Nach dem Beckham-Platzverweis: 25 Dinge über Schiedsrichter
»Doch, das kann ich!«
Text: Philipp Köster Bild: Imago
Muss man auch erstmal schaffen: Bei einem Jugendspiel die Rote Karte bekommen. David Beckham hat es geschafft. Was tun wir in solchen Fällen? Genau, erinnern mit unseren 25 Dingen über Schiedsrichter an die kuriosesten Szenen der Unparteiischen.
Großartig: Weil ihm der Platzverweis gegen ein Kleinkind bei einem Jugendmatch nicht passte, protestierte David Beckham beim Schiedsrichter. Der zeigte sich durchaus humorlos – und verwies den Superstar des Feldes. Beckham musste für den Rest des Spiels die Anlage verlassen, erst als sein Sohn Romeo im anschließenden Spiel auflief, durfte Beckham wieder aufs Feld. »Ich habe bei einem jüngeren Jahrgang von Romeos Klub zugeschaut, als es einen Elfmeter gab«, so die Beschreibung des Tathergangs von Beckham selbst, »die Jungs sind sieben Jahre alt, und da hat der Schiedsrichter den Spieler runtergeschickt. Ich sagte: Kommen Sie schon, der ist sieben, Schiedsrichter, den können Sie doch nicht vom Platz stellen!« Der Referee habe geantwortet: »Doch, das kann ich!«
Dumm gelaufen, für uns allerdings die perfekte Steilvorlage um an die beliebten »25 Dinge über Schiedsrichter« zu erinnern.
1
Lothar Woelk kennt man als grobschlächtigen Aufräumer. Durchaus sensibel half der Bochumer Woelk allerdings Schiedsrichter Markus Merk bei seiner Premiere in der Bundesliga. Als Merk von Fotografen belagert wurde, raunzte der bärtige Woelk die Meute an: »Jetzt macht mal Platz, wie soll der Junge hier ein Spiel pfeifen.« Das half.
2
Merk wurde später selbst zum Therapeuten. In einem Spiel hatte er den zeternden BVB-Coach Matthias Sammer wegen Motzerei auf die Tribüne geschickt, als er wenig später schon wieder auf den erzürnten Dortmunder Trainer traf. Ihn abermals des Platzes zu verweisen, war keine Lösung, also entschied Merk: »Leihe ihm einfach dein Ohr.« Also durfte Sammer im Zwiegespräch all das loswerden, was ihn bedrückte. »Danach setzte er sich auf die Trainerbank und 80 Minuten hörte ich nichts mehr von ihm.« Was Sammer mitzuteilen hatte? Merk: »Ich habe kein Wort verstanden.«
3
Wolf-Dieter Ahlenfelder und seine zu früh abgepfiffene Halbzeit sind längst Legende. Aus einem Interview mit der »Hessischen Allgemeinen«: »Damals spielte der Höttges noch in Bremen. Er sagte zu mir: ›Schiri, das kann nicht sein. Mein Trikot ist noch nicht nass.‹ Ich habe gesagt: ›Her mit dem Knicker – und habe Schiedsrichterball gegeben.‹ Die ›Bild‹ hat gefragt, was ich getrunken hätte, und ich antwortete: ›Eine Kiste Bier und eine Flasche Asbach.‹ Da war der Bock fett, auch wenn einige gemerkt haben, dass ich scherze.«
4
Weniger glimpflich ging die Trunkenheit an der Trillerpfeife für den Schweizer Urs Meier aus. Der hatte in der Nacht vor dem Aufstiegsspiel zur Dritten Liga zwischen Fislisbach und Villmergen anlässlich der Einweihung einer Mehrzweckhalle gezecht, mit Restalkohol im Blut ging alles schief: »Ich verlor die Übersicht und übersah mehrere Handspiele im Sechzehner.« Die Villmerger nahmen direkt nach dem Schlusspfiff Meier in die Zange. Der spurtete erst zur Eckfahne, dann zum Parkplatz, sprang in seinen VW Käfer und raste davon.
5
Als der langjährige FIFA-Schiedsrichter Knut Kircher einmal Oliver Kahn verwarnen musste, rief er eingedenk der Kahnschen Beißattacke gegen Heiko Herrlich schon von weitem: »Herr Kahn, ich zeige Ihnen jetzt die Gelbe Karte. Bitte nicht beißen.« Da musste sogar Kahn lachen.
Aus Heft #86 01/2009





