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11.09.2009

Deutsche Mädels sind Europameister

Jogi, hast du das gesehen?

Text: Maike Schulz  Bild: Imago

Mit 6:2 ging England gestern im Finale der Frauen-EM gegen Deutschland unter. 60 Minuten war es ein spannendes Spiel, doch dann waren die Damen der Insel müde, und Deutschland drehte auf. Eine Demonstration.

Deutsche Mädels sind Europameister - Jogi, hast du das gesehen?


Am Ende war alles wie immer. Die DFB-Frauen bewiesen, dass ihnen in Europa niemand das Wasser reichen kann, und feierten den fünften EM-Titel in Folge. Birgit Prinz traf im Doppelpack, Inka Grings als Torschützenkönigin ja sowieso und dann streckte Silvia Neid wieder einen Pokal in die Höhe.



Das Spiel begann um 18 Uhr, zu einer Uhrzeit, zu der die meisten Deutschen noch im Büro oder auf dem Heimweg waren. Sie verpassten ein Spiel, das Werbung für den Frauenfußball war. Deutschland traf auf einen Gegner, der ebenbürtig war, nur eben das hohe Tempo der späteren Europameisterinnen nicht über 90 Minuten mithalten konnte. Anders als im Männerfußball gab es kein langes Taktieren und auch keine Defensivtaktik. England suchte die Flucht nach vorne und hatte schon nach wenigen Minuten die erste Torchance.

Doch es war Birgit Prinz, die nach einer bis dahin torlosen EM in der 20. Minute zur deutschen Führung traf. Es war der Auftakt zum höchsten Endspielsieg der Geschichte. Es dauerte gerade einmal zwei weitere Minuten, da entdeckte die Münchnerin Melanie Behringer kurz hinter der Mittellinie, dass Torfrau Rachel Brown nicht ganz auf Posten war, und zog aus 40 Metern ab. Drin!

Damit stand es 2:0, und der Puls der mitgereisten Fans, das Stadion war mit 15.000 Zuschauern endlich einmal gut besucht, begann sich zum ersten Mal leicht zu normalisieren. Die Engländerinnen, lautstark von ebenfalls zahlreich angereisten Fans unterstützt, gaben nicht auf. Kelly Smith erkannte die immer wieder entstehenden Lücken in der deutschen Viererkette. Annike Krahn und Saskia Bartusiak machten ihre Sache gut, doch ganz konnten sie die verletzte Ariane Hingst nicht ersetzen. Im Alleingang tanzte Smith also die Verteidigung aus, legte für Karen Carney auf – Anschlusstreffer. Carney war eine der besten Engländerinnen auf dem Feld.   

Der Bundespräsident total relaxed

Auf der Ehrentribüne genoss Horst Köhler das unterhaltsame Spiel, er war allerdings sichtlich entspannter als seine Sitznachbarn Theo Zwanziger und Hannelore Ratzeburg. Nach dem Wiederanpfiff begann das Spiel, wie es aufgehört hatte, mit Drang zum Tor auf beiden Seiten und hart geführten Zweikämpfen. In der 49. Minute zeigte sich, dass Silvia Neid das Halbfinale gegen Norwegen genauestens analysiert hatte. Gefahrenquelle erkannt: Ecken wurden trainiert, und aus einer solchen entstand folgerichtig das 3:1 für Deutschland. Kim Kulig, die sich mit 19 Jahren in die Stammelf gespielt hatte, schob nach einem Gewusel im 16-Meterraum den Ball über die Linie. Damit egalisierte sie Patzer aus Halbzeit eins. Es war wieder Kelly Smith, die wenige Minuten später mit dem Anschlusstreffer für Spannung sorgte. Der Wille der Löwinnen war ungebrochen, nur forderte das intensive Spiel langsam Tribut. Die deutsche Mannschaft wurde stärker, zwei Tore von Inka Grings und ein weiteres von Birgit Prinz später stand Deutschland als Europameister fest.  


Das Ergebnis klingt nach einer einseitigen Torgala, ja, es war eine Gala, aber keine rein Deutsche. Das Sympathische an diesem Finale war, dass beide Mannschaften den Willen zum Sieg zeigten. Hope Powell hatte ihren Frauen den Respekt vor den Deutschen genommen, das tat dem Spiel gut. Selbst nach dem 4:2 spielten Powells Mannschaft mit Herz nach vorne, sie verfielen zu keiner Zeit in eine Mauertaktik, wie sie Italien und die Niederlande in vorherigen Spielen gezeigt hatten. Auf der anderen Seite schonten sich Deutschlands Frauen zu keinem Zeitpunkt, obwohl das Spiel in der 72. Minute endgültig entschieden war, und obwohl schon nächste Woche die Bundesligasaison beginnt. Sie ließen keinen Zweikampf aus, eroberten die Bälle im Mittelfeld und suchten den Torabschluss. Sie wollten spielen und sie wollten dem Publikum, jetzt, wo sie endlich eines hatten, schönen Frauenfußball zeigen.   

Nach Abpfiff begann das große Feiern. Auf dem Platz, neben dem Platz und auf der Tribüne, später dann in der Kabine, im Bus, im Nachtklub und, als dessen Pforte schloss, im Hotel. Bei der Medaillenübergabe umarmte Theo Zwanziger stolz »seine Mädels«, da ließ es sich Nadine Angerer ihrerseits nicht nehmen, den angereisten Bundespräsidenten auch gleich mit in die Arme zuschließen. Wo man doch schon mal Europameister geworden ist.

Als Birgit Prinz dann den Pokal von UEFA-Präsident Michel Platini überreicht bekam, klang das alt bekannte »So sehen Sieger aus, scha la la la la!« durch Helsinki. 



Ergänzung zu 11 FREUNDINNEN #1

Magazin für Frauenfußball






Kommentare

  • User
  • 16.09.2009 12:36:26 KIKO19

    Das Finale war wohl das beste Spiel das ich im Frauenfußball je gesehen habe! Glückwunsch an die deutschen Mädels!

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