Geschlechterkampf auf der Insel
Ladies vs. Lads
Text: Johannes Ehrmann & Maike Schulz Bild: Imago
Die englischen Fußballfrauen stehen im EM-Finale. Die Männer können sich vorzeitig für die WM in Südafrika qualifizieren. Wem gehört der Fußball im Mutterland? Ladies vs. Lads – der ultimative 11FREUNDE-Vergleich.
DIE INSEL GEHÖRT DEN FRAUEN (von Johannes Ehrmann)
Sie sollten sich schämen, die Engländer, und Buße tun. Sie sollten gezwungen werden, sich morgen vor den Fernseher zu setzen, allesamt. Mit dem Fünfuhrtee wird der englischen Fußballnation nämlich ein absoluter Leckerbissen serviert: England gegen Deutschland! Keine Paarung auf unserem Kontinent verspricht so viel Historie, Hitzigkeit und Hass. Doch auf der Insel kratzt das Spiel der Spiele, das Endspiel um Europa, keine Sau. Das Mutterland des Fußballs ignoriert seine Töchter. Das Finale der Frauen-Europameisterschaft wird weitgehend unbeachtet über die Bühne gehen.
Die Hurst-Erben sind zum Heulen!
Dabei haben die englischen Fußball-Ladies immerhin das geschafft, was den elf zahnlosen Tigern mit den drei Löwen auf der Brust seit 43 Jahren nicht gelungen ist: Der Finaleinzug bei einem großen Turnier. Während Gazza, Becks, Rooney und Co. seit mehr als vier Jahrzehnten ihrem Land nur Gründe zum Heulen gegeben haben, sind die Mädels von Nationaltrainerin Hope Powell unter deutlich ungünstigeren Voraussetzungen bei der EM in Finnland mal eben bis ins Finale durchspaziert.
Seit 1966 stolpern die Erben von Hurst und Charlton von Zitter-Aus zu Blamage, haben sich ganz nebenbei ein wohlfeiles Elfmetertrauma zugelegt (in jüngster Zeit garniert mit Platzverweisen von Schlüsselspielern) und machen, wenn selbst das nicht zieht, eben höhere Mächte, das heiße Wetter oder die schlechte Qualität der Pfefferminzsoße aus der Hotelküche für verpasste Qualifikationen oder Endspiele verantwortlich.
Jammern bei den Herren, Kampfgeist bei den Damen! Bei der letzten Weltmeisterschaft erreichten die Engländerinnen bereits das Viertelfinale, in diesem Jahr legten sie noch eine Schippe drauf. Kelly Smith, Eniola Aluko und Kolleginnen warfen im Viertelfinale Gastgeber Finnland sensationell mit 3:2 aus dem Turnier und setzten sich im Semifinale gegen die starken Holländerinnen nach Verlängerung durch. Dabei hatte es nach dem dritten Platz in der Vorrunde noch nach einem eher durchwachsenen Turnier für die Mädels von der Insel ausgesehen. Eine perfekte Dramaturgie also für ein wunderbares Fußballmärchen.
Die Lads ignorieren ihre Ladies
Dennoch ist die Medienresonanz auf der Insel mehr als bescheiden. Statt dem Frauenwunder die ihm gebührenden 10-12 Doppelseiten und ein paar fette Headlines einzuräumen, wird auf der anderen Seite des Ärmelkanals lieber ellenlang über das belanglose Spiel der Männer gegen Kroatien berichtet. In einem Land, in dem die »Lads« ihr erstes Pint von Daddy schon in den Brei gemischt bekommen, gibt es für Frauensport keinen Platz in der Öffentlichkeit. Testosterongeschwängert die Pubgespräche, von Alphamännchen gesetzt die Schlagzeilen. »Terry will süße Rache«, »Neville kämpft um Einsatz«, usw...
Statt das Frauenfinale England-Deutschland in guter alter »Two World Wars and One World Cup«-Manier zu ausgiebigem Fritz-Bashing zu nutzen, arbeitet sich der britische Boulevard an pseudomartialischer Stimmungsmache gegen die Kroaten ab.
Wir schlagen uns da lieber auf die Seite des Frauenfußballs, gehen heute Abend nicht in die Sportsbar sondern mit der Freundin ins Kino und schauen morgen das große Finale.
Hätten allerdings auch nichts dagegen, wenn die deutschen Frauen im Elfmeterschießen gewännen.
Ergänzung zu 11 FREUNDINNEN #1






