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06.02.2012

Nach dem Beckham-Platzverweis: 25 Dinge über Schiedsrichter

»Doch, das kann ich!«

Text: Philipp Köster  Bild: Imago

Muss man auch erstmal schaffen: Bei einem Jugendspiel die Rote Karte bekommen. David Beckham hat es geschafft. Was tun wir in solchen Fällen? Genau, erinnern mit unseren 25 Dingen über Schiedsrichter an die kuriosesten Szenen der Unparteiischen.

Nach dem Beckham-Platzverweis: 25 Dinge über Schiedsrichter - »Doch, das kann ich!«


Großartig: Weil ihm der Platzverweis gegen ein Kleinkind bei einem Jugendmatch nicht passte, protestierte David Beckham beim Schiedsrichter. Der zeigte sich durchaus humorlos – und verwies den Superstar des Feldes. Beckham musste für den Rest des Spiels die Anlage verlassen, erst als sein Sohn Romeo im anschließenden Spiel auflief, durfte Beckham wieder aufs Feld. »Ich habe bei einem jüngeren Jahrgang von Romeos Klub zugeschaut, als es einen Elfmeter gab«, so die Beschreibung des Tathergangs von Beckham selbst, »die Jungs sind sieben Jahre alt, und da hat der Schiedsrichter den Spieler runtergeschickt. Ich sagte: Kommen Sie schon, der ist sieben, Schiedsrichter, den können Sie doch nicht vom Platz stellen!« Der Referee habe geantwortet: »Doch, das kann ich!«
Dumm gelaufen, für uns allerdings die perfekte Steilvorlage um an die beliebten »25 Dinge über Schiedsrichter« zu erinnern.



1

Lothar Woelk kennt man als grobschlächtigen Aufräumer. Durchaus sensibel half der Bochumer Woelk allerdings Schiedsrichter Markus Merk bei seiner Premiere in der Bundesliga. Als Merk von Fotografen belagert wurde, raunzte der bärtige Woelk die Meute an: »Jetzt macht mal Platz, wie soll der Junge hier ein Spiel pfeifen.« Das half.

2
Merk wurde später selbst zum Therapeuten. In einem Spiel hatte er den zeternden BVB-Coach Matthias Sammer wegen Motzerei auf die Tribüne geschickt, als er wenig später schon wieder auf den erzürnten Dortmunder Trainer traf. Ihn abermals des Platzes zu verweisen, war keine Lösung, also entschied Merk: »Leihe ihm einfach dein Ohr.« Also durfte Sammer im Zwiegespräch all das loswerden, was ihn bedrückte. »Danach setzte er sich auf die Trainerbank und 80 Minuten hörte ich nichts mehr von ihm.« Was Sammer mitzuteilen hatte? Merk: »Ich habe kein Wort verstanden.«

3
Wolf-Dieter Ahlenfelder und seine zu früh abgepfiffene Halbzeit sind längst Legende. Aus einem Interview mit der »Hessischen Allgemeinen«: »Damals spielte der Höttges noch in Bremen. Er sagte zu mir: ›Schiri, das kann nicht sein. Mein Trikot ist noch nicht nass.‹ Ich habe gesagt: ›Her mit dem Knicker – und habe Schiedsrichterball gegeben.‹ Die ›Bild‹ hat gefragt, was ich getrunken hätte, und ich antwortete: ›Eine Kiste Bier und eine Flasche Asbach.‹ Da war der Bock fett, auch wenn einige gemerkt haben, dass ich scherze.«

4
Weniger glimpflich ging die Trunkenheit an der Trillerpfeife für den Schweizer Urs Meier aus. Der hatte in der Nacht vor dem Aufstiegsspiel zur Dritten Liga zwischen Fislisbach und Villmergen anlässlich der Einweihung einer Mehrzweckhalle gezecht, mit Restalkohol im Blut ging alles schief: »Ich verlor die Übersicht und übersah mehrere Handspiele im Sechzehner.« Die Villmerger nahmen direkt nach dem Schlusspfiff Meier in die Zange. Der spurtete erst zur Eckfahne, dann zum Parkplatz, sprang in seinen VW Käfer und raste davon.

5
Als der langjährige FIFA-Schiedsrichter Knut Kircher einmal Oliver Kahn verwarnen musste, rief er eingedenk der Kahnschen Beißattacke gegen Heiko Herrlich schon von weitem: »Herr Kahn, ich zeige Ihnen jetzt die Gelbe Karte. Bitte nicht beißen.« Da musste sogar Kahn lachen.



Aus Heft #86 01/2009

Die 50 kantigsten Charaktere


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Kommentare

  • User
  • 07.02.2012 12:37:15 Ballanitis

    Rhetorik ist schon ein feines Fach. Man adelt einen erratischen, ja enigmatischen Satz ohne Begründung als weise, schon sind die Gerechtigkeitsfanatiker, die dem Fußball etwas von dem archaischen Geplänkel nehmen wollen, als Kleingeister denunziert, die den tieferen philosophisch-anthropologischen Kern des Fußballs einfach nicht erkennen wollen: das Ankämpfen gegen Windmühlen, das Zweifeln, das Verzweifeln, der Trotz des Prometheus, die List des Odysseus, der Hang zu kontrafaktischen Dystopien, in denen Frankfurt 1992 doch Meister geworden wäre usf. Dies, so soll suggeriert werden, ist doch die Würze des Spiels. Und das mochte auch stimmen, als es noch nur ein Spiel war. Wer das wirtschaftliche Argument, es gehe u.U. um viele Millionen, nicht mehr hören mag, soll eben Trauer ob der sportlichen Verzerrung im Zeitalter der technischen Überprüfbarkeit aufbringen, die das Spiel wenn schon nicht zum Rechtsgegenstand, so doch mindestens zum Gegenstand der Rechthaberei gemacht hat.
    Dass faktisch der Videobeweis durch die Sender nachträglich doch geführt wird und es in die Willkür des Kommentators gestellt ist, den Fehler als verzeihlich oder nicht anzusehen, sollte zu denken geben. Der Begriff der Fehlentscheidung ist ohne die faktische Existenz der möglichen Beweismittel und ihre ebenso faktische Auswertung ja gar nicht denkbar. Wenn es die Mittel gibt und sie ohnedies kulturprägend ausgewertet werden, dann sollte dies direkt an der Quelle durch die zuständige Instanz, den Schiedsrichter, geschehen.
    Als Parallele mag das Rechtsstaatprinzip dienen, das bildlich den Videobeweis und ganz wörtlich die Zeitlupe darstellt. Es würde ja kein Satz als weise hingestellt, der lautete: "Festnahmen, die ungeprüft zu sechsmonatigen Gefängnisstrafen führen, sind das Kostbarste, das die Polizei dem Rechtsstaat geben kann." Wenn man dem Fußball eine existenzialistisch-philosophische Tiefe beimessen möchte, kann man auch die polito-philosophische Facette betonen, wenn die reine Spielebene verlassen wird, wenn für die erhabene Melancholie des Benachteiligtwerdens kein Platz mehr ist. Es braucht beim Profifußball eine Gewaltenteilung. Der Schiedsrichter auf dem Platz stellt die primäre Ordnungsinstanz dar, aber seine Entscheidungen müssen überprüfbar und anfechtbar gemacht werden, indem das Gericht, i.e. die Superzeitlupe, bemüht wird. Das geht binnen Sekunden, und wie im richtigen Leben kommen die Romantiker immer noch auf ihre Kosten, weil es immer einen letzten Rest der Beweislosigkeit gibt, der nicht an die Maschine delegiert werden kann und der dann nach bestem Wissen und Gewissen entschieden werden muss. Dazu muss der Schiedsrichter aber in den Stand des besten Wissens gesetzt werden. (Hier hinkt natürlich der Vergleich mit der Gewaltenteilung, da die Entscheidung, zumindest in der ersten Instanz, wieder auf den Schiedsrichter zurückfällt. Allerdings steht der Anfechtung beispielsweise roter Karten ja tatsächlich der Weg vor die DFB-Gerichtsbarkeit offen, hier ist also die nachträgliche Überprüfung erstinstanzlicher Maßnahmen schon lange Praxis.)

    Ich hätte es mir auch leichter machen können und einfach auf die vielen anderen Sportarten verweisen können, die vom Videobeweis geschützt, nicht ruiniert werden. Aber man labert halt gern, ne? Menschlich.

  • User
  • 07.02.2012 16:07:15 Yvy

    Ah, wieder einer, der gerne Journalist geworden wäre und sich jetzt auf diesem Wege anb... äh, versucht, auf sich aufmerksam zu machen

    adeln => steht alleine. "adeln als" gibts nicht.

    O Gott, bei der Fehlerkorrektur würde ich morgen noch dasitzen

  • User
  • 07.02.2012 18:50:55 currygoi

    Ah, wieder einer, der gerne Korrektor geworden wäre und sich jetzt auf diesem Wege anb... äh, versucht, auf sich aufmerksam zu machen

  • User
  • 08.02.2012 19:00:43 Indistan

    Ah, wieder einer, der gerne Satiriker geworden wäre und sich jetzt auf diesem Wege anb... äh, versucht, auf sich aufmerksam zu machen.

  • User
  • 09.02.2012 01:02:04 AntiMöller

    Ej, Berlin ist gerade plakatmäßig mit dem überlebensgroßen David Beckham in Unterhosen zugepflastert! Er ist überall!
    Er ist
    THE BLOB!!!

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