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23.06.2009

John Langendoen über den Iran

»Die Iraner wollen Freiheit«

Interview: Roland Wiedemann  Bild: Imago

Der Physiotherapeut John Langendoen aus Kempten betreute vier Wochen lang die iranische Nationalmannschaft. Wir sprachen mit ihm nach seiner Rückkehr ins Allgäu über die Situation und das Leben in der islamischen Republik.

John Langendoen über den Iran - »Die Iraner wollen Freiheit«


Herr Langendoen, nur über Umwege gelangen Nachrichten und Bilder aus dem Iran in die westliche Welt. Wie stellt sich die Lage aus Ihrer Sicht dar?

Sie ist extrem alarmierend. Was ich mitbekommen habe, gibt es bislang nicht acht oder zehn Tote, wie offiziell verbreitet wird, sondern circa 200. Das Regime versucht mit allen Mitteln zu verhindern, dass Nachrichten nach außen dringen. Vor meiner Abreise aus Teheran war das Internet blockiert, ich konnte keine E-Mails versenden und auch nicht nach Hause telefonieren. Es war auch nicht mehr möglich, in die Stadt reinzukommen. Trotzdem glaube ich, dass die Demonstrationen weitergehen werden. Die Iraner wollen ihre Freiheit haben.



Sind Sie von der Entwicklung überrascht worden?

Man hat gemerkt, dass sehr viele Leute nicht mehr Ahmadinedschad als Präsidenten haben wollen. Zwei Tage vor der Wahl stand das Qualispiel gegen die Emirate in Teheran auf dem Programm. Vor dem Stadion gab es Straßensperren und strenge Zugangskontrollen. Es ging wohl die Angst um, die Partie könnte eine politische Demonstration mit vielen Anhängern in den Farben der Opposition werden. Schließlich war das Stadion fast halbleer, viele Leute kamen wegen der Kontrollen zu spät.

Als die Unruhen losgingen, waren Sie mit der Nationalmannschaft beim WM-Qualifikationsspiel in Südkorea. Wie war die Stimmung im Team?

Wir haben alle ständig Nachrichten auf CNN und BBC geschaut. Die politische Entwicklung war die ganze Zeit das große Thema. Eine schwierige Situation, denn für die Mannschaft ging es um die letzte Chance, sich für die WM 2010 zu qualifizieren. Am Ende hat das 1:1 in Südkorea nicht gereicht. Ein Grund war mit Sicherheit auch die Lage zu Hause im Iran. Das hat natürlich die Konzentration gestört.

In der Partie gegen Südkorea liefen einige Spieler mit grünen Tapebändern an den Handgelenken auf und demonstrierten damit ihre Solidarität mit den Anhängern des Reformers Mussawi.

Aus dem Betreuerstab wusste keiner etwas davon, ich auch nicht. Die Spieler haben sich am Abend vor der Partie auf dem Hotelflur getroffen und über eine mögliche Aktion gesprochen. Das war kurz vor Mitternacht. Mit solchen Gedanken sind sie vor der alles entscheidenden Partie ins Bett gegangen.

Gab es Unstimmigkeiten zwischen denjenigen, die sich an dem Protest beteiligten und denen, die nicht mitmachten?

Nein, da ist keine Missstimmung aufgekommen.

Nach der Pause kamen die Spieler ohne die Armbänder aus der Kabine. Wurde von den Verantwortlichen des iranischen Fußballverbandes Druck ausgeübt?

Soweit ich das mitbekommen habe nein. Die Spieler haben die Aktion in dieser Form beschlossen. Ich habe später gesehen, dass Demonstranten die Fotos von Spielern gezeigt haben, die die grünen Bänder trugen. Die Aktion hat den Menschen zu Hause auf jeden Fall viel Mut gemacht. Wohl aus Angst haben aber nur wenige, die im Iran spielen, wie Ali Karimi, mitgemacht. Wobei ich nicht glaube, dass diejenigen, die ihre Solidarität mit den Demonstranten ausgedrückt haben, in Gefahr sind. Zu groß ist die Popularität der Spieler im Land. Trotzdem, die meisten Träger eines grünen Bandes verdienen im Ausland ihr Geld. Die sind das westliche Leben gewohnt und möchten vorerst in Deutschland, England oder Spanien bleiben.


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