Christiano Ronaldo: Weltfußballer des Jahres
Von ganz unten
Text: Holger Luhmann Bild: Imago
Mit 23 Jahren erreicht Cristiano Ronaldo, was nur wenigen Fußballern gelingt: Nachdem er schon zu Europas bestem Fußballer gewählt wurde, ist er nun auch Weltbester. Doch der Portugiese hat damit immer noch nicht genug.
Cristiano Ronaldo konnte froh sein, dass er überhaupt heil auf der Bühne des Züricher Opernhauses stand. In der Vorwoche hatte Portugals Superstar einen Autounfall unverletzt überstanden. Doch während sein Ferrari 599 GTB in Trümmern liegt, ist der exzentrische Stürmer von Manchester United bei der Wahl zum Weltfußballer 2008 mit 23 Jahren am bisherigen Höhepunkt seiner Karriere angekommen.
Der steile Aufstieg des vierten Kindes eines Gärtners von der Blumeninsel Madeira klingt ohnehin wie ein Märchen. Cristiano Ronaldo dos Santos Aveiro, benannt nach dem früheren US-Präsidenten Ronald Reagan und Lieblingsschauspieler seines Vaters, wuchs in einem schmuddeligen Viertel in Funchal auf. Sein Jugendhaus wurde als »Schandfleck für die Stadt« abgerissen.
»Ich habe mehr als alle anderen erreicht«
Dafür strahlt der Stern von Cristiano Ronaldo nun heller als je zuvor. Für den Iberer war der Fußball die Chance zur Flucht aus ärmlichen Verhältnissen. Mit drei Jahren trat er das erste Mal gegen einen Ball. Schon in der Grundschule war klar, dass er über ein begnadetes Talent verfügt. Mit elf Jahren ging Ronaldo in ein Jugendinternat von Sporting Lissabon, war todunglücklich und biss sich dennoch durch. Nach einem Spiel gegen Sporting überredeten United-Spieler Teammanager Sir Alex Ferguson im Flieger, den Wunderknaben zu verpflichten. Es begann der Aufstieg zum Superstar.
Das Jahr 2008 wurde für Ronaldo, der inzwischen in einer fünf Millionen Euro teuren Villa im Promi-Paradies Alderley Edge bei Manchester lebt, schließlich zum Triumphzug. ManU führte er zum Gewinn der englischen Meisterschaft, Champions League und Klub-WM. Einziger Wermutstropfen war das Scheitern im Viertelfinale der EM mit Portugal gegen Deutschland. »Ich habe diese Auszeichnung verdient. Wenn man sieht, was ich über die gesamte Saison geleistet habe, dann habe ich mehr als alle anderen erreicht«, erklärte der Angreifer gewohnt selbstbewusst.
Für Cristiano Ronaldo war die Krönung zum Weltfußballer als zweiter Portugiese nach Luis Figo 2001 die logische Konsequenz. Wie schon bei der Verleihung des Goldenen Balls als Europas Fußballer des Jahres trat Ronaldo mit 935 Punkten die Nachfolge des diesmal viertplatzierten Brasilianers Kaka vom AC Mailand (183) an. Argentiniens Olympiasieger Lionel Messi (FC Barcelona/678) und Fernando Torres (FC Liverpool/203) belegten die Plätze zwei und drei.
Für Ronaldo, dessen Vater 2005 gestorben ist und die Ehrung seines Sohnes nicht mehr miterleben konnte, ist es `einer der schönsten Tage für mich und die Familie´. Auf den Lorbeeren ausruhen will er sich künftig trotzdem nicht. »Ich werde weiter um 8 Uhr aufstehen. Ich will noch besser werden«, sagte Ronaldo.
Es klang wie eine Drohung in Richtung der Konkurrenz.





