Die Geschichte der Fußballfans

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Die Geschichte der Fußballfans

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15.06.2009

Fans im Zeitalter der Dekadenz

Geld oder Liebe

Text: Dirk Gieselmann  Bild: Imago

94.000.000 Euro kostet der Fußballspieler C. Ronaldo. Eine perverse Summe, finden viele Fans. Dabei sind sie es, die das Geld ins System tragen. Und sie sind es auch, die den Hahn zudrehen können. Ein Vorschlag zum Boykott.

Fans im Zeitalter der Dekadenz - Geld oder Liebe


94.000.000. Neun. Vier. Null. Null. Null. Null. Null. Null. Vierundneunzig Millionen. Wie man es auch schreibt, dreht und wendet – die Summe, die Real Madrid für Cristiano Ronaldo an Manchester United überweist, sprengt die Vorstellungskraft. Plopp.

Versuchen wir, uns ihr ganz vorsichtig anzunähern, vielleicht passiert dann nichts: 94 Millionen kämen zusammen, wenn alle Einwohner der Philippinen je einen Euro in ein riesiges Sparschwein werfen würden. Nehmen wir an, jeder Philippino bräuchte zehn Sekunden, um die Münze in den Schlitz zu schieben und Platz für den Hintermann zu machen – dann würde dieser Prozess 30 Jahre dauern. 30 Jahre, fast so lange wie von der letzten Meisterschaft des 1. FC Köln bis heute. Netter Versuch: Aber auch das kann kein Mensch fassen.



Dürfen wir, die wir nach Sonderangeboten im Joghurt-Regal schauen, die wir froh sind, wenn wir mal einen vergessenen Groschen in der Jeanstasche finden und die wir einen achtstelligen Betrag aufgrund unseres Seins also gar nicht begreifen können, dürfen wir denn da überhaupt mitreden? Ja, wir dürfen.

Wir müssen sogar. Wir müssen uns aufregen über die dramatische Divergenz zwischen dem Klima der Depression, das die Wirtschaftskrise hervorruft, und dem Klima der Maßlosigkeit, das sich in den Chefetagen der europäischen Fußballklubs hält. Zwischen dem Arbeiter, der es sich nicht leisten kann, mit seinem Sohn ein Erstligaspiel zu besuchen, und den Profis, die es sich leisten können, mit dem Hubschrauber zum Training zu fliegen. Zwischen oben und unten. Zwischen uns und »denen«.

Mein Gott, man ist ja schon gezwungen, wie Lafontaine zu sprechen! Schlimm. Aber wenigstens meinen wir es ernst: 94.000.000, das ist zuviel, mit nichts mehr zu rechtfertigen. Schluss, aus. Aus! Hören Sie mich, Herr Top-Manager?

Wahrscheinlich nicht. Solange genügend Geld im System der europäischen Top-Vereine zirkuliert, wird sich kein Boss bemüßigt fühlen, die Transferbudgets auf ein ziviles Maß zu reduzieren. Ganz grundsätzlich sollten wir davon ausgehen, dass bestimmte Sicherungen hier schon seit langem durchgebrannt sind. Auf Skrupel zu warten hat sich als vergeblich erwiesen. Und auch die Verbandsfunktionäre werden – abgesehen von ein paar zerknirschten Interviews – der Dekadenz nicht Einhalt gebieten. FIFA-Präsident Joseph S. Blatter gab sogar lächelnd zu, er begrüße den Ronaldo-Transfer: »Die Leute wollen Stars.« Stars, das sind nach Blatter also Spieler, die wahnsinnig viel Geld kosten.

Bleiben die »Leute«, wie Blatter sie so herrlich volksnah nennt – die Fans. Sie sind es schließlich, die dem System stetig Geld zuführen. Erst wenn sie es unterlassen, besteht Hoffnung auf ein Gesundschrumpfen des Geschäfts. Doch wer macht mit?

Oliver Kreuzer, die Tennishalle, der Papst

Viele gähnen, sie sind müde. Sie sagen, die Diskussion, ob derart astronomische Zahlungen angemessen sind, habe einen Bart. Ändern werde sich eh nichts. Im Gegenteil: Immer schlimmer sei es geworden.

Tatsächlich wurde schon diskutiert, als Roger van Gool 1976 für eine Million Mark vom FC Brügge zum 1. FC Köln wechselte, die Diskussion begleitete 1984 auch Kalle Rummenigges Weg von München nach Mailand. Oliver Kreuzer, dem halbbegabten Vorstopper des Karlsruher SC, wurde 1991 selbst schwindelig, weil der FC Bayern fünf Millionen Mark für ihn zückte, und so ächzte er via »Sport Bild«: »Ich bin so teuer wie 'ne Tennishalle!« Als Gianluigi Lentini 1992 für 18,5 Milliarden Lire (9,6 Millionen Euro) von Torino Calcio an den AC Milan verkauft wurde, schaltete sich sogar der Vatikan ein und bezeichnete das Geschäft als »unanständig«.

Selten war man so d'accord mit dem Papst. Am Vorabend des Zusammenbruchs aller Maßstäbe hätten die Verbände die Chance gehabt, sich die Frage noch einmal laut zu stellen: Wie viel ist ein Tor wert? Wie viel ist eine Grätsche wert? Ein Einwurf? Und auch: Wie viel ist ein Mensch wert, wenn man schon für ihn zahlt? Eine abschließende Antwort darauf hätte es ja gar nicht gebraucht, man will die alten Herren von der FIFA schließlich nicht in die Sinnkrise stürzen. Die Einführung einer Obergrenze für Ablösesummen hätte schon gereicht.

Anfang des neuen Jahrtausends war es jedenfalls zu spät, eine Umkehr nicht mehr möglich. Die Transfersummen erreichten eine Größenordnung, die sich gänzlich abgekoppelt hatte vom sportlichen Wert eines Spielers. Das Geschachere war zu einer Sportart an sich geworden: Wer angelt sich den schillerndsten Fisch für den exzessivsten Preis? Profis wurden Statussymbole von Mogulen wie Berlusconi, Abramowitsch und Perez, vorgezeigt wie Villen, Yachten, Limousinen, Playmates.


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Kommentare

  • User
  • 12.06.2009 16:41:43 Geber

    Wie soll das mit der Deckelung des Kaufbetrages funktionieren? Wo soll dieser Betrag liegen? So hoch, dass sich auch Fortuna Köln den Spieler leisten kann? Wäre also für den abgebenden Verein uninteressant. So funktioniert die Marktwirtschaft. Schumacher hat einst 40 Millionen Euro pro Jahr verdient. Das Geld ist in der Formel 1 nunmal im Umlauf, wenn er es nicht bekommt, freut sich ein anderer. Man müsste vielmehr endlich eine Regelung finden, dass Vereine sich nur über Fußball (TV, Fanshops, etc.) finanzieren dürfen, und nicht von Präsidenten usw. Gelder in den Rachen gesteckt bekommen dürfen.

  • User
  • 12.06.2009 18:30:14 johannes1885

    hm, jetzt muss ich mich doch auchmal einloggen, um nen kommentar zu nem artikel abzugeben.

    eigentlich hatte ich diesen artikel nur als polemik gelesen, als stark überspitzter beitrag, um ne alte diskussion weiter zu befeuern.
    aber eigentlich greift das zu kurz.

    natürlich muss man sich fragen, wo das geld herkommt, wie es sein kann dass im "volkssport nr. 1" solche summen im umlauf sind. wie mein vorredner schrieb: es ist halt im umlauf, und wenns der eine nicht nimmt freut sich der andere.

    wo kommt das geld her? in der formel eins, z.b.? ferrari, west, petronas.

    im fussball? Ford, barclays, adidas.
    die zehn euro, die ich ausgebe wenn ich mir mal wieder n spiel vom ksc antue, die stecken doch nicht in "cr94". die 3,50 für mein bier auch nicht. da funktioniert der kresilauf doch ganz anders, die 3,50 gehen halt an die brauerei etc.

    das einzige, was mir bleibt wenn ich solche summen nicht unterstützen will, ist doch, keinen ford, keine adidas-klamotten, kein barclays-konto zu kaufen und damit die geschäftsidee, durch teures marketing die bekanntheit zu steigern, zu unterstützen.

    und was das beruhigende ist: ich muss mein knapp bemessenes budget nicht für sowas ausgeben. ich kann illegale streams, die öffentliche sportschau, die kostenlosen online-ausgaben von 11freunde, kicker etc. lesen. ich geb im jahr also maximal 100,- aus, weil ich mich für den sprot interessiere, das reicht völlig.
    oder gibt wirklich jemand von euch 90,- für nen real-trikot mit beflockung aus?


    p.s.: die diskussion, ob fussball wirklich ein frei verfügbares kulturgut sein sollte, hat doch uli h. vor ein paar wochen relativ erfolglos anzuzetteln versucht: 2€ extra-gez-gebühren, damit er mal wieder die cl gewinnen kann...
    naja, ich schweife ab, fazit ist doch, wie herr gieselmann richtig sagt: "wer das tut, darf sich nicht aufregen".
    in diesem sinne: mal wieder ins stadion schleichen...

  • User
  • 12.06.2009 18:50:00 lennyy

    Ist das jetzt noch Konsumkritik oder schon Publikumsbeleidigung? Stellt die 11Freunde die Bundesligaberichterstattung jetzt ein?

  • User
  • 12.06.2009 20:15:37 obervogelgesang

    eben, das ist doch das problem, dass schon seit längeren neben dem problem des "modernen fußballs" existiert:
    der fan ist doch nur der zahlende trottel. wenn ich mir vorstelle, dass adidas, nike & co. erstmal horrente summen zahlen, damit sie den jeweiligen verein überhaupt ausrüsten dürfen u man dazu noch mit dem trikot-sponsor als lebende littfass-säule rumrennt, ist es eine perverse abzocke, ein trikot für ca. 60euro zu kaufen.
    da schnapp ich mir doch lieber ein einfaches t-shirt u näh höchstens das vereinswappen drauf.

  • User
  • 12.06.2009 20:56:44 m4dd1n

    Na und ????? regt sich irgend einer auf wenn der dorfzirkus, einen euro mehr eintritt nimmt weil es diesmal 2 statt nur einen löwen zu sehen gibt ? geht da keiner hin, geht er pleite ...
    wer will denn jedes jahr die gleichen matches mit den gleichen trotteln sehen ? ich freu mich das wir 30mio für diego bekommen und wir mit einer veränderten truppe next saison antreten ... das macht doch den reiz au aus ....
    ich glaub auch das je erfolgreicher ein club is (real, manu etc) desto weniger fans sind wegen leidenschaft, tradition, hass/liebe im stadion. entertainment, werbeplattformen, sympathien das zählt bei vielen. und ja ich fands interessant ibrahimovic, beckham etc im weserstadion mal zu sehen. bezahlt hab ich um werder nach vorne zu schreien...

  • User
  • 12.06.2009 21:07:21 ZlatanSuperstar

    Was würde Real machen, wenn sie Ronaldo nicht für 94 Millionen kaufen? Das Geld an Hilfsprojekte in Afrika spenden? Natürlich nicht. Sie würden wahrscheinlich drei Spieler für 30 Millionen holen. Es liegt einzig und allein am zahlenden Zuschauer, diesen Trend sofort zu beenden. Gejammer über selbst verschuldete Zustände ist das Allerletzte. Solange die Masse den Boulevardmedien anheimfällt, die aus wohl verstandenem Eigeninteresse suggerieren, dass Fußball das Wichtigste ist und dafür sorgen, dass jedwedes Maß in der Behandlung dieses Zeitvertreibs verloren geht, wird daraus aber nichts.
    Und wenn Platini wirklich meinte, was er sagt, müsste er doch die Botschaft rausschicken: Leute, boykottiert Stadionbesuche, Trikotkäufe und unsere widerliche Champions League! Blatter findet das alles knorke, der steht wenigstens zu seiner Profitgier. Platinis Robin-Hood-Attitüde entlarvt ihn als peinlichen Hanswurst.
    NIEMAND wird etwas an der Situation ändern können. Außer den Fans. Und wenn die still weiter konsumieren, ohne der Situation gewahr zu werden, bleibt alles, wie es ist. Ganz einfach.

  • User
  • 12.06.2009 21:25:53 MarcRamone

    Die Summen werden zu astronomisch und lassen sich nicht mehr rechtfertigen. zu viel, ist zuviel. Gut finden kannman das nicht mehr. Auch wenn das die normalen Marktgesetze sind, man muss nicht alles tolerieren. Ich finde es scheiße, so richtig scheiße!

  • User
  • 12.06.2009 21:35:42 MarcRamone

    Da fällt mir noch folgendes ein:

    In CNN sah ich zufällig eine Reportage über diesen Transfer mit den CNN typischen Livezuschaltungen anderer Reporter, einem aus England und einer aus Südafrika. Die Südafrikanerin wurde gefragt, wie diese Transfersumme im Land der kommenden Fußball WM aufgenommen wurde. Sie sprach etwas von Verwunderung und Unfassbarkeit. Das was man erwarten konnte und auch hier so diskutiert wird. Das alles jedoch vor dem Hintergrund, dass sie in Südafrika wirklich zu knabbern haben z.B. an den Stadionbauten. Das Land hat viel investiert in die neuen Stadien, die so (überdimensioniert) wie sie gebaut werden, nach der WM nicht gebraucht werden. Vieles hat mit den FIFA Vorgaben zu tun. Da geht viel Geld für die Stadien drauf, wobei es gerade in dem Land für andere viel wichtigere Dinge dringend benötigt würde. Und dann so eine Summe für nur einen Spieler in Zeiten der Weltwirtschaftskrise?! Mit dieser Summe hätten locker ein Stadion gebaut...

    Nee, ihr lieben Beteiligten von Real Madrid, Manchester United und C. Ronaldo. Da habt ihr euch eine Vorlage geleistet die übel ist.

    P.S.:
    Auch Zidane war schon zu teuer. Das ist einfach astronomisch!

  • User
  • 12.06.2009 21:45:07 AbteilungAttacke

    Den vorherigen Kommentaren ist im Wesentlichen zuzustimmen. Wo die Macht der "Fans", mittelbar oder unmittelbar, sein soll, diesem Wahnsinn Einhalt zu gebieten, ist nicht ersichtlich, auch nicht aufzeigbar - denn diese Macht haben die Fans nicht.

    Bei Madrid im Besonderen ist zudem bedenklich, wie hochverschuldet der Verein ist und wieviel Kapital ihm dennoch von wem auch immer zur Verfügung gestellt wird.

    Dass Vereine ungestraft und ungehindert, vor allem in England und Spanien, mittlerweile Schuldenbilanzen und -mechanismen besitzen, die jeder Vernunft spotten ist der wahre Skandal.

    Zynisch gesprochen kennt man sowas sonst nur von öffentlichen Kommunen.

  • User
  • 13.06.2009 01:12:37 El Buitre

    Nicht ersichtlich?
    Ist doch völlig klar was der Fußballkunde tun kann:
    er geht nicht mehr hin!
    Er entzieht dem Ganzen seine Legitimität und das wars.

  • User
  • 13.06.2009 05:03:05 johannes1885

    hm, abteilungAttacke und ElBuitre,
    viel fällt mir dazu auch nicht ein, aber das der fan gar keine macht hat, das kann ja nicht wirklich stimmen, schließlich wird nur wegen den fans überhaupt irgendwo werbung geschaltet, die ja nun unbestreitbar den hauptposten im gesamten fußball-umsatz ausmacht. und was sind die fans? im ende auch konsumenten von produkten wie autos, lebensmitteln, klamotten, wasweißich.

    ich meine, die einzige möglichkeit, das abzuschalten, wäre, nur noch produkte zu kaufen, die nicht von ihren herstellern beworben werden, oder?!


    und, A-A, du hast mich mit den öffentlichen kommunen grad auf nen schlimmen gedanken gebracht.
    man hat ja vor tagen gesehen, wie leichtfertig die bundesregierung mit steuergeldern Opel "gerettet" hat.
    nun stellt euch mal vor, RealMadrid geht irgendwann pleite, oder sie erfüllten die auflagen des uefa-lizenzierungsverfahrens nicht, und die öffentliche hand fängt an, den verein wg. der großen lokalen und nationalen bedeutung, dem sportlichen vorbild, dem image-faktor etc. zu "retten".
    das wäre schlimm.
    je länger ich darüber nachdenke, desto realistischer halte ich dieses szenario.

  • User
  • 13.06.2009 08:50:37 Tzaduk

    Aber natürlich sind wir alle selbst schuld - und ändern können wir es auch nicht. Und jeder Rekord-Transfer wird immer und immer wieder für Aufregung sorgen. Ich finde allerdings den Trend dahingehend nicht gerade löblich, dass die Vereine kein eigenes Geld mehr haben, geschweige denn solche Summen. Das Geschrei nach Eingreifen der öffentlichen Hand hat J.-1885 da ganz richtig beschrieben, aber da halte ich es mit v. Guttenberg: Eine Insolvenz bietet auch Chancen. Real steht ja eigentlich nun schon lange bei irgendwem in der Kreide, in Italien hat eigentlich kein einziger Erstliga-Verein mehr Geld... wenn man hierzulande Porzellan oder H0-Eisenbahnen nach dem gleichen Prinzip verkaufte!!
    Aber sonst - wenn das Geld da ist, dann darf man es ausgeben, wofür auch immer. Wenn ich mir nen Plasmafernseher zulege, darf auch keiner meckern - nur meine Hausbank. Ich finde nur, dann sollte jeder Verein seinen Arne Friedrich (Spiel um den 3. Platz WM2006) haben, der den Herrn Ronaldo zur Wirkungslosigkeit verdammt. Der kostet nüscht im Vergleich und kocht die 94Mio-Diva nebenbei auch noch sauber ab. Und denn darf man mal genau hinsehen, ob der sein Geld wert ist.

  • User
  • 13.06.2009 11:11:46 de_henne

    Ein wirklich schöner Text, Kompliment an Herrn Gieselmann!

  • User
  • 13.06.2009 11:56:14 MarcRamone

    Ich denke der richtige Fan an sich ist fast schon machtlos. Da es überwiegend um die Einschaltquoten geht und die Zielgruppe nicht die Fans pro Mannschaft sind, sondern die unbeteiligten und neutralen oder neugierigen Zuschauer. Die ergeben die große Masse.

    Wenn ein Verein spielt, ist beim Heimspiel (egal, ob nationale oder interantionale Partie) im Stadion eine klare Mehrheit für die Heimmannschaft, aber vor dem TV nicht. Da gibt es eine riesige neutrale Masse.

    Wenn man davon ausgeht, dass es natürlich mehr Fans von einem Verein gibt, als ins heimische Stadion passen, so kommt man dann trotzdem nicht auf die Summe der Einschaltquoten.

    Die Macht liegt also bei den weniger involvierten.

    So nennt man dann wohl den Prozess ...
    they gonna take away the football from the people.

  • User
  • 13.06.2009 12:04:46 MarcRamone

    Da fällt mir gerade ein Einspruch zu meinem eigenem letzten Posting ein:-)

    Die Fans im Stadion sorgen letzten Endes dafür, dass ein Spiel etwas besonderes ist. Bleiben die weg, schauen auch die neutralen Zuschauer nicht mehr hin.

    Es leigt also doch an uns... puh.

  • User
  • 13.06.2009 12:15:03 AbteilungAttacke

    @ El Buitre

    J. 1885 bringt es auf den Punkt. Wir sind Konsumenten, nicht mehr, nicht weniger.

    Existiert eine theoretische Möglichkeit der Verweigerung ? Nicht nur der Fans, sondern vor allem der Zuschauer vor den Fernsehgeräten ? Sicher.

    Ist diese Möglichkeit realistisch ? Nein. Tausend Gründe sprechen dagegen, allein schon die mangelnde Homogenität der Fußballkonsumenten. Die meisten mögen mit dem Kopf schütteln ob der 94 Millionen. Aber im Grunde ihres Herzens ist es ihnen egal. Es juckt sie nicht. Alles was sie wollen ist, dass nächste Spiel im Fernsehen zu guckn, möglichst im Free TV, möglichst ein attraktives Spiel. Ich zähl mich übrigens zu dieser Gruppe, wenn auch aus einem gewissen Fatalismus heraus.

    Und wer Brecht oder Niemöller zitieren will, dem kann man Stalin entgegenhalten. Auch den Fußball betreffend will doch in Deutschland niemand den Rasen betreten. (hr hr, sogar doppeltes Wortspiel hr, hr)

  • User
  • 13.06.2009 12:16:38 AbteilungAttacke

    @ MarcRamone

    Traurig aber wahr, ich bin mir sicher, selbst wenn die Stadien leer blieben, gebe es genug Leute, die auc hso zuguckn. Vielleicht wäre Fußball dann nicht mehr in den jetzigen Dimensionen wirtschaftlich, aber immer noch genug, um Kohle damit zu verdienen.

  • User
  • 13.06.2009 13:36:05 Wer

    @AbteilungAttacke
    Es probiert ja aber keiner aus ;).

    Irgendwie vergessen einfach zu viele Leute, das diese ganze Fußballkiste immer noch einzig und allein eins ist: Theater.
    Das selbe Spiel wie in Hollywood, man erfindet Preise, man hängt zig Geschäfte dran, es gibt eigene Arbeitsbereiche nur dafür und man kleistert jede Menge Schichten drüber, nur damit eins vergessen wird: Es ist alles nur Theater. Es braucht ein Publikum. Vielleicht finanziert der Fan mit seinen Eintrittsgeldern nicht Ronaldo. Vielleicht tut das Nike. Aber wieso tut Nike das? Weil, w
    wenn Nike Christiano Ronaldo für Real kauft, dann kommen mehr Leute zu Real um Christiano Ronaldo zu sehen, und der trägt dann Nike Schuhe, und dann kaufen sie Nike, und deshalb geht Nike hin .und kauft ...
    Alles im Fußball findet, so gern das auch verleugnet wird, nur für den Zuschauer statt. Interessiert Fußball die Leute plötzlich nicht mehr, oder haben die Leute plötzlich genug von dem Irrsinn, dann bricht dieses ganze fantastische Geschäft über Nacht zusammen. Und zwar wirklich über Nacht. Rumms.
    Das die Fans glauben sie hätten keine Macht mehr, das ist das was man einreden will, damit sie es glauben.
    Davon abgesehen, und weil "die Leute" es vermutlich nicht schaffen werden, einfach mal nicht mehr hinzugehen wenn Real Madrid jetzt wirklich jede Grenze des zumutbaren überschritten hat, wäre es Aufgabe der FIFA das zu sanktionieren, einzuschreiten und die Obergrenze einzuiführen. Was übrigens nichts mit Plasmafernseherkäufen zu tun hat.

    Fantastischer Artikel, Herr Gieselmann, danke sehr!

  • User
  • 13.06.2009 15:22:05 Knuellebuff

    Ich persönlich finde auch, dass diese "perversen" Transfersummen etwas zu sehr ausufern, allerdings wäre es auch auch mal eine interessante Aufgabe durchzurechnen, ob sich das tatsächlich für einenn Verein lohnen würde, über - sagen wir mal - 5 Jahre. Neben dem Interesse der Spanier, die vermeintlich schillernsten Spieler nach Madrid zu holen, unterstelle ich dem Präsidenten, dass auch ein finanzieller Aspekt bei dem Transfer eine Rolle spielt, denn auch Einnahmen müssen getätigt werden.

    Was mich aber am meisten stört ist die wachsende sportliche Verzerrung im Wettbewerb, da sich Vereine für Unmengen an Summen neue Spieler holen, sich tief verschulden - zum Teil - und dann gegen Vereine antreten, die versuchen, rote Zahlen zu vermeiden, aber dann natürlich weniger "gute" Spieler haben. Da müsste man imho von Seiten der FIFA ansetzen. Diesbezüglich bin ich da einer Meinung mit U.Hoeneß, der das aus meiner Sicht zu recht auch angemahnt hat.
    Wiederum bin ich als Fan nicht bereit - und ich schaue mir gern Fußball an - diese Spirale mitzutragen und höhere Preise zu zahlen etc, damit sich Bundesligavereine mehr Geld anschaffen, um mit diesem Wahnsinn Schritt zu halten, um vermeintlich international konkurrenzfähig zu sein.
    Auch aus diesem Blickwinkel sollte man vielleicht mal das abschneiden deutscher Clubs im internationalen Vergleich betrachten.

  • User
  • 13.06.2009 17:31:15 johannes1885

    Ja, aus diesem Blickwinkel kann man sich CL-Spiele, wo ja nun fast jeder Verein so drauf ist, getrost in die Haare schmieren.

    Die Bundesliga ist spannend genug, Demba Ba hoffentlich keine 19MIO wert, und das Salz in der Liga-Suppe sind der DFB-Pokal und der UEFA-Cup...

  • User
  • 14.06.2009 01:14:31 MarcRamone

    Der Aussage von Uli Hoeness kann ich mich auch nur anschließen, dass es letzendlich Wettbewerbsverzerrung ist, was dort stattfindet. Derart abgestraft zu werden, wenn man finanziell gesund wirtschaft, ist schon seltsam.

    Die CL interessiert mich auch immer weniger bzw. interessierte mich noch nie so richtig. Das hängt natürlich auch mit der, ahm, geringen Teilnahme von Schalke zusammen... Anhänger vom FCB oder Werder sehen das bestimmt anders.

    Diese Geldaufwärtsspirale der Vereine die mittlerweile die CL Spitze darstellen, ist schon enorm. Dieser Ronaldo Transfer und die vorherigen, ob Zidane oder Beckham, völlig egal, sind der absolute Beleg.

    Die Geldmaschine läuft und wird überwiegend vom neutralen Publikum aufrechterhalten.

    Die BuLi ist qualitativ nicht gut, aber tatsächlich eine der spannendsten Ligen in Europa! Letzendlich gehts auch darum. Spanien hat ca. 45 Mio. Einwohner und die dürfen sich regelmäßig das Wechselspiel zw. Real und Barca anschauen. In England ist es der Dreikampf mit Man Utd., Chelsea und Arsenal. Liverpool kommt auch allmählig hinzu. Wobei hier in D ist es unterm Strich auch nicht viel anders. Ein großer (FCB) und 2 Verfolger (Werder, BVB) und zwei "Ausreißer" (Stuttgart, WOB) ergeben kein anderes Bild. Nur ist es jeweils wesentlich knapper und nicht mit so großen Punktevorsprüngen wie in Spanien oder Engand.

    Trotzdem erscheint die BuLi spannend und der Ronaldo Transfer ist zuviel des Guten.

  • User
  • 14.06.2009 03:59:42 balabala

    Was, bitte schön, Herr Gieselmann, ist denn eigentlich so schlimm daran, so sprechen zu müssen wie Herr Lafontaine?
    Sie genieren sich, Sie schämen sich, die Wahrheit angedacht zu haben, bevor Sie Ihren Artikel überhaupt zu Ende geschrieben hatten.
    Zensur entsteht im eignen Kopf.
    Wenn in fünf Jahren oder vielleicht (wahrscheinlich) schon früher Lukas Podolski für eine Milliarde €uro den Verein wechselt, hat dann die Weltwirtschaftkrise oder die Globalisierung die Bundesliga erreicht ? Nein, es war der Kapitalismus.

    Haben Sie endlich Mut, Herr Gieselmann, und denken Sie zu Ende.

  • User
  • 14.06.2009 16:08:02 S_L420

    Das Beste, das ich seit langer, LANGER Zeit gelesen habe...selbiges gilt fuer die Kommentare.

    Das mit Lafontaine ist mir auch aufgestossen, ansonsten aber TOP Artikel.

    Der Sohn meiner Freundin ist, z.B., auch so ein Fanboy...hat ca. 60 Tacken gezueckt, um ein Gomez Shirt zu erstehen. Hab' damals schon gesagt, was das fuer n Muell ist. Wollt ja keiner hoeren. Jetzt ist der zu den Bayern, hahaha.

    Naja, hoffe, er lernt was draus! ;)

    Und so gerne ich's auch haette, Premiere kommt nicht ins Haus, eben, hoert man 90elf, WDR2, wartet auch die Sportschau, streams mit unterirdischer Quali, was auch immer, aber in den Wahn wird von mir kein einziger Euro gesteckt!

    P.S.: Die Captchas sind Dreck!

  • User
  • 14.06.2009 17:52:11 monssolis

    Nur um der Korrektheit willen: Arne Friedrich hat Herrn C. Ronaldo mitnichten im WM-Spiel um Platz 3 im Jahre 2006 abgekocht, denn da gehörte er zu den Stammspielern, die geschont wurden, um den Reservespielern auch einen Einsatz zu gönnen. Bei der EM 2008 allerdings, da sah das Gel-Männchen in der Tat recht alt aus gegen den guten Arne.

  • User
  • 14.06.2009 18:25:29 monssolis

    "Wie Lafontaine sprechen" ist aber wirklich nichts Gutes. Da hat er Recht, der Dirk!

  • User
  • 14.06.2009 22:12:38 Kelle

    ich bin mir nicht sicher, was ich von diesen beiträgen halten soll. einerseits habe ich für solche romantischen ausritte ja eine sympathie und es wäre schon klasse, wenn im fußball einiges anders wäre.

    aber andererseits ist ein vernünftiger zustand doch schon lange, lange, lange vorbei. welchen zustand wollt ihr denn erreichen? welche summe ist noch normal? ist es nicht generell doof sich einen brasilianer nach leverkusen zu holen? sollte nicht bayern münchen aus einer ansammlung von münchnern und oberbayern bestehen?

    "brot und spiele" hat mal jemand gesagt und es ist genau das. auf der einen seite verlieren kirchen ihre bedeutung, und auf der anderen seite hängen die leute an genuschelten sätzen von franz beckenbauer.

    ich persönlich habe mir noch nie ein trikot gekauft und verachte dieses ganze mediale gelaber abseits des platzes. aber den regelmäßigen fußballkonsum möchte auch ich auf keinen fall missen! und damit bin ich teil des problems.

    "mein name ist kelle, und ich gucke fußball."

  • User
  • 14.06.2009 23:14:19 monssolis

    Die Grenze ist immer schwer zu ziehen. Der durchschnittliche Real-Madrid-Fan wird sich über den Transfer freuen. Wenn aber morgen Abramowitsch im Lotto gewinnt und ihnen die Spieler für 150 Mio. pro Beinpaar abjagt, werden dieselben Leute sicher auch mit dem Kopf schütteln (oder sich über das Geld freuen, das eventuell ihrem Verein neue Möglichkeiten eröffnet.

    Wenn meine Hertha für drei Millionen einen Spieler holt, ist das für kleinere Vereine auch immens und unvorstellbar. Ich selber freue mich wahrscheinlich über den neuen Spieler (wobei ich mich in der Regel mehr freue, wenn es einer aus der eigenen Jugend schafft oder so ein Transfer wie der von Max Nicu über Erwarten einschlägt) und schüttele bei den 94 Millionen den Kopf. Aber nur ein bisschen, denn jeder ist seines Glückes Schmied, und wenn dieser Spanier sein Geld dafür ausgibt - unbenommen. Ich darf ihn allerdings für einen Idioten halten - ebenfalls unbenommen. Wie will man das unterbinden, dass da einer Geld gibt. Gib mir 2 Milliarden, dann stecke ich auch 100 Millionen in Hertha (und investiere den Rest sinnvoller in Humanität, will ich hoffen). Und wenn ich das direkt nicht darf, dann werbe ich halt auf dem Trikot für 100 Millionen. Ätschibätsch.

    Will sagen: Markt muss hier erst mal Markt bleiben, aber eine Aufsicht muss her, die aufpasst, dass bestimmt Grenzen nicht überschritten werden in puncto Verschuldung, Marktmacht, Monopolstellungen etc.

  • User
  • 15.06.2009 17:21:37 Tzaduk

    Jahaa... richtig. Danke, Mr. Hellfish. Wenn es nach mir ginge, ist der Name auch kein Programm. Yves Eigenrauch hat Herrn Ronaldo Sen. ja auch dereinst so geärgert, dass er ein einziges Länderspiel machen durfte. Ich will nur sehen, wie Hr. Perez auf der Tribüne tobt, weil CR94 heulend vom Platz geht - und mit ihm 94Mio Euro... weil ein Sanchez, Miller oder Schmied ihm den Schneid abgekauft haben ;-)

  • User
  • 15.06.2009 17:45:52 monssolis

    Da bin ich ganz bei dir!

  • User
  • 08.07.2009 00:00:37 BOD

    Beckham die fußballerische Kompetenz abzusprechen zeugt nicht gerade von Sachverstand. Klar, er und seine Frau sind medien- und geldgeil, dekadent, eingebildet, aber trotzdem ändert dies nichts daran, dass er ein guter Fußballer ist.

    Ronaldo ist heute, genauso wie Zidane zu seiner Zeit, der beste (meinetwegen auch 2. beste) Fußballer auf den Planeten. Zidane hat in seiner ganzen Karriere übrigens auch nur einmal die CL gewonnen.

    Was den Preis angeht: Solange Ablösesummen erlaubt/tolleriert werden und jemand bereit ist soviel zu zahlen, ist CR den Preis auch wert. Das nennt man freie Marktwirtschaft oder wie böse Zungen "Kapitalismus".
    Hier sehe ich nur das Problem, dass die 94 Mio. weder Herrn Perez, noch dem Verein Real Madrid gehören. Dies ist doch u. a. das wirklich unethische daran.

    Das Problem ist doch eher, dass Gesellschaft, Medien, Fans, Vereine, Manager und Spieler Ablösesummen in Ordnung finden und akzeptiert haben. Ich bin strikt gegen solch einen Menschenhandel und für die Einhaltung von Verträgen. Spieler sollten die Vereine nur wechseln, wenn ihr Vertrag ausgelaufen ist. Problem gelöst - sogar ohne großen Boykott. Aber daran denkt natürlich keiner, damit hat sich jeder abgefunden...

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Ex-Leverkusener Torben Hoffmann über sein Eigentor gegen die Bayern


Rekordtorschützen in der U21

  • Pierre Littbarski (21 Spiele, 18 Tore)
  • Heiko Herrlich (20 / 17)
  • Benjamin Auer (23 / 15)
  • Mike Hanke (26 / 14)

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