Derby-Festwochen im Norden
Hamburger bei McWerder
Text: Oliver Bruns Bild: Imago
Werder Bremen schlägt den Hamburger SV viermal und versaut den Rivalen Meisterschaft, DFB-Pokal und Uefa-Cup. So, oder so ähnlich, erträumt es sich unser Gastautor Oliver Bruns dieser Tage.
Fans leben nicht nur ihre Liebe, sondern pflegen ebenso sorgfältig ihre Abneigung zur ausgewählten Konkurrenz. Und ganz oben auf der Liste der Anhänger von Werder Bremen steht natürlich der Hamburger SV.

In Hamburg träumen sie – nicht ganz unberechtigt – von drei Titeln: in der Meisterschaft noch gut dabei, Halbfinale im DFB-Pokal und Halbfinale im UEFA-Cup. Und genau das ist die große Chance für die Jungs von der Weser, sich ein für allemal bei den Hamburgern so richtig beliebt zu machen. Die glauben ja allen Ernstes, nur weil ab und zu irgend so ein Luxusdampfer im Hafen festmacht, sie seien etwas Besseres.
Mit doppelt Ketchup
Aber nächsten Mittwoch kegeln wir die Jol-Bande aus dem DFB-Pokal (im Elfmeterschießen hält Wiese den entscheidenden gegen Olic), dann schubsen wir sie aus dem UEFA-Cup (0:0 in Bremen und 1:1 in Hamburg, Eigentor Frank Rost, 92. Minute) und dann kommen sie noch einmal ins Weserstadion und können mit einer schicken Niederlage nach Hause fahren. Die Meisterschaft können sie sich damit abschminken – und wir haben zwei Finals zu spielen.
Welch ein Genuss, bei der nächsten McDrive-Durchfahrt in die Bestellvorrichtung hineinzuhauchen: »Einen Hamburger, bitte.« – oder noch viel besser: »Einen Hamburger Royal TS (=Thomas Schaaf), bitte. Mit doppelt Ketchup.« Dann wirkt es besser. Irgendwie blutig, das Ganze.
Gott Lob, hat Kollege Schaaf in Leverkusen schon mal eine taktische Änderung durchgeführt. Die berühmte Doppel-6 mit Frings und Baumann hat ihre Sache ganz ordentlich gemacht. In Udine wollte die Mannschaft dann so spielen, wie immer, und hat uns einen erstaunlichen Fernsehabend beschert. Das Spiel war lustig. So ähnlich wie unter der Woche die Partie Chelsea gegen Liverpool (4:4). Lachen können wir nur darüber, weil wir durch sind und das bessere Ende für uns haben. Weil wir unseren Beitrag geleistet haben zur UEFA-5-Jahreswertung. Weil wir jetzt die Hamburger-Wochen bei McWerder haben. Im Viererpack günstiger. Wenn es sein muss, mit doppelt Ketchup.
Wie die Lehmann-Brothers und sichere Festzinsanlage
Jetzt spielen wir uns erstmal in Berlin ein. Dort gewinnen wir. Und zwar nicht, weil wir so gut wären, sondern weil die Hertha mit ihrer vierten Niederlage in Folge endlich sicherstellen will, dass es mit der Meisterschaft bestimmt nichts wird. Das scheint ja auch so eine sorgfältig gepflegte Abneigung zu sein. Hertha und Meisterschaft passt zusammen wie die Lehmann-Brothers und sichere Festzinsanlage. Kaum stehen die mal oben, geben sie es brav wieder aus der Hand.
Spannend bleibt dabei, ob es Wolfsburg schafft, durchzuziehen. (HSV wird es ja eh nicht, siehe oben). Wenn es nicht doch am Ende mal wieder… Aber Nein! Das darf man noch nicht mal denken!!
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