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18.11.2008

Ailton, wie er leibt und lebt

Der große Unkalkulierbare

Text: Roland Wiedemann  Bild: Imago

Altachs Trainer Urs Schönenberger hat Ailton eindringlich gewarnt, sich zur Lachnummer zu machen. Der Stürmer scheint zu gehorchen – und hat dennoch einen Traum: »Mit Nummer 32 Karriere in Bremen beende.«

Ailton, wie er leibt und lebt - Der große Unkalkulierbare


Ailton Goncalves da Silva, kurz Ailton, genoss den Augenblick. Er hatte die Leute an diesem kalten Novembertag richtig glücklich gemacht, und das will er doch nur. Nach jeder Runde unterbrach der in einen dicken Anorak eingepackte Stürmer das Auslaufprogramm, stellte sich dampfend zwischen die Fans und grinste in die Handykameras. Ein paar Minuten zuvor, als ihn Altach-Trainer Urs Schönenberger kurz vor Ende der Partie ausgewechselt hatte, standen viele der 5400 Zuschauer in der Cashpoint-Arena auf und applaudierten der Stürmerdiva.
  



Zwei Tore hatte Ailton zum so wichtigen 3:0-Sieg im Kellerduell gegen den Kapfenberger SV beigesteuert, sich bisweilen Bälle im Mittelfeld geholt und am Ende nicht einmal den weiten Weg zur Eckfahne gescheut, um die Standards selbst auszuführen. Die Menschen auf den Rängen waren sich einig: das war nicht nur die beste Saisonleistung ihrer Mannschaft, sondern auch der beste Ailton, den sie gesehen hatten. »Ailton nicht vergesse, wie gehe Tore schieße«, sagte der 35-Jährige im schönsten Ailton-Deutsch anschließend.

»Kopf will nicht, Körper will nicht und Frau will nicht«


Zwei Punkte auf den rettenden Platz neun beträgt der Rückstand noch. Am Wochenende kommt Mattersburg, der Drittletzte, nach Vorarlberg Ländle. Mit seinen beiden Treffern hat »der große Unkalkulierbare«, wie Altach-Geschäftsführer Christoph Längle Ailton nennt, beim Schlusslicht der österreichischen Bundesliga die Hoffnung auf den Klassenerhalt aufleben lassen. Der »Kugelblitz«, wie Ailton seit seiner Bremer Zeit auch genannt wird, lieferte zudem Argumente in eigener Sache. Sechs Tore, davon drei Elfmeter, stehen nach neun Spielen zu Buche. Es müssen noch ein paar Treffer dazu kommen, will der Fußball-Weltenbummler nach acht Vereinswechseln in vier Jahren nicht schon wieder mit seiner Familie umziehen. Der Bundesliga-Torschützenkönig der Saison 2003/2004 wurde von Metalurg Donezk bis Ende des Jahres an den SCR Altach ausgeliehen. Was eine Verlängerung des Engagements angeht, so Längle, sei alles offen. Man müsse die weitere Entwicklung abwarten. »Kopf will nicht, Körper will nicht und Frau will nicht«, wehrt sich Ailton gegen eine mögliche Rückkehr in die Ukraine.


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