Real Madrid zu Gast in Dortmund
Aliens in der Provinz
Text: Artur vom Stein Bild: Imago
Während englische Top-Klubs sparen, wagt Real Madrid einen Kaufrausch, der schon einmal desaströs endete. Der Klub der »Galaktischen« gastiert nun mit all seinen Superstars zum Jubiläums-Spiel bei Borussia Dortmund.
Sie sind da. Real Madrid ist nach Dortmund gekommen. Die Königlichen gratulieren dem BVB zum 100. Geburtstag. Und 75.000 Zuschauer wollen dabei sein, wenn die spanischen Superstars mit dem Ball tanzen. Für die Borussia ist es ein Festtag, für die zweite Generation der Galaktischen ist es eher ein willkommener Härtestest (20.15 Uhr/Sat.1) vor dem Saisonstart am 30. August gegen Deportivo La Coruna.
Triumph oder Tragödie?
»Galatico reloaded«, würde der Filmtitel vermutlich lauten, wenn man die aktuelle Klubgeschichte der Madrilenen im Kino erzählen wollte. Es geht mal wieder um die Frage, wohin Größenwahn führen kann. Zu Triumph oder Tragödie? Dazwischen gibt es nichts für den Real-Präsidenten Florentino Perez, der um die 217 Millionen Euro für die neuen Fußball-Stars hingeblättert haben soll.
Und dieser Kaufrausch ist tatsächlich nichts anderes als die Neuauflage eines Projekts, das bereits im ersten Anlauf kläglich scheiterte. Ab 2000 hatte der milliardenschwere Unternehmer einen Figo, einen Zidane, einen Beckham einen Ronaldo oder einen Owen gekauft. Bis 2006 wurde überirdisch viel Geld investiert, doch die Ausbeute blieb desaströs: zwei Meisterschaften, ein Champions-League-Sieg und eine halbe Milliarde Euro Schulden.
Filetstück verkauft
Um diese Summe zu tilgen, musste Real sein Trainingsgelände verkaufen, ein Filetstück der Stadt, auf dem heute vier hohe Türme stehen, die Madrids Sykline dominieren. Florentino Perez, so ätzte unlängst ein Journalist einer in Barcelona erscheinenden Zeitung, sei das einzige Lebewesen, das zweimal über denselben Stein stolpert. Eine Behauptung, in der viel Wunschdenken steckt.
Aber nicht nur in Barcelona, nein, wohl in ganz Europa hoffen Klubverantwortliche auf ein böses Erwachen für Real. Denn wer 94 Millionen für einen Cristiano Ronaldo, 65 Millionen für einen Kaka und 35 Millionen für einen Karim Benzema zusammen kratzt, sprengt den Markt und schafft sich Feinde. Gerade in einer Zeit, die deutliche Anzeichen für eine Trendwende liefert. So ist in England nichts mehr so wie es einmal war. Dort, auf der Insel, wo das Pfund wucherte, ist die große Sparsamkeit ausgebrochen. »Ohne das Neureichen-Gehabe von Manchester City«, lästerte jetzt die Zeitung »Guardian«, »hätte der englische Fußball nur eine Statistenrolle auf dem Transfermarkt.«
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