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09.09.2009

Geschlechterkampf auf der Insel

Ladies vs. Lads

Text: Johannes Ehrmann & Maike Schulz  Bild: Imago

Die englischen Fußballfrauen stehen im EM-Finale. Die Männer können sich vorzeitig für die WM in Südafrika qualifizieren. Wem gehört der Fußball im Mutterland? Ladies vs. Lads – der ultimative 11FREUNDE-Vergleich.

Geschlechterkampf auf der Insel - Ladies vs. Lads


DIE INSEL GEHÖRT DEN FRAUEN (von Johannes Ehrmann)

Sie sollten sich schämen, die Engländer, und Buße tun. Sie sollten gezwungen werden, sich morgen vor den Fernseher zu setzen, allesamt. Mit dem Fünfuhrtee wird der englischen Fußballnation nämlich ein absoluter Leckerbissen serviert: England gegen Deutschland! Keine Paarung auf unserem Kontinent verspricht so viel Historie, Hitzigkeit und Hass. Doch auf der Insel kratzt das Spiel der Spiele, das Endspiel um Europa, keine Sau. Das Mutterland des Fußballs ignoriert seine Töchter. Das Finale der Frauen-Europameisterschaft wird weitgehend unbeachtet über die Bühne gehen.



Die Hurst-Erben sind zum Heulen!

Dabei haben die englischen Fußball-Ladies immerhin das geschafft, was den elf zahnlosen Tigern mit den drei Löwen auf der Brust seit 43 Jahren nicht gelungen ist: Der Finaleinzug bei einem großen Turnier. Während Gazza, Becks, Rooney und Co. seit mehr als vier Jahrzehnten ihrem Land nur Gründe zum Heulen gegeben haben, sind die Mädels von Nationaltrainerin Hope Powell unter deutlich ungünstigeren Voraussetzungen bei der EM in Finnland mal eben bis ins Finale durchspaziert.

Seit 1966 stolpern die Erben von Hurst und Charlton von Zitter-Aus zu Blamage, haben sich ganz nebenbei ein wohlfeiles Elfmetertrauma zugelegt (in jüngster Zeit garniert mit Platzverweisen von Schlüsselspielern) und machen, wenn selbst das nicht zieht, eben höhere Mächte, das heiße Wetter oder die schlechte Qualität der Pfefferminzsoße aus der Hotelküche für verpasste Qualifikationen oder Endspiele verantwortlich.

Jammern bei den Herren, Kampfgeist bei den Damen! Bei der letzten Weltmeisterschaft erreichten die Engländerinnen bereits das Viertelfinale, in diesem Jahr legten sie noch eine Schippe drauf. Kelly Smith, Eniola Aluko und Kolleginnen warfen im Viertelfinale Gastgeber Finnland sensationell mit 3:2 aus dem Turnier und setzten sich im Semifinale gegen die starken Holländerinnen nach Verlängerung durch. Dabei hatte es nach dem dritten Platz in der Vorrunde noch nach einem eher durchwachsenen Turnier für die Mädels von der Insel ausgesehen. Eine perfekte Dramaturgie also für ein wunderbares Fußballmärchen.

Die Lads ignorieren ihre Ladies

Dennoch ist die Medienresonanz auf der Insel mehr als bescheiden. Statt dem Frauenwunder die ihm gebührenden 10-12 Doppelseiten und ein paar fette Headlines einzuräumen, wird auf der anderen Seite des Ärmelkanals lieber ellenlang über das belanglose Spiel der Männer gegen Kroatien berichtet. In einem Land, in dem die »Lads« ihr erstes Pint von Daddy schon in den Brei gemischt bekommen, gibt es für Frauensport keinen Platz in der Öffentlichkeit. Testosterongeschwängert die Pubgespräche, von Alphamännchen gesetzt die Schlagzeilen. »Terry will süße Rache«, »Neville kämpft um Einsatz«, usw...

Statt das Frauenfinale England-Deutschland in guter alter »Two World Wars and One World Cup«-Manier zu ausgiebigem Fritz-Bashing zu nutzen, arbeitet sich der britische Boulevard an pseudomartialischer Stimmungsmache gegen die Kroaten ab.

Wir schlagen uns da lieber auf die Seite des Frauenfußballs, gehen heute Abend nicht in die Sportsbar sondern mit der Freundin ins Kino und schauen morgen das große Finale.

Hätten allerdings auch nichts dagegen, wenn die deutschen Frauen im Elfmeterschießen gewännen.



Ergänzung zu 11 FREUNDINNEN #1

Magazin für Frauenfußball


weiterlesen [1] [2]





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Kommentare

  • User
  • 09.09.2009 19:15:17 Wer

    Mal ehrlich Frau Schulz, entweder ist das beißender Spott, oder sie haben da nicht mehr alle Latten am Zaun. Berdauern sie da ehrlich fußballspielende Millionäre, weil die armen ihren Job machen sollen, und dann auch noch die Vereine, die unsäglicherweise verfolgt werden, nur weil sie minderjährie zum Vertragsbruch animierten?
    Ja, das sind schon arme Würstchen ...

  • User
  • 09.09.2009 22:00:01 wasserglas

    Nun habe ich mich extra hier angemeldet um meine Meinung kund zu tun.
    Frauenfußball interessiert mich nicht. Das liegt nicht daran daß ich ein dicker, einsamer Sexist bin sonderen daran daß es mich schlicht nicht interessiert was die Frauen da so veranstalten und mag es noch so erfolgreich sein. Da bleibe ich meinem Desinteresse treu.
    Ich weiß, das ist traurig denn momentan wird einem von allen Seiten eingeredet daß die Frauen WM (oder EM - ich weiß es nicht) total spannend sei usw. und nun zieht diese Werbung für die Damen nicht, zumindest bei mir nicht. Und das ist dann auch wohl wieder ein Trost, bin ja nur einer von vielen.
    Oder?

  • User
  • 14.09.2009 14:21:55 modernist_04

    Mir erschließt es sich gerade nicht, aus welchem Grund solche Artikel geschrieben werden - was dem geneigten, fußballinteressierten Leser dadurch vermittelt werden soll. Und, der englische Fußball gehört zur Zeit mehr oder weniger zahlungskrätigen Investoren, glaube ich.

  • User
  • 18.09.2009 00:43:25 Statistikfreund

    Es sei an dieser Stelle erwähnt, dass für den legendären Huddersfield Town F.C. seit 1988 Frauen als Huddersfield Town Ladies Football Club Link an den Start gehen.

    Natürlich mit dem einzig möglichen Spitznamen: The Terriers.

    Leider sind sie in den letzten beiden Jahren in der North East Regional Womens Football League nicht ganz so erfolgreich: Letztes Jahr als Vorletzter knapp als Vorletzter mit 15 Punkten Vorsprung auf den letzten dem lselbigen nochmal entronnen, stehen sie derzeit punktlos auf dem letzten Platz. Aber es geht aufwärts und noch ist nichts verloren. Es gilt die Teams von Hull City Womens FC, Peterlee Ladies, Ossett Albion , York City Ladies und Guisley Ladies AFC jetzt zu schlagen und so deutlich zu machen, dass es aufwärts geht. Link

    P.S.: Wenn man englischen Frauenfußball diskutiert, sollte man nicht unerwähnt lassen, dass die U 19 EM klar an England ging. Nachdem bereits in der Vorrunde mit 0:3 unterlegen wurden die Schwedinnen mit 0:2 aus dem ausverkauften Haradski Stadion von Baryssau (Borisov) gefegt, Spielbericht: Link
    Auch den ein oder anderen Namen, solte man sich schon einmal notieren:
    Link

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