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29.08.2008

Mit dem Profifußball abgeschlossen

Geld auf dem Holztisch

Text: André Widmer  Bild: André Widmer

Am 9. September startet Deutschland in Liechtenstein in die WM-Quali. Während sich die Nationalelf des Fürstentums gemausert hat, pendeln viele Akteure zwischen Training und Brotjob.

Mit dem Profifußball abgeschlossen - Geld auf dem Holztisch


Idyllisch liegt er da, der Sportpark Eschen/Mauren. Mitten im Rheintal, einer mehrere Kilometer breiten Ebene zwischen Berggipfeln, die an diesem Tag von Wolken verhüllt sind. Sportpark, das klingt, als könnte sich etwas Großes dahinter verbergen. Doch im »Ländle«, wie das Fürstentum Liechtenstein auch genannt wird, ist alles eine Nummer kleiner. Der Sportpark Eschen/Mauren liegt fast etwas versteckt hinter dem Gelände einer Baufirma und entpuppt sich als zwar moderne Fußballanlage, deren Haupttribüne jedoch nur wenige hundert Zuschauer fasst. Mehr sind auch nicht gekommen zum Saisonauftakt der heimischen Unterländer Spielvereinigung (USV) Eschen/Mauren gegen den FC Red Star Zürich, einen Stadtteilklub aus der größten Schweizer Stadt. Kein Kassenhäuschen, die Geldschatulle liegt auf einem Holztisch am Eingang. Der Kassierer kennt fast jeden der 300 Fans persönlich. Dabei ist die USV nach dem FC Vaduz der klassenhöchste Verein des Landes, und eine Handvoll seiner Akteure dürfen sich Nationalspieler nennen. Für das Spiel gegen Red Star ist deshalb auch der Trainer der liechtensteinischen Nationalelf, Hanspeter Zaugg, hierher gepilgert.



Für ihn ist die Partie ein wichtiger Termin, schließlich geht es um die aktuelle Form eines Teils seiner Auswahlspieler. »Heute stehen insgesamt acht Nationalspieler oder Akteure der U21 auf dem Platz«, schmunzelt Zaugg. »Der Rest sind Ausländer.« In den Ligen der Eidgenossenschaft kicken mangels einer eigenen Liga sämtliche sieben Fußballklubs aus Liechtenstein mit. Gerade hat Eschen/Mauren den Aufstieg in die dritthöchste Spielklasse des Nachbarlandes geschafft. Dort trifft man nun auf Klubs wie Rapperswil-Jona, Tuggen oder Biasca. Wahrlich nicht die bekanntesten Namen des helvetischen Fußballs, aber immerhin die oberste Amateurliga der Schweiz. Seit Juli diesen Jahres schwingt der Deutsche Uwe Wegmann, der für Essen, Bochum und Kaiserslautern 54 Tore in 214 Bundesligaspielen geschossen hat, das Zepter bei der USV. Er ist nicht der erste aus Deutschland, der den Liechtensteinern das Kicken beibringt: Ralf Loose hat von 1996 bis 1998 die U18 trainiert, danach bis 2003 das A-Nationalteam. Erst unter ihm entwickelte sich Liechtenstein vom Kanonenfutter zu einem ernst zu nehmenden Gegner. Waren zuvor noch Resultate wie ein 1:8 gegen Rumänien und ein 1:11 gegen das nicht gerade zur ersten Garde Europas zählende Mazedonien gang und gäbe, gelang es Loose, die Auswahl peu à peu zu stabilisieren.

Der 1934 gegründete Liechtensteinische Fußballverband hat Zeit seines Bestehens nie eine eigene Meisterschaft durchgeführt, dafür seit 1946 einen Pokalwettbewerb, dessen Sieger nach der Abschaffung des Europapokals der Pokalsieger regelmäßig in der Qualifikation zum UEFA-Cup hängen bleibt. Mit 35 Pokalsiegen ist der FC Vaduz der erfolgreichste Klub im Fürstentum. Mit wenigen Unterbrechungen gehörte er bis 1993 der zweiten Amateurliga an, stieg dann in die erste auf und schaffte es 2001 in die Nationalliga B. Nach mehreren Anläufen gelang vor wenigen Monaten tatsächlich der Aufstieg in die höchste Schweizer Liga, die Super League. Maßgeblich mitgewirkt haben daran zwei Sponsoren: die MBPI AG, die sich mit Immobilien und Vermögensverwaltung beschäftigt, sowie die Liechtensteinische Landesbank, die erst kürzlich ins Visier der deutschen Steuerfahnder geraten ist. Mit dem erhöhten Etat haben die Verantwortlichen des FC Vaduz die Mannschaft in den letzten Jahren tüchtig umgebaut. Viele Schweizer mit Nationalligaerfahrung wurden geholt, für diese Spielzeit kamen zu den bisher zwei Brasilianern zwei weitere dazu, darunter der Bruder des in Spanien eingebürgerten aktuellen Europameisters Marcos Senna. Nun stehen nur noch vier Liechtensteiner im 20er-Kader, gerade zwei davon kommen regelmäßig zum Einsatz.

Eine Entwicklung, die Nationaltrainer Zaugg nicht gerade erfreut: »Ein paar Liechtensteiner mehr im Team wären natürlich gut. Doch die Philosophie bestimmt schlussendlich der Verein selbst. Und dessen Coach kann nicht auch noch auf Verbandsinteressen Rücksicht nehmen, man weiß ja, wie schnell sich das Trainerkarussell dreht.« Zauggs persönliche Meinung ist aber klar: »Der eine oder andere Liechtensteiner hätte bestimmt das Potenzial, wenigstens dem Kader anzugehören.« Die Vision des Nationalcoaches ist es, in den kommenden Jahren mit guter Nachwuchsarbeit mindestens 15 Liechtensteiner profitauglich auszubilden. Das Gebaren des FC Vaduz stößt übrigens auch bei den fußballbegeisterten Liechtensteinern nicht unbedingt auf Gegenliebe. Der Zuschauerzuspruch in den ersten Heimspielen der Super League blieb bescheiden. Nur gut 3000 Besucher waren es beispielsweise gegen den renommierten Grasshopper Club Zürich, obwohl Vaduz zuvor mit vier Punkten aus drei Spielen für einen Aufsteiger gut in die Saison gestartet war.



Aus Heft #82 09/2008

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