongartz.

  • User
  • 13.11.2011 20:24:05 AntiMöller

    (beziehe mich eben auch nur auf diese Handvoll Spiele)

zum Forum

Logge Dich ein, um einen Beitrag zu schreiben!

VON DEN LESERN EMPFOHLEN



DIE AKTUELLE UMFRAGE

Kiel gegen Dortmund: Ein Duell wie...

David gegen Goliath
Regina Halmich gegen Mike Tyson
Klopfer gegen Godzilla
KSV Baunatal gegen Real Madrid
Angela Merkel gegen Gina Wild
Milhouse gegen Nelson Muntz
Wilfried Ditrich gegen Chris Taylor
Fünf gegen Willie




DDR-Nationaltorwart René Müller im Interview


Sätze, die Uli Hoeneß sagt, wenn sein Klub gegen den FC St. Pauli verliert

  • »Die Paulianer sind gerannt, ich glaube, da liegen heute noch welche unterm Sauerstoffzelt. Und bei uns werden 30 Minuten nach Spielschluss schon wieder Sprüche geklopft und Karten gespielt. Die Spieler essen Scampis, und ich habe eine schlaflose Nacht.«

11Freunde Liveticker

11FREUNDE @ TWITTER