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19.11.2008

Bastian Schweinsteiger im Interview

»Schweini passt nicht mehr«

Interview: Stefan Hermanns und Michael Rosentritt  Bild: Imago

Bastian Schweinsteiger ist erwachsen geworden. Auf dem Platz und auch daneben. Wir sprachen mit ihm über sein Boygroup-Image, sein Verhältnis zu Kanzlerín Angela Merkel und das Länderspiel gegen England.

Bastian Schweinsteiger im Interview - »Schweini passt nicht mehr«


Herr Schweinsteiger, neuerdings wird in den Medien überaus positiv über Sie berichtet. Was läuft da schief?

Schief läuft gar nichts. Ich glaube nur, dass ich jetzt nach meinen objektiven Leistungen beurteilt werde, nicht nach den allgemeinen Erwartungen.



Wie meinen Sie das?

Man hat mich immer etwas anders, strenger gesehen als andere junge Spieler. Lukas Podolski geht es doch genauso. Bei uns sind die Erwartungen von außen immer noch ein Stückchen größer, und es ist nicht immer leicht, dem gerecht zu werden. Umgekehrt erhöht das den Reiz, bessere Leistungen zu bringen.

Haben Sie dieses Poldi-Schweini-Image manchmal als Fluch empfunden?

Fluch ist vielleicht das falsche Wort, aber wir waren für die Medien wahrscheinlich ein gefundenes Fressen: Wir waren jung, als wir 2004 vor der EM zur Nationalmannschaft gekommen sind, hatten fast den gleichen Werdegang. Dabei sind wir unterschiedliche Typen und müssten eigentlich auch unterschiedlich bewertet werden. Die Leistung des einen wurde aber immer mit der des anderen verbunden. Das hat uns beiden nicht so gefallen.

Sie standen sinnbildlich für einen Erneuerungsprozess im deutschen Fußball.

Das war uns anfangs nicht bewusst. Wir waren einfach nur glücklich, als wir im letzten Vorbereitungsspiel vor der EM 2004 gegen Ungarn von Rudi Völler eingewechselt wurden und mitspielen durften. Ich war total überrascht, dass es so schnell ging. Dann kam das neue Trainergespann Klinsmann/Löw, und wir waren die Symbolfiguren für den Umschwung. Irgendwie standen Poldi und ich für den Neuanfang mit vielen jungen Spielern. Wir waren ja auch wirklich die Ersten.

Hat es Sie geärgert, dass Ihnen nie das Privileg der Jugend zugestanden wurde, auch mal Fehler machen zu dürfen?

Ich wollte nie nach meinem Alter beurteilt werden, sondern nach meiner Leistung. Wenn früher jemand zu mir gesagt hat, du bist ja noch jung, hat mich das nie interessiert. Es ist doch egal, ob du 18 oder 28 bist, es zählt nur die Leistung.

Jetzt sind Sie 24 und verkehren regelmäßig mit der Bundeskanzlerin. Haben Sie eine besondere Beziehung zu Angela Merkel?

Was verstehen Sie unter besonderer Beziehung? Unsere zwei, drei Zusammenkünfte waren ja fast immer Zufälle, im Sommer bei der EM zum Beispiel. Nach der Roten Karte gegen Kroatien saß ich beim Spiel gegen Österreich oben auf der Tribüne. In der Halbzeit will ich runter zu den Jungs in die Kabine, und plötzlich steht da die Frau Bundeskanzlerin und streckt mir die Hand entgegen.

Sie hat Sie aufgehalten?

Sie stand plötzlich vor mir. Da bleibt man halt stehen, sagt freundlich Hallo und redet mit ihr. Was ich faszinierend finde: Sie hat wirklich Ahnung vom Fußball, sie hat unser Spiel gegen Österreich absolut treffend analysiert: Wieso spielen wir denn nicht mehr über die linke Seite, da ist doch so viel Platz für den Herrn Lahm? Genau das Gleiche habe ich auf der Tribüne auch gedacht. Der Philipp hatte wirklich sehr viel Platz, wir hatten ihn ein wenig vergessen.

Und dann sind Sie in die Kabine und haben gesagt: Hört mal, die Bundeskanzlerin hat gesagt …


Nein, natürlich nicht.

Sie haben Merkels Beobachtung als Ihre eigene ausgegeben.

Genau!



Tagesspiegel@11Freunde


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