Die Geschichte der Fußballfans

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05.06.2009

Englische Fans in Deutschland

Billigflieger in die Bundesliga

Text: Björn Goldmann  Bild: Imago

Englische Fans entdecken die deutsche Fußballlandschaft – und jetten zum Spieltag in die Bundesliga-Stadien. Dort finden sie Werte wieder, die sie in der heimischen Premier League längst verloren glauben. Wir sind mal mitgeflogen.

Englische Fans in Deutschland - Billigflieger in die Bundesliga


Er hat das komplette Programm durchlebt. Das Kribbeln in der Magengegend. Die schwitzigen Hände, die weichen Knie. Da wusste Christian Ratcliffe: Er war verliebt. Unsterblich. Auf den ersten Blick.



Sein Schwarm trug blau und weiß, hielt Bierflaschen in der Hand und grölte lautstark obszöne Fußballlieder. Doch als der junge Engländer die Fans des FC Schalke 04 an diesem 8. November erstmals erblickte, war er fasziniert, euphorisiert – verzaubert. Dem unspektakulären 2:0-Sieg der Königsblauen über den Karlsruher SC – dem schenkte der Fußballtourist kaum Beachtung. Gebannt beobachtete der junge Student das Geschehen in der Schalker Fankurve. Lauschte den Sprechchören, beobachtete die feiernden Zuschauer. »Die Fankultur in Deutschland ist mit der in England nicht vergleichbar. Bundesliga: Das ist Fußball, wie er einmal war«, sagt Ratcliffe.

»Fußball gehört noch den Fans«

Nürnberg, Dortmund, Mönchengladbach, St. Pauli. Immer mehr Engländer entdecken die deutsche Fußballlandschaft für sich und finden dort Werte wieder, die sie in der heimischen Premier League längst verloren glauben. Ratcliffe: »Hier in Deutschland habe ich noch das Gefühl, dass der Fußball den Fans gehört. Viele Deutsche mögen anders denken. Aber denen sage ich nur: Kommt nach England.«

»Chris« nennen sie ihn auf Schalke, und längst ist der 31-Jährige mit dem fremdklingenden Akzent einer von ihnen. Vor dem Spiel gegen Hoffenheim sitzt er im Hauptquartier der Schalker Fan-Initiative, trägt ein Schalke Trikot, eine Kappe mit dem S04-Logo und hat sich einen Schal um das Handgelenk gebunden. Um ihn herum diskutieren Fans die Aufstellung und immer wieder prostet Ratcliffe ihnen mit einem fröhlichen »Glückauf« zu.

Weit weg ist er in diesem Moment von England , von der Premier League und Klubs wie dem FC Liverpool, Manchester United oder dem FC Chelsea, die längst zur Spielwiese von Milliardären aus den USA und Russland geworden sind. Weit weg von Dauerkartenpreisen im vierstelligen Bereich, von Stadien, in denen es nur Sitzplätze gibt und es verboten ist, den Becher Bier mit auf seinen Platz zu nehmen. »Fußballfans werden in England als Störenfriede angesehen. Das ist hier anders. Schalke prägt eine Stadt, eine ganze Region. So etwas habe ich noch nie erlebt.«

Parallelen zwischen Leeds United und Schalke

»Yorkshire Schalker« nennen sich Ratcliffe und seine Freunde. Regelmäßig reisen sie ins Ruhrgebiet. Mit dem Billigflieger geht es von Leeds nach Düsseldorf, übernachtet wird im Hotel, gefeiert in der Nordkurve. »Entweder man ist Schalker, oder man hat wenig Sympathien für diesen Verein. Das ist wie in meiner Heimatstadt, wie bei Leeds United. Vielleicht hat mich Schalke deshalb so schnell in den Bann gezogen.«

Leeds - Partnerstadt Dortmunds


In den Bann gezogen sind mittlerweile auch viele von Ratcliffes Schülern. Deutsch und französisch unterrichtet er an einer Schule in Leeds, wird dort nur der »Schalke-Botschafter« genannt. Zahlen lernen seine Schüler beim Tippen der Bundesligaspieltage, gewinnt sein Verein, trägt Ratcliffe am nächsten Tag eine blau-weiße Krawatte.

Und als in Leeds – der Partnerstadt von Dortmund – vor einigen Jahren das Straßenschild des »Dortmund Square« gestohlen wurde, zählte er in seinem Freundeskreis zu den Hauptverdächtigen. »Ich war es nicht«, sagt Ratcliffe schmunzelnd. »Aber wirklich traurig, dass es weg ist, bin ich auch nicht.«


Der Westen@11Freunde




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Kommentare

  • User
  • 05.06.2009 12:21:17 der lenny

    In München darf man übrigens auch kein Bier mit ins Stadion nehmen. Aber in dem Scheißding muss man ja zum Glück auch nur einmal im Jahr spielen...ich vermisse das lieblos kahle Stadiongelände jedenfalls nicht...

  • User
  • 05.06.2009 12:47:03 adler1860

    Das ist aber nur bei den Bayern so. Bei den Löwen gibt´s da keine Problem ;-)

  • User
  • 05.06.2009 16:25:56 MarcRamone

    Ich fand den Artikel sehr interessant! Die Sichtweise von außen macht einem selbst erstmal bewusst was man hat (oder auch nicht). Überrascht bin als Schalker, dass demjenigen aus Leeds, England das ganze Vorabprogramm nichts ausmacht (es wird nicht erwähnt), also genau das was in 11FREUDNE ständig diskutiert wird und dem Fußball den Stempel des Eventcharakters aufdrückt.

    Zudem muss einem Engländer die falsche Spielweise, Stichpunkt Schwalben, doch völlig nerven. Ich sah in der letzten Saison ein Spiel (Bochum vs. Schalke) mit britischem Kommentar und der Kommentator meinte auch bei einigen Szenen, wo Spieler umfielen "It´s football and not table tennis". Woanders las ich ähnliches, im Heft When Saturday Comes (WSC) aus England stand ein Artikel drin, wo einer ein Spiel in Deutschland besuchte und fand dieses ewige Schalbenspiel auch sehr merkwürdig, vor allem die Akzeptanz der Zuschauer demgegenüber.

    Also sowohl Event als auch die Spielweise müssten eigentlich dem Engländer zuwider sein, aber er findet es auf Schalke prima. Sehr interessant.

    Mit Hinblick auf den Vergleich zwischen England und Deutschland bzgl. Finanzen und Clubbesitzer kann ich dessen Begeisterung für die BuLi jedoch verstehen.

    Auf jeden Fall finde ich den Blick von außen sehr interessant und reizvoll, mehr davon!

  • User
  • 05.06.2009 23:31:14 101

    Normale Fans kaufen ihr Bier auch im Stadion, Lenny.

  • User
  • 06.06.2009 11:49:13 dirknomotzki

    der lenny ist eben ein schwäbischer sparfuchs. der nimmt zu auswärtsspielen sein dinkelacker mit ins stadion, da er das dortige bier ned konsumieren möcht. frei nach dem motto: "was dr bauer ned kennt, frisst er ned!"

  • User
  • 06.06.2009 17:18:49 schiffkasten

    hey "der lenny", wodurch unterscheidet sich das schalker turnhalle gelände vom müncher geländer. das sind doch beider retortenstadien in der nähe der autobahn. schön ist echt etwas anderes.

  • User
  • 06.06.2009 20:55:45 MarcRamone

    Was Ort und Umfeld der Arena auf Schalke angeht, so geht es meiner Meinung nach in Ordnung. Es liegt direkt neben dem vorherigem, alten Parkstadion und somit direkt angrenzend an die Stadtteile Erle und Buer, aber nicht direkt in der Stadt wie z.B. in Bochum. Das ist schon britisch hoch drei in BO:-) Klasse. Andere Stadien wie in DO, K oder DU und auch HB liegen nicht im Zentrum, aber am Stadtrand. Beim Stadion in M stimme ich zu, dass es tatsächlich vor der Stadt liegt und es soll auch, so berichtete mir einer aus M, Diskussionen zw. Verein und Stadt gegeben haben, da die örtliche Gastronomie nun nicht mehr so stark einbezogen wird bei einem Spieltag in M. Das Olympiastadion war zentraler.

    Das mit dem "Retortenstadion" auf Schalke ist jedoch wieder eine Diskussion wert. Allerdings sprach ich mit Briten beim Spiel S04 gegen Manchester City und die waren hellauf begeistert von allem in und um Schalke bzw. Gelsenkirchen. Stadion, Stadt und Leute fanden sie klasse.

  • User
  • 07.06.2009 00:42:30 Gandalf

    Die warn halt dicke.

  • User
  • 07.06.2009 10:46:59 spreekicker

    hi lenny, der autor meinte zum thema bier, dass man immerhin noch mit dem mit allianzarenachips bezahlten allianzarenabecher wenigstens noch mit auf den von den logenbesuchern subventionierten sitzplatz nehmnen darf, glaube ich.

  • User
  • 07.06.2009 10:59:41 rulebritannia

    Ein Insulaner findet Schalke toll. Nun ja. Die Sonne scheint auch mal auf einen Hundearsch. Waehre der Billig-Bomber zu Lech Posen, IK Start oder den Vancouver Whitecaps geflogen haette er wohl dort den wirklichen Fussball gefunden. Andere Muetter haben eben auch schoene Toechter.

    Da ist auch nix dabei und es ist auch gut so. Ich will das Anekdoetchen auch nicht kritisieren.

    Aber wozu solche Texte? Sind die deutschen Fussballfans im Glauben an ihre Liga zu wenig selbst bewusst?

    ... Die deutsche Liga ist besser weil die Alkoholgesetzte lockerer sind, weil keine Mogule (ausgenommen der Teppichhaendler) die Klubs beherrschen, weil sie wirtschaftlicher gefuehrt werden ... blablabla ... was fuer ein Kaese

    da hat einer mal gesagt ... "wichtig is aufm Platz" ... und der hatte auch im Bezug darauf recht!

  • User
  • 07.06.2009 20:36:32 Ballanitis

    Welcher ortskundige Groundhopper behauptet denn da, das Westfalenstadion befinde sich am Stadtrand von Dortmund? Inne Großstadt sind vier U-Bahn-Stationen vom Hbf auch noch Innenstadt, direkt anne B1, watt mitten durch Dortmund fährt! So wie auch datt Ruhrstadion in Bochum anne B1 liecht, watt der Autor als superbrittisch goutiert. Naja. Direkt neben einem Männerwohnheim und gegenüber vonne Bereitschaftspolizei und Kirmesplatz. Brittisch? Das einzig brittische in Bochum ist, daß das Stadion auch noch neben dem Starlight-Express-Gelände liegt, und das ist von dem Engläder Andrew Lloyd-Wuppertal geschrieben. Apropos: In der Schwebebahnstadt muß man bergsteigen, um die Schüssel steigen zu können, von rechts droht der Abhang des Steinbruchs, welcher Landeplatz für das Stadion am Zoo war, in eben jenes zu stürzen, Tantalos läßt grüßen. Apropos Tante Käthe: In Leverkusen fabrizieren sie ja jetzt eine Good-Bay-Arena, die völlig an den Bedürfnissen dieses Regionalbahnhofes, der vorgibt, eine Stadt zu sein, vorbeigrößenwahnt. Das ist eher japanisch - siehe WM 2002 -, aber nicht brittisch.
    So, genug gealmdudelt. Apropos: Bielefeld hat vielleicht das brittischste aller (Fast-)Bundesligastadien: Die zusammengewürfelte Architektur (allein dieser Sitzplatzschnetz mitten in die Heimfansstehplätze!...) erinnert stark an ein durchschnittliches englisches Gebiß... liegt aber im Wohngebiet!

  • User
  • 08.06.2009 10:06:53 Matze_in_London

    Die Stimmung in deutschen Stadien ist um einiges besser als auf der Insel und die Preisdifferenz zwischen einer Karte fuer Arsenal, Chelsea, ManU (sofern man an eine ran kommt) und der Bundesliga kann einem schonmal einen Flug mit Ryanair oder easyjet finanzieren.

  • User
  • 08.06.2009 11:44:18 Flappen

    HEY. Ich finds super. Endlich mal ein Gegenpol zu der "In England ist alles besser"-Leier. Es wird zwar immer auf die komische Clubstruktur verwiesen, doch vom "Doppelpass" bis hierher hört man doch immer vom leuchtenden Vorbild der Insel. Schön, dass es auch mal anders rum geht.

  • User
  • 08.06.2009 18:06:35 MarcRamone

    Also gefühlt halte ich das Stadion in BO für "superbritisch", jawollja Ballanitis!

    Ich dachte mir schon, dass bei der Erwähnung von "Stadtrand" vielleicht einer "sein" Stadion falsch platziert sieht. Fest steht, es ist nicht im Zentrum oder mitten in einer Siedlung.

    In England sind auch nicht alle Stadien "mitten drin". Old Trafford von Man Utd. liegt ähnlich wie viele deutsche Stadien und das von Liverpool wie das von Dortmund oder, extra für dich Ballantis, wie das in Bochum!

    Aber so wie in Man City oder Arsenal London ihre Stadien haben, ist hier eher selten.

    Groundhopper bin ich bestimmt nicht, gebe ich zu. Ansonsten fand ich deinen Beitrag großartig, schon der erste Satz hat gesessen! Jetzt ganz ohne Scherz, musste gut lacheni:-)

    Bzgl. LEV:
    Die müssen anbauen, weil die ganzen Gästefans da einfach keinen Platz finden! Das ist ja grausam dort. Naja, ich fahre da eh nicht mehr hin, ich boykottieren diesen Ort komplett.

    Und ja, ich finde es auch mal gut zu hören, dass die BuLi mit Blick von außen gut wegkommt.

  • User
  • 08.06.2009 21:29:59 WSV666

    Der Steinbruch ist kein und war auch nocht niemals ein Steinbruch. Das ist der Zoo, daher auch der Name "Stadion am Zoo", verstehste? Der Berg, den man angeblich besteigen muss, ist für wuppertaler Verhälnisse auch eher pullalla!

  • User
  • 09.06.2009 17:25:26 Redondo71

    Bin mir jetzt nicht sicher, ob ein Nicht-Wuppertaler das Wort pullalla versteht;-) Aber ansonsten haste natürlich vollkommen recht!
    Das Stadion am Zoo ist ja wirklich ziemlich bescheiden und zudem teuer gewesen, aber seine Lage ist einmalig - und es hat Geschichte .

  • User
  • 10.06.2009 15:03:07 MarcRamone

    Bin nicht aus W und verstehe das Wort pullalla auch nicht. Bitte um Aufklärung!:-)

  • User
  • 10.06.2009 15:17:26 Redondo71

    Meint so viel wie "nicht der Rede wert", unbedeutend, einfach

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