Frauen-Nationalmannschaft wirbt für Küchen
Syndikat der Machos
Text: Tim Jürgens Bild: Imago
Ein kleiner Beitrag zur Vermarktung, ein großer zum Rollenverständnis im Fußball: Hauptsponsor der Frauen-Nationalmannschaft bei der WM 2011 ist ein Küchenhersteller. Erz-Macho Rudi Assauer wird's freuen.
Rudi Assauer wird sich genüsslich eine angesteckt haben: Das Frauen-Nationalteam hat einen neuen Hauptsponsor und wirbt ab sofort für - bitte? - Küchen. Denn genau dort und nirgendwo sonst verortet der Ex-Manager des FC Schalke 04 seit jeher das schöne Geschlecht. Mit Händen und Füßen soll Assauer sich einst gegen die Einführung einer Frauenfussballabteilung bei seinen Königsblauen gewehrt haben. »Kein Bock auf den Zickenterror«, wurde der bollerige Westfale damals zitiert. Die »Bild« vergab einige Zeit den »Assauer des Tages« für den größten Macho-Spruch, den sich ein Prominenter mal wieder geleistet hatte. Als die Damen-Equipe bei der letzten WM die Konkurrenz einmal mehr dominierte und ohne Gegentor den Titel errangen, soll Assauer sogar der Stumpen aus dem Mundwinkel geplumpst sein. »Frauen? Fußball? Simone, bring Veltins und Herzpillen.«
Die aktuelle Agenturmeldung muss für den Patriarchen in Pension also ein innerer Vorbeimarsch gewesen sein. Für eine schlappe Million lassen sich unsere mündigen Weltmeisterinnen von der ALNO AG wieder dorthin befördern, wo Vati sein Mäuschen eigentlich doch am liebsten hat: an den Herd. Dr. Theo Zwanziger wird mit dem Satz zitiert: »Das ist ein weiterer Schritt in der Vermarktung.…« Alice Schwarzer muss in der EMMA-Redaktion geschäumt haben: »Ein kleiner Schritt in der Vermarktung, ein großer Schritt zurück ins Mittelalter.«
Nadine Angerer putzt selig den Salat
Es mutet jedenfalls wie ein Treppenwitz der Geschichte an, dass in der Männerdomäne Fußball - der durch einen ständig steigenden Anteil an weiblichen Zuschauern zusehends das Wasser abgegraben wird - mit einem Werbedeal die alte Geschlechterordnung wieder hergestellt wird. Schon darf man gespannt sein auf die Anzeigenkampagne zur Frauen-WM 2011: Nadine Angerer putzt selig den Salat, Birgit Prinz rührt in einem Topf mit Spaghetti-Sauce, im Hintergrund poliert das defensive Mittelfeld tapfer den Chrom, und Bundestrainerin Silvia Neid präsentiert stolz ein saftiges Steak in der Pfanne.
Wer hat diesen Plan ersonnen? Nimmt hier ein trauriger ALNO-Geschäftsführer Rache an der Frauenwelt, weil seine Ehe mit einem Rosenkrieg endete? Sitzt in der Zahlstelle des DFB immer noch derselbe Sachbearbeiter, der den Damen 1989 als Prämie für den Gewinn des EM-Titels jeweils ein Kaffeeservice zukommen ließ? Oder hat sich hier das Syndikat der Machos im deutschen Fußball in einer beispiellosen Protestaktion verschworen, um den Frauenfußball in dem Licht zu zeigen, in dem ihn ein paar verstaubte Daddys in Filzpantöffelchen wohl immer noch vermuten?
Daddys wie der graue Pils-Straßenköter Assauer, der 2001 auf die Frage »Welche Arbeiten übernehmen Sie im Haushalt?« antwortete: »Keine.« »Und wie oft kochen Sie für Ihre Lebensgefährtin Simone Thomalla?« »Ich habe noch nie in meinem Leben an einem Kopftopf gestanden.« »Wenn Sie sich entscheiden müssten zwischen der Frau, die Sie lieben, und Schalke 04 ... dann würde ich mich für Schalke 04 entscheiden.«
Das Schicksal hat anders entschieden.





