Wird Matthäus Trainer in Argentinien?
Racing Lothar
Text: Christian Piarowski Bild: Imago
Zuletzt trainierte Lothar Matthäus Vereine in Ungarn und Israel - meist wenig erfolgreich und nur für kurze Zeit. Weil ihn mal wieder niemand in der Bundesliga haben wollte, scheint es Lothar nun nach Südamerika zu ziehen.
Der argentinische Verein Racing Club steht unmittelbar vor der Verpflichtung des einstigen Weltfußballers Lothar Matthäus, dies berichteten einstimmig verschiedene Medien in Argentinien. Racing zählt dort zu den beliebtesten Vereinen. Aufgrund jahrelanger Misswirtschaft spielte der Klub aus Avellaneda, einem Vorort von Buenos Aires, allerdings zuletzt regelmäßig gegen den Abstieg.
Erst in der vergangenen Saison konnte nur dank einer überragenden Rückrunde und einem fünften Platz in der Clausura-Meisterschaft der Klassenerhalt gesichert werden. In der Apertura-Meisterschaft, der Hinrunde der Saison 09/10, ist Racing nach neun Spielen allerdings bisher als einzige Mannschaft sieglos und steht mit mageren vier Punkten auf Platz 18. Es geht also erneut um den Abstieg, der in Argentinien anhand des Punkteschnitt aus der aktuellen und den beiden vorangegangen Spielzeiten ermittelt wird. Und jetzt soll Lothar kommen.
Hey! Hey! Hier kommt Lothar!
Noch ist der Deal nicht perfekt, am Wochenende könnte eine Entscheidung fallen. Aus dem Umfeld des Vereinsvorstand heißt es, dass der ehemalige Weltfußballer großes Interesse bekundet hat. Für den notorisch klammen Vorstadtklub ist Matthäus finanziell sogar eine Alternative, da Jose Pekerman und Miguel Russo – die eigentlichen Spitzenkandidaten auf die Nachfolge des vor kurzem entlassenen Ricardo Caruso – mehr Gehalt forderten als der deutsche Trainer.
In den Medien wird bereits spekuliert, dass die Verhandlungen mit dem Deutschen vornehmlich als Marketing-Coup dienen könnten. Es wäre eine Verpflichtung mit hohem Risikopotential. Matthäus spricht zwar Italienisch und Englisch aber kein Spanisch, kennt zudem das Umfeld und die Liga nur über das Internet. Für eine rasche Anpassung soll der derzeitige Interimscoach Juan Barbas sorgen.
Matthäus kennt die Liga nur über das Internet
Es wäre für Matthäus nicht das erste Engagement in Südamerika, bereits 2006 betreute er den brasilianischen Verein Atletico Paranaense. Nach nur sieben Ligaspielen war allerdings Schluss. Matthäus packte aufgrund familiärer Probleme die Koffer und verschwand so schnell, wie er gekommen war. Ob es nun ausgerechnet in Argentinien besser läuft, ist doch mehr als zweifelhaft. Der Druck aus Medien und Umfeld sind gerade bei Racing enorm, schließlich zählt der Klub noch immer zu den »Cinco Grandes«, den fünf großen Vereinen in Argentinien.
Nach dem WM-Finale 1990 tröstete Matthäus einen tief traurigen Maradona, heute Coach der argentinischen Nationalelf und als solcher zuletzt sehr umstritten.
Vielleicht treffen sich die beiden historischen Zehner ja bald in Buenos Aires, um sich gegenseitig Trost zu spenden.
Unser Autor ist Betreiber des Südamerika-Blogs www.golazo.de




