Neu hier? Alle Infos zu 11Freunde Community

Ruud van Nistelrooys schwere Verletzung

Als die Fabrik still stand

Text: Alex Raack  Bild: Imago

Er war schon fast Sportinvalide, doch Ruud van Nistelrooy ist wieder da. Kurz nach seiner schweren Knie-Verletzung vor gut einem Jahr verfassten wir einen Abgesang auf den Weltklasse-Torjäger. Weint mit uns.

Ruud van Nistelrooys schwere Verletzung - Als die Fabrik still stand


»Van the man«, »die Torfabrik« oder einfach nur »Ruud«: Dem Niederländer Rutgerus Johannes Martinus van Nistelrooij hat man während seiner nunmehr 15 Jahre währenden Karriere schon viele Spitznamen verpasst. Wie auch immer man den 32-Jährigen nennen will, unbestreitbar bleibt die Tatsache, dass Ruud van Nistelrooy einer besten und torgefährlichsten Stürmer des vergangenen Jahrzehnts war und ist. 262 Tore (Pokalwettbewerbe nicht mitgerechnet) für seine Vereine, und 33 Treffer im Nationalteam sprechen eine deutliche Sprache. Jetzt hat sich der Stürmer schwer am Knie verletzt und wird vermutlich neun Monate ausfallen. Es bleibt die Frage: Kann Ruud van Nistelrooy danach noch einmal angreifen?

Anzeige



»Im Fußball-Lexikon müsste unter dem Begriff Strafraumspieler ein Bild von ihm stehen«, fordert England-Korrespondent Raphael Honigstein, der für verschiedene deutsche Zeitungen (u.a. Süddeutsche, Tagesspiegel) von den Entwicklungen in der Premier League berichtet. Fünf Jahre spielte van Nistelrooy für Manchester United, schoss sagenhafte 150 Tore in allen Wettbewerben und tatsächlich nur ein einziges außerhalb des Sechzehners. Während sich mit den Rooneys, Christiano Ronaldos und Robinhos die neue Generation der Mittelfeld-Stürmer etablierte, pfeilschnelle Explosiv-Angreifer, die erst bei überfallartigen Kontern und Mittelfeldüberbrückungen ihre ganze Qualitäten ausspielen, blieb sich van Nistelrooy seiner Linie treu. Ein klassischer Mittelstürmer, von Flanken und Steilpässen im höchsten Grade abhängig. Sein Betätigungsfeld lässt sich zu 80% auf den Bereich knapp 25 Meter vor dem Tor einschränken.

Knochenharte Verteidiger wanden sich wie quengelnde Kinder

Ein Wellenbrecher sei er für die kommenden neuen Spielsysteme, bemängeln seine Kritiker, doch »Van the Man« hatte stets die beste aller Antworten für einen Stürmer parat: Er traf das Tor. Und zwar in so beängstigender Regelmäßigkeit, dass sich die Öffentlichkeit nur noch mit der Ausflucht helfen konnte, van Nistelrooy sei kein Fußballer aus Fleisch und Blut, sondern eine Tor-Fabrik, eine Tor-Maschine. Knochenharte Verteidiger wanden sich wie quengelnde Kinder, wenn sie den hoch gewachsenen Offensivmann bewachen sollten. Der ist nicht nur mit dem berühmten Torriecher gesegnet, sondern verfügt zusätzlich über eine breite Palette an mehr oder weniger unerlaubten Tricks und Kniffen.

Seine ersten Gehversuche im Profifußball machte der 1976 in südholländischen Oss geborene van Nistelrooy in der Saison 1993/94 für den niederländischen Zweitligisten FC Den Bosch. Als Mittelfeldspieler hinter den Spitzen. Eine Grundausbildung in Sachen Technik, Taktik und Übersicht, die er in sein späteres Spiel als Sturmpflock integrieren konnte. Der auf den ersten Blick so klobig wirkende Angreifer agiert mit beeindruckender Eleganz und Spielkunst, beidfüßig ausgebildet sind auch seine kurzraumöffnenden Pässe sehenswert. Vier Jahre blieb van Nistelrooy in der Zweitklassigkeit, ehe ihn Foppe de Haan zum FC Heerenveen transferierte. De Haan stellte seinen jungen Neuzugang fortan in die Spitze – eine gelungene Systemumstellung, in 30 Ligaspielen traf der Jüngling stolze 13mal und weckte 1998 die Begehrlichkeiten vom PSV Eindhoven. Der hatte zwei Jahre zuvor Jahrhundertstürmer Ronaldo ziehen lassen müssen, doch der 22-jährige van Nistelrooy sorgte dafür, dass die Künste des Brasilianers beim PSV schnell vergessen wurden. 31 Tore in 34 Spielen machten den Nachwuchsstürmer innerhalb einer Saison zum hoffnungsvollsten niederländischen Sturmtalent seit Marco van Basten.

Manchester United wollte den Angreifer verpflichten, doch dem riss das Kreuzband, United zog die Anfrage zurück. Nach monatelanger Pause schien es ungewiss, ob van Nistelrooy an seine phantastischen Leistungen anknüpfen können würde. Er konnte. In nur 23 Spielen schoss er 29 Tore, das erneute Angebot aus Manchester ließ nicht lange auf sich warten - mit einer fast schon gerd-müllerschen Torbilanz (62 Treffer in 67 Ligaspielen) verließ der inzwischen zum Nationalspieler (Debüt am 18. November 1998 gegen Deutschland) aufgestiegene van Nistelrooy den PSV Richtung Premier League.



3 Ecken, ein Elfer@11Freunde


weiterlesen [1] [2]

Ähnliche Artikel

Kommentare

  • User
  • 14.09.2009 20:22:51 oranje48

    Man vergißt beinahe den Anfang diesee Artikels, nachdem diese Trauerreportage gelesen hat.

    Denn Van The Man ist tatsächlich bei Real Madrid zurück und ist auch in der Auswahl von Real dabei, im Gegensatz zu Van der Verrat und anderen Holländern dort.

zum Forum

Logge Dich ein, um einen Beitrag zu schreiben!

VON DEN LESERN EMPFOHLEN



Christian Ulmen im Interview


Die besten Torschützen in Werder Bremens erster Meistersaison 1964/65

  • Klaus Matischak (12)
  • Gerhard Zebrowski (11)
  • Diethelm Ferner (8)

11Freunde Liveticker

11FREUNDE @ TWITTER

Wer ist der beste Stürmer der letzten zehn Jahre?

Ruud van Nistelrooy
Alessandro del Piero
Thierry Henry
Alan Shearer
Ronaldo
Gabriel Batistuta
Filippo Inzaghi
Raul
Miroslav Klose
Andrij Schewtschenko
andere