Die Holger Obermann Kolumne (1)
Wie bei James Bond
Text: Holger Obermann, Protokoll: Fabian Friedmann Bild: Imago
Holger Obermann war in über 30 Ländern als Fußballtrainer tätig. Im ersten Teil seiner Kolumne erzählt der 73-Jährige über seine Zeit als Profi in Amerika und wie Taiwanesen ihre Kommandozentralen tarnen.
Dank des Fußballs zog ich bereits Anfang der sechziger Jahre zum ersten Mal in die große weite Welt. Noch zu meiner aktiven Karriere als Torhüter wechselte ich vom damaligen Oberligisten Concordia Hamburg nach Amerika. Per Schiff ging es mit meiner Frau über den großen Teich. Im gelobten Land hatte ich ein Angebot von SC Elizabeth New York angenommen und sollte dieser Mannschaft zum Aufstieg in die erste amerikanische Liga verhelfen. Damit war ich der erste deutsche Fußballprofi in den USA überhaupt, noch lange bevor Müller, Hölzenbein und Beckenbauer Richtung Amerika wechselten und weit bevor die Amerikaner professionelle Strukturen aufgebaut hatten.

Zu Beginn war ich Halbprofi und arbeitete nebenbei als Volontär für den Fernsehsender ABC. Die dortige Liga war zu meiner Zeit geprägt von Einwanderern. Sämtliche Immigranten hatten ihre eigenen Teams: Tschechen, Ukrainer, Iren, Italiener und Deutsche standen sich bei den Spielen gegenüber – man kann sich vorstellen, dass da häufig die Fetzen flogen. Die alteingesessenen US-Amerikaner juckte das wenig und dementsprechend schlecht waren unsere Spiele besucht.
Später forcierte ich neben dem Sport mein journalistisches Engagement und arbeitete zudem bei Zeitungen in Florida und New York. Mein amerikanischer Traum dauerte bis 1965, ehe ich ein Angebot vom Hessischen Rundfunk annahm. In Frankfurt konnte ich zusätzlich meine Trainerlizenz beim DFB erwerben und wurde Jugendtrainer bei Kickers Offenbach und später bei Eintracht Frankfurt.
Eines Tages im Jahr 1975 fragte uns ein DFB-Funktionär bei einer Trainerfortbildung: »Meine Herren, wer von ihnen möchte nach Taiwan?« Taiwan? Meine Kollegen sahen sich an und schüttelten die Köpfe. Auf so ein Abenteuer in einem nach dem Bürgerkrieg autoritär geführten Land wollte sich niemand einlassen. Ich schon. Es sollte der Startschuss für meine Karriere als Fußball-Entwicklungshelfer werden.
Als ich in Taiwan ankam, musste ich feststellen, dass Fußball dort überhaupt nicht stattfand. Sportart Nummer Eins war mit Abstand Baseball. Warum das Spiel mit der Keule? Nun, die Amerikaner hatten als militärische Schutzmacht der Inselgruppe den Sport importiert, und jedes Kind in Taiwan kannte die Baseball-Regeln. Das Land wurde Juniorenweltmeister und schlug sogar den Lehrmeister USA. Natürlich eine große Sensation, was es dem Fußball aber schwierig machte sich zu etablieren. Bis der taiwanesische Präsident des Fußballverbandes dies ändern wollte – mit einem deutschen Trainer. Das war ich.
Ich suchte mir das Spielerpotential an den Schulen zusammen, natürlich talentierte Jungen, aber auch Mädchen. Später reiste sogar der deutsche Frauenmeister Bergisch-Gladbach nach Taiwan, um gegen die Nationalelf ein Länderspiel zu bestreiten und um ein bisschen Promotion für den Mädchenfußball zu machen. Meine Männer wurden mit der Zeit auch immer besser, doch die Vorrunde zur Olympia-Qualifikation 1976 durften wir nicht zu Ende spielen.
Aus Heft#96 11/2009
Die große Freiheit Wende und Fußball







