Wie Löw seine Spieler diszipliniert
Die nette Warnung
Text: Thomas Hummel Bild: Imago
In schönen Worten macht Bundestrainer Joachim Löw seinen Spielern begreiflich: Wer ihn künftig in der Öffentlichkeit kritisiert, fliegt achtkantig raus. Seine drei Neulinge benehmen sich schon mal vorbildlich.
In Deutschland gibt es ja einige basisdemokratische Errungenschaften. Mitbestimmungsmodelle in Betrieben, Rechte von Betriebsräten und Gewerkschaften. Bundestrainer Joachim Löw steht nun nicht im Verdacht, dies alles abschaffen zu wollen, aber innerhalb des von ihm geleiteten Betriebes wird er die Belegschaft am Montagabend darauf hinweisen, wo sein basisdemokratisches Verstehen eine Grenze findet.
Löw nutzt die Zusammenkunft seiner Nationalmannschaft anlässlich des Länderspiels am Mittwoch in Berlin gegen England, um letzte Zweifel auszuräumen, wer das Sagen hat. Er wird am Montagabend seine Spieler in einen Raum bitten, diese werden sich auf Stühle setzen und vorne wird Löw eine Ansprache halten. Dabei wird er, wie er sagte, den Profis »Informationen« zukommen lassen. Um sie »an manche Dinge zu erinnern«. Hinter den netten Worten des Herrn Löw steckt indes eine unmissverständliche Warnung: Wer ihn oder seine Entscheidungen künftig in der Öffentlichkeit kritisiert, fliegt raus.
Die neuen Regeln des »netten Herrn Löw«
Eine andere Interpretation lassen die Vorgänge in den vergangenen Wochen und Löws Worte nicht zu. Die öffentlichen Klagen von Michael Ballack und Torsten Frings, die Flucht von Kevin Kuranyi, das hat die innere Balance des Bundestrainers empfindlich gestört. Das alles habe ihn »maßlos geärgert«, aber er sei sich sicher, »dass dies nicht wieder passieren wird«.
Bis zur Europameisterschaft führte der Mann aus dem Schwarzwald ja den Beinamen »der nette Herr Löw«, die Ballack-Frings-Kuranyi-Affären haben ihn dazu veranlasst, den Ton erheblich zu verschärfen. Wer in der Nationalmannschaft spielen will, muss nach seinen Regeln spielen. So sind Ballack und Frings zur Ansprache nach Berlin einbestellt, obwohl sie gegen England nicht mitspielen.
Dabei räumt Löw ein, dass seine Entscheidungen »Spieler verletzen und enttäuschen können«. Es sei für einen Trainer schwer, weil es für jedes Spiel mehrere sinnvolle Lösungen gebe. Doch er müsse eben Entscheidungen treffen, und die müssten die Spieler akzeptieren. Er versuche dabei nach dem Leistungsprinzip vorzugehen, »alles andere wäre ja auch Schwachsinn«.






