»Ernsthaft bankrottgefährdet«
Profi-Fußball vor der Pleite?
Text: Wolfgang Pott Bild: Imago
Die deutschen Bundesliga-Vereine haben wegen ihrer konservativen Aufstellung infolge der Finanzkrise wenig zu befürchten. Dagegen stehen die Klubs in England, Spanien und Italien vor kaum zu beherrschenden Problemen.
Wolfgang Holzhäuser legte ein verschmitztes Lächeln auf, als er auf die kommende DFB-Pokalpartie zu sprechen kam. Viertelfinale, gegen Bayern München, wahrscheinlich vor ausverkauftem Haus, mit Live-Übertragung im Fernsehen zu bester Sendezeit. Und so rechnet der Geschäftsführer des Fußball-Bundesligisten Bayer 04 Leverkusen allein aus diesem Spiel mit einem Nettoertrag von bis zu einer Million Euro.
Eine ordentliche Summe in Zeiten, in denen die Finanzkrise grassiert und zahlreiche Unternehmen in arge Nöte geraten. Und Bayer Leverkusen, eingetragen als Gesellschaft mit beschränkter Haftung (GmbH), sowie die anderen 17 Bundesligisten agieren am Markt nicht anders als normale Firmen. Genau das könnte sie angreifbar machen in Zeiten der Krise.
Allerdings haben die deutschen Vereine gegenüber denen in England, Spanien und Italien in den vergangenen Jahren stets konservativ agiert, was ihnen in diesen schwierigen Monaten hilft. Staatshilfe für Bundesliga-Vereine? Holzhäuser winkt ab: »Für mich undenkbar in Deutschland«, sagt der Mann, dem ein ausgeglichener Haushalt über alles geht. Weswegen er in früheren Spielzeiten nicht selten von Anhängern des Vereins angefeindet wurde, was sich jetzt aber als weitsichtiges Handeln erweist.
Auch an Schalke geht die Krise nicht spurlos vorbei
»Alles, was mit Werbung zu tun hat, ist schwierig geworden«
Risikoreicheres Vorgehen warfen Branchenkenner eher den Revier-Vereinen Schalke 04 und Borussia Dortmund vor. Und tatsächlich räumt Schalkes Vorsitzender Josef Schnusenberg ein, dass die internationale Wirtschaftskrise auch an den Königsblauen nicht spurlos vorbeigehe. Doch Schnusenberg betont zugleich, dass Schalke sehr konservativ plane und alle Eventualitäten in die Planungen einbeziehe. Der Sponsorenvertrag mit dem russischen Gasriesen Gazprom jedenfalls läuft noch drei Jahre, »und wir gehen von einer Vertragsverlängerung aus«.
Nüchtern sieht es Hans-Joachim Watzke, Geschäftsführer der Borussia Dortmund GmbH Co. KGaA. Er glaubt, dass die Finanzkrise auch den BVB zumindest in abgespeckterer Form erwischt. »Alles, was mit Werbung zu tun hat, ist schwierig geworden«, erklärte Watzke kürzlich, ausgerechnet als er einen neuen großen Sponsor für die kommenden Jahre vorstellte.
»Es scheint Klubs zu geben, die ernsthaft bankrottgefährdet sind«
Die deutschen Fußball-Manager machen sich zuvorderst Gedanken, ob sie im kommenden Jahr denn noch all ihre teuren VIP-Logen verkauft bekommen. Wirklich Sorgen aber müssen sich andere machen, vor allem jene fremdgesteuerten Vereine in den weiteren großen europäischen Ligen. »Es scheint zahlreiche Klubs zu geben, die ernsthaft bankrottgefährdet sind«, gab zuletzt Bayern Münchens Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge mit Blick auf Fußball-Europa von sich. In Spanien sind es Vereine wie der FC Valencia, die stark fremdfinanziert sind. In Italien sind zahlreiche große Klubs in den Händen weniger Eigentümer. Sollten die mit ihren Unternehmen in Not geraten, kann dies auch existenzbedrohene Auswirkungen auf die Vereine haben.
In England etwa stehen viele Fragezeichen hinter der Zukunft des FC Chelsea, wo Michael Ballack unter Vertrag steht. Dem Vernehmen nach hat Chelsea-Finanzier Roman Abramowitsch durch die Wirtschaftskrise viel Geld verloren, weswegen ihm angeblich die Lust am Profifußball-Sponsoring verloren gegangen sein soll. Sollte er sich tatsächlich zurückziehen, würde er Schulden von bis zu einer Milliarde Euro hinterlassen, so wird gemunkelt. Beim Liga-Rivalen Manchester City dagegen pumpt derzeit der in Europa bislang unbekannte Öl-Scheich Mansour bin Zayed viel Geld in den Verein. 120 Millionen Euro wollte er für den Brasilianer Kaka bezahlen, der aber winkte ab.
Solche Szenarien sollten den deutschen Fußball-Managern zu denken geben, die gerade heftig über die Öffnung ihres Sports für Großinvestoren debattieren. Holzhäuser, der konservative Leverkusener Rechner, ist zwar für den Einstieg solcher Investoren, auch über die 50-Prozent-Hürde hinaus. Allerdings beharrt er auf vertraglich festgelegte, lückenlose Kontrolle dieser Geldgeber. Damit dürfen sich dann wiederum die Juristen der Bundesliga-Vereine auseinander setzen.






