Grönlands Nationaltrainer im Interview
»Nur Schafe haben Rasen«
Interview: Dirk Gieselmann Bild: Imago
Hierzulande bejubeln die Kinder jede Schneeflocke, in Grönland ist der Winter Alltag. Bloß: Wie kickt man auf Eis? Wir sprachen mit Nationalcoach Jens Tang Olesen über Sandplätze, Winterspeck und 100 Wörter für Schnee.
Herr Olesen, wie war der Sommer in Grönland?
Oh, danke der Nachfrage. Er war ganz okay – viel Sonne für unsere Verhältnisse, und es hat nur alle zwei Tage wie aus Eimern geregnet.
Erzählen Sie uns vom größten Spiel, das Grönland letzten Sommer gesehen hat.
Ich denke, das war das Finale zwischen B-67 Nuuk und K-33 Qaqortoq in der nationalen Meisterschaft. Ein rassiges Spiel vor 1600 Zuschauern – in einer Stadt, in der gerade mal 3800 Menschen leben.
War das Gras auch schön grün?
Nein, leider nicht. Der Platz bestand aus Sand und Steinen. Einzig die Schafe haben hier Rasen zur Verfügung.
Jetzt ist der Winter angebrochen. Man sagt, die Grönländer hätten 100 verschiedene Ausdrücke für Schnee. Welche Art von Schnee haben Sie dieses Jahr schon gesehen?
Da muss ich passen. Davon habe ich zwar gehört, aber als gebürtiger Däne habe ich keine allzu tiefen Einblicke in die regionalen Dialekte. Ich würde sagen, was sich hier vor meinem Fenster gerade abspielt, ist Graupel.
Spielen Sie denn auch auf Schnee?
Nein, wir weichen in die Halle aus. Nur auf dem Dorf, wo es keine Hallen gibt, spielen die Leute auch im Schnee. Die sind auch entsprechend hart gesotten.
Haben Sie Weihnachten mit Ihrem Team gefeiert?
Nein, leider nicht. Meine Spieler leben so weit auseinander, dass es unmöglich ist, sie alle zusammen zu trommeln. Ich habe sie letztmals Anfang Oktober im Trainingslager gesehen und jetzt erst wieder im Juni, wenn wir wieder draußen trainieren können.
Wie hoch ist das Risiko, dass Ihre Spieler bis dahin an Gewicht zulegen?
Sehr hoch! Sie lieben gutes Essen, gerade zu Weihnachten und in den Monaten danach schaufeln sie ordentlich was rein.
Grönland möchte unabhängig von Dänemark werden. Ist das die Chance für Ihren Fußballverband, endlich von der FIFA anerkannt zu werden?
Das hoffen wir sehr. Momentan leben wir zwischen Baum und Borke. Gerade haben wir 400.000 Dollar Hilfsgelder von der FIFA bekommen, um einen neuen Platz mit Kunstrasen in Qaqortoq in Süd-Grönland aufzubauen. Das war ein wichtiges Zeichen des Respekts für den Fußball in Grönland. Vielleicht ist es auch ein Vorzeichen für eine Mitgliedschaft. Drücken Sie uns bitte die Daumen!





