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30.10.2008

Kontrollen vor dem Spiel Schalke-PSG

Bis auf die Unterhose

Text: Max-Jacob Ost  Bild: Imago

Bei Leibesvisitationen mussten sich die Fans von Paris vor dem Spiel teilweise komplett entkleiden. Auf Kritik reagierte Schalke mit einer Stellungnahme. Die Diskussion über die Grenzen von Kontrollen ist damit nicht beendet.

Kontrollen vor dem Spiel Schalke-PSG - Bis auf die Unterhose


Im Vorfeld der UEFA-Cup-Partie zwischen Schalke 04 und Paris St.Germain vergangene Woche kam es zu ungewöhnlich harschen Kontrollen der Gästefans. Vor dem Stadion hatte Schalke in Absprache mit der deutschen Polizei ein Zelt errichtet, in dem sich die Fans vor den Augen der Sicherheitskräfte komplett entkleiden mussten. Johannes Mäling, der das Spiel im Gästeblock verfolgen wollte, betrat als einer der ersten Fans das Zelt. »Dort habe ich noch ein Foto gemacht, woraufhin mir meine Kamera abgenommen und die Bilder kontrolliert wurden. Nach der Kontrolle der Fotos musste ich mich dann Stück für Stück entkleiden, sogar die Unterhose ausziehen.«



Vor zwischenzeitlich vier Ordnern musste Mäling sich nach eigenen Angaben in einer der aufgestellten Kabinen komplett entkleiden. Erst nach dieser gründlichen Leibesvisitation und einem Alkoholtest durfte Mäling in den Gästeblock. Von den ungewöhnlich drastischen Vorgängen ist er immer noch geschockt. »Zunächst war ich wirklich fassungslos. Wobei man in Deutschland von einem solchen Vorgehen zumindest schon einmal gehört hat. Die Pariser Fans waren aber noch erschrockener über die Maßnahmen.«

Aus Protest weigerte sich laut Fanberichten deshalb der Großteil des Pariser Anhangs, das Stadion zu betreten. Vereinzelt soll es zu kleineren Auseinandersetzung vor dem Untersuchungszelt gekommen sein. Erst nach langen Diskussionen durften die Pariser Fans nach einer gewöhnlichen Kontrolle durch Abtasten das Stadion betreten. Teilweise soll dann aber sogar gänzlich auf die Untersuchung nach verbotenen Gegenständen verzichtet worden sein. Tatsächlich entzündeten die französischen Fans im Laufe des Spiels einige bengalische Feuer in ihrem Block.

Nachdem die Schalker Anhänger unter anderem durch zwei Banner beim Bundesligaspiel gegen Arminia Bielefeld scharfe Kritik am Vorgehen des Vereins geübt haben, hat Schalke 04 inzwischen mit einer Stellungnahme reagiert. Volker Fürderer, unter anderem Sicherheitsbeauftragter des FC Schalke 04, begründet darin das harte Vorgehen. »Das Spiel gegen PSG ist von Anfang an von der UEFA und den Sicherheitsbehören als Hochrisikospiel eingestuft worden.« In der Vergangenheit seien die Fans von Paris schon häufig durch Gewaltbereitschaft und den »massiven Einsatz von Pyrotechnik« aufgefallen.

Eine »beschissene Situation« für Schalke 04

»Es gab also genug Grund für uns, richtig besorgt zu sein, zumal sich die Pariser Fans offenbar auch mit gewaltbereiten deutschen Fans anderer Bundesligisten für dieses Spiel verbündet hatten«, wird Fürderer zitiert. Zur Erklärung: Zwischen den Fans von PSG und den Ultras des 1.FC Köln soll eine Fanfreundschaft bestehen. Trotz dieser Zusammenhänge stellt sich für Fans wie Johannes Mäling trotzdem die Frage der Verhältnismäßigkeit. »Ob eine Gefahr durch Pyrotechnik bestand kann ich nicht beurteilen. Man sollte sich bei der Gefahrenabwehr aber immer die Frage stellen, wie weit man bei Kontrollen der Fans gehen darf«, sagt er. Besonders die vielen Moslems unter den Pariser Fans hätten sich durch die Kontrollen extrem unwürdig behandelt gefühlt.

Sicherheitsbeauftragter Fürderer bezeichnet die Maßnahmen in der Stellungnahme dennoch als »richtig, denn sie haben schließlich den gewünschten Erfolg gebracht.« Insgesamt seien den Pariser Fans 172 Gegenstände, darunter 29 Messer und vier Gasflaschen, abgenommen worden. Er sagt aber auch: »Um das mal klarzustellen: Wir machen solche Kontrollen überhaupt nicht gerne. Wir haben ein richtig blödes Gefühl dabei, denn eigentlich wollen wir gute, vorbildliche Gastgeber sein.« Solche Kontrollen wie vergangene Woche seien »eine beschissene Situation« für Schalke 04, bei der man fast nur verlieren könne. Es habe sich zudem nur um eine »Stichprobe« gehandelt. Rund 1000 Fans wurden nicht so rigoros kontrolliert.

Vor allem in Frankreich werden die Maßnahmen trotzdem sicherlich kaum zu einem Schalker Imagegewinn bei den Fans beitragen. Johannes Mäling hatte im direkten Gespräch im Stadion die Möglichkeit, ihre Meinung herauszufinden. Er berichtet: »Die Pariser Anhänger waren entsetzt. Als willkommener Gast haben sie sich bestimmt nicht gefühlt.« Innerhalb Deutschlands könnten die Vorfälle derweil eine nach Meinung vieler längst überfällige Debatte über die Grenzen von Stadionkontrollen lostreten. Die Frage ob der Zweck die Mittel heiligt, wird sich Schalke dabei noch länger gefallen lassen müssen.




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Kommentare

  • User
  • 30.10.2008 10:48:30 AbteilungAttacke

    Auch wenn es wohl kaum rechtliche Konsequenzen haben dürfte, so muss dennoch die Frage nach der rechtlichen Verhältnismäßigkeit gestellt werden, wie sie im Beitrag oben ja auch anklingt. Vor allem müsste mal geklärt werden, von wem die rechtliche Maßnahme ausging - von der Polizei, die sich in dem Fall nach dem PolG NW zu richten hat ? In dem Fall könnte man diese Durchsuchung als Begleitmaßnahme zur Identitätsfestellung und als Maßnahme zur Sicherung von Dritten möglicherweise noch rechtfertigen (gleichwohl komplett nackt ausziehen nicht erforderlich noch angemessen wäre).

    Sind es aber Ordner (!), also Privatpersonen, die diese Maßnahme durchführen, würde ich als Privatperson das Spiel Spiel sein lassen, zu einem - guten - Anwalt für Sportrecht und Schadensersatzfragen rennen und mal anfragen, ob in dem Vertrag zwischen mir und dem Verein (aka 'Eintrittskarte') auch solche Maßnahmen enthalten sind und ich von Schalke nicht Geld für Karte und Anfahrt ersetzt bekomme ?!?

    Wie der Zufall es so will, meine ich, wohnt doch in Marl ein recht angesehener Anwalt für solche Fragen - is ja gar nich mal so weit weg....

  • User
  • 30.10.2008 22:13:01 knutor

    Wusste gar net, dass Schäuble Mitglied des Schalker Vorstands ist...

    Eine der peinlichsten Fauxpas eines Vereins im internationalen Fußball, von denen ich je gehört hab.

    Auch der Kommentar, »Um das mal klarzustellen: Wir machen solche Kontrollen überhaupt nicht gerne. Wir haben ein richtig blödes Gefühl dabei, denn eigentlich wollen wir gute, vorbildliche Gastgeber sein.«, ändert daran gar nichts.

    So etwas darf nicht passieren. In keiner Demokratie, Gesellschaft, Fußballstadion oder sonst was. Schalke beschämt ganz Deutschland, wo, obwohl die Lage noch zu verbessern ist, Fußballfans ein relativ gutes Stnading haben.

  • User
  • 30.10.2008 23:08:21 spreekicker

    wenn es nicht so traurig wäre, wäre hier die richtige stelle, um über seinen lieblingsfeind herzuziehen.

    schalke erledigt dies von selbst - was für ne flaschen haben dort nur das sagen?

  • User
  • 31.10.2008 00:46:52 Veltinsbauch Eufi

    Gähn....... Davon hab ich schon letzte Woche im "U- Uefa Cup Thread" berichtet....

  • User
  • 31.10.2008 06:59:08 saloth sar

    du bist mein held!

  • User
  • 31.10.2008 10:03:13 Tsubasa

    Wie schon AbteilungAttacke schrieb:Sollte die Polizei für die Durchsuchung verantwortlich, könnte man ein Verfahren vor dem Verwaltungsgericht anstrengen... Dies wird aber vermutlich nur für die begründet sein, die sich komplett entblößen mussten, da dies ein schwerwiegender Eingriff in das Persönlichkeitsrecht darstellt.
    Für andere, besonders die vom Aussehen "schwarzer Block", war die Maßnahme wie gesagt bis auf die Unterwäsche rechtmäßig(ausreichender Gefahrenverdacht lag vor, der dann auch bestätigt wurde, wobei es darauf dann nicht ankommt).
    29 Messer sprechen ein Sprache für sich, könnte sich natürlich auch um Messer handeln, die die muslimischen Freunde aus Tradition bei sich hatten. Nur dann muss man sich über die Bräuche im Nachbarland informieren.
    Ich finde es auch immer ne absolut beschissene Sache, wenn man so vorgehen muss, aber leider zeigen einige dann immer wieder, dass die "Repressionen" der Polizei, nach der aktuellen Gesetzeslage, notwendig sind.So gerne ich auch selbst ein paar Bengalos im Stadion sehen würde.

    Sollten es aber wie oben schon angefragt Ordner gewesen sein, dann schnellstens zu einem Anwalt rennen. Das Hausrecht des Veranstalters kann nicht das "Gewalt"monopol der Polizei brechen....aber will hier auch keine Garantie abgeben.

  • User
  • 31.10.2008 10:22:42 calimero

    ich hab irgendwo gelesen, dass ein paar schwule bullen die situation ausgenutzt und sich einen spass drauss gemacht haben.

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Wie beurteilst du das Vorgehen von Schalke 04?

Vollkommen richtig.
Zu hart, aber sie hatten keine andere Wahl.
Unverhältnismäßig, aber im Einzelfall ok.
Absolut indiskutabel.
Habe meine Meinung daheim vergessen.