Jungstars und was aus ihnen wurde
As time goes by
Text: Christoph Muxfeldt Bild: Imago
In der aktuellen 11FREUNDE-Ausgabe erzählen wir von Nuri Sahin, der mit zarten 20 Jahren schon viele Höhen und Tiefen des Profi-Daseins durchlebt hat. Hier präsentieren wir weitere Jungstars und ihre wechselhaften Karrieren.
In dem Moment, in dem Borussia Dortmund im März 1994 das 1:0 gegen Duisburg erzielte, schrieb Lars Ricken Geschichte. Er war fortan für über zehn Jahre der jüngste Bundesliga-Torschütze aller Zeiten – so lange, bis ihm Nuri Sahin diesen Titel abjagte.
Ricken erlebte einen raketenhaften Aufstieg, dessen Höhepunkt mit dem Champions League-Sieg 1997 erreicht war. Spätestens seit seinem Traumtor im Finale gegen Juve galt Ricken nicht nur als die Zukunft des deutschen Fußballs, sondern auch als das Teenie-Idol der Liga. Bis 2002 war der ewige Dortmunder, wenn er denn fit war, mindestens ein solider Bundesligaspieler, der hin und wieder auch zur Nationalmannschaft eingeladen und sogar Vize-Weltmeister wurde. Danach nahm die Bedeutung Lars Rickens als aktiver Spieler sukzessive ab. In der Saison 2006/07 bestritt Ricken als 30-Jähriger sein letztes Bundesligaspiel. Seit Juli ist er Nachwuchskoordinator, wie sollte es anders sein, beim BVB. Nebenbei kickt der heute 32-Jährige noch in der zweiten Mannschaft. Die Ausbildung in der vereinseigenen Verwaltung war wohl doch nicht das Richtige. Zu viele Männer in Nadelstreifen?
Berkant Göktan galt Mitte der Neunziger als wohl größtes Talent des Landes. Rund 400 Ligatore erzielte der Deutsch-Türke im Jugendteam des FC Bayern – in einer Saison. Mit 16 Jahren durfte Göktan dann erstmals am Training von Trapattonis Star-Ensemble teilnehmen. Doch im Profi-Kader wusste der Münchner fortan kaum zu überzeugen, weder in Mönchengladbach, Bielefeld, Istanbul noch in Kaiserslautern. Nach einigen Monaten der Vereinslosigkeit fand Göktan schließlich im Jahr 2006 sein Glück in seiner Heimatstadt bei 1860, wo er zum Leistungsträger avancierte. Dann warf ihn eine Verletzung aus der Bahn, im Oktober 2008 folgte der Total-Absturz: Rauswurf wegen Drogenmissbrauchs.
Marco Reich ist der Prototyp eines Spielers, der besser nie seine Heimat verlassen hätte. Der Pfälzer schaffte als Ergänzungsspieler den Aufstieg mit dem FCK, um in der darauf folgenden Saison 1997/98 etablierter Teil der legendären Meistermannschaft zu werden. Nach der Jahrtausendwende und mit seinem Wechsel zum 1.FC Köln begann der sportliche Abstieg des einmaligen Nationalspielers. Selbst Thomas Schaaf gelang es nicht, Reich nach seinem Wechsel zu Werder wieder bundesligatauglich zu machen. Nach 17 Bundesligaspielen in zwei Jahren wurde Reich ins Regionalliga-Team verbannt und wechselte daraufhin in die zweite englische Liga. Heute kickt der 30-Jährige beim Drittligisten FC Walsall, wo er seine ersten Pflichtspieltore seit drei Jahren erzielte.
Freddy Adu schaffte den Sprung in die amerikanische Profiliga bereits mit 14 Jahren und galt nach fünf Treffern in der ersten MLS-Saison als designiertes Aushängeschild des US-Soccer. Womöglich behinderte der Hype um seine Person – inklusive Werbedeal mit Nike, der Adu zum bestbezahlten US-Kicker aller Zeiten machte – die Entwicklung des gebürtigen Ghanaers. Zwar schaffte Adu den Sprung in die A-Nationalmannschaft und nach Europa, doch konnte das Ausnahmetalent sich hier wie dort noch nicht durchsetzen. Der heute 19-Jährige kam im Vorjahr auf elf Einsätze bei Benfica Lissabon und wurde anschließend an den AS Monaco verliehen, wo der Einwechselspieler bisher insgesamt knapp 45 Minuten Spielpraxis sammeln konnte.
Ergänzung zu Heft #84 11/2008





