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Sammer vs. DFB

Ein Mann läuft heiß

Text: Robert Ide  Bild: Imago

Der ehrgeizige Sportdirektor Matthias Sammer sorgt mit emotionalen Äußerungen für Aufsehen im Deutschen Fußball Bund. Bundestrainer Joachim Löw reagierte bereits verärgert auf Sammers Kritik an der EM-Party.

Sammer vs. DFB - Ein Mann läuft heiß


Theo Zwanziger urlaubt gerade am Wörthersee, doch sein Telefon gibt keine Ruhe. Am Mittwochabend musste der Präsident des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) sich mit Matthias Sammer zusammenschalten, dem Sportdirektor des DFB. »Matthias gehört zu den emotional sehr starken Leuten bei uns«, erzählt Zwanziger. »Aber wir alle wissen, dass wir möglichst eine Sprache sprechen sollten.« Soll wohl heißen: Der Heißsporn Sammer hat sich öffentlich ein wenig versprochen.

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Bei einer Sommerpausen-Trainertagung in Wiesbaden hatte Sammer erneut über die Siegermentalität referiert, die alle deutschen Mannschaften von Jugend auf inhalieren sollten. Dabei erlaubte er sich, die Siegesfeier der Nationalmannschaft nach dem verlorenen EM-Finale in Berlin zu hinterfragen. Sammer wurde so zitiert: »Ich finde es nicht richtig, dass Spieler in ein EM-Finale gehen, das Endspiel verlieren und sich dann auf der Fanmeile feiern lassen, als hätten sie das Spiel gewonnen.« Er habe dann das Problem, so etwas einem Nachwuchsspieler zu erklären »und vor einem Finale den letzten Siegerinstinkt rauszukitzeln«. Löw reagierte ungewöhnlich ungehalten auf die Einlassungen des für den Nachwuchs zuständigen Sammer. Der Bundestrainer ließ via »Bild« ausrichten, die Party in Berlin sei keine Siegesfeier gewesen, sondern nur das Dankeschön an die Fans. In der Tat hatten sich Hunderttausende nach Turnierschluss mit der Nationalmannschaft amüsiert. Die Berliner Schüler hatten extra schulfrei bekommen – und vielleicht lag es ja am jungen Publikum, dass die von Teammanager Oliver Bierhoff durchgeplante Jubel-Veranstaltung am Ende in bizarren Clownerien von Fernsehblödelmann Oliver Pocher unterging. In der Rückschau ist Löw allerdings wichtig, dass die Spieler freiwillig entschieden hätten, sich bei den Fans zu bedanken: »Insofern können wir stolz sein auf die Veranstaltung in Berlin.«

»Da habe ich schon etwas Bauchschmerzen«

Auf Nachfrage dementiert Sammer seine Äußerungen nicht, vielmehr erklärt er noch einmal seine Motive: »Ich möchte eben, dass das Leistungsprinzip eine höhere Anerkennung genießt. Da habe ich schon etwas Bauchschmerzen, wenn sich eine Feier dann so darstellt.« Eine Debatte fürs Sommerloch? Kann sein, doch die Vorgeschichte verleiht dem Vorgang eine gewisse Pikanterie.

Als Bundestrainer Jürgen Klinsmann vor der WM 2006 beim DFB keinen Stein mehr auf dem anderen lassen wollte, und Löw noch als sein stiller, aber strategisch wichtiger Assistent agierte, wünschte er sich einen Sportdirektor namens Bernhard Peters. Der Hockey-Bundestrainer war dem DFB dann aber ein bisschen zu revolutionär. Also verpflichtete Zwanziger lieber einen Mann des Fußballs – Matthias Sammer. Seit dieser Zeit umschwirrt Sammer der Verdacht, er habe es ja nur auf den Posten des Bundestrainers abgesehen, sollte einmal etwas schief laufen. Es lief dann aber nichts schief: Die Mannschaft begeisterte bei der WM, spielte nach dem Entschwinden Klinsmanns unter Löws Leitung eine makellose EM-Qualifikation und rettete sich in diesem Sommer mit der Rückkehr zum Kampffußball bis ins EM-Finale. In einem kurzen Moment allerdings stand das Gesamtkunstwerk in Frage – vor dem Vorrunden-Finale gegen Österreich. In diesem Moment war von Sammer nichts zu hören, der Sportdirektor übte keine Kritik, ging in keine Lücke.

Stattdessen stellte ein anderer mitten im Turnier die – nicht ganz unberechtigte – Frage nach der Fitness der Nationalmannschaft: Bernhard Peters. Das hat Löw so sehr verärgert, dass Peters nicht mehr beim DFB als Berater mitarbeiten darf. Gestern war offiziell sein letzter Arbeitstag.

Dem schon auf dem Fußballplatz ehrgeizigen Matthias Sammer wird das nicht passieren. Theo Zwanziger jedenfalls macht sich keine größeren Sorgen um seine Führungscrew. »Wir haben einen glänzenden Bundestrainer, einen hervorragenden Teammanager und den besten, den wir als Sportdirektor haben können«, sagt er, bevor er sich wieder seinem Urlaub zuwendet. »Auch wenn mal in Details etwas in der Kommunikation nicht ganz so klar formuliert wird – in der Sache wird uns keiner auseinander bringen.«





Tagesspiegel@11Freunde


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Kommentare

  • User
  • 03.08.2008 18:23:56 Eisen__Dieter

    Sammer hat ja so recht. Wofür hat sich die deutsche Elf denn feiern lassen? Für einen glanzlosen Pflichtsieg gegen Polen, zwei Grottenkicks gegen Kroatien und Österreich, einen glücklichen Sieg gegen gleichwertige Türken und eine Offenbarung gegen Spanien. Einziges positives Moment war der überzeugende Sieg gegen Portugal. Und dafür marschieren Hunderttausende von Fans (?) zur Berliner Fanmeile. Der Gedanke liegt nahe, dass es sich hier überwiegend um Modefans handelte, denen es nur wichtig ist, irgendwo irgendwas zu feiern - und wenn es nur eine durchschnitlliche deutsche Mannschaft ist. Diese trat dort natürlich freiwillig an um sich zu "bedanken". Wer soll denn das glauben, Herr Bierhoff. Und dann verkommt dieses Event, dank eines Möchtegern-Spaßmachers namens Pocher auch noch zur Kirmes-Veranstaltung. Ich wette, dem einen oder anderen Spieler wird es schon peinlich gewesen sein, aber bloß nicht aufmucken und immer schön grinsen, nicht wahr Poldi? Armer deutscher Fußball. Sammer ist endlich mal einer, der den Mund aufmacht. Hoffentlich stolpert er nicht darüber. Es wird Zeit, dass die Gute-Laune-Bären Zwanziger, Bierhoff und Löw endlich das Feld räumen und mal wieder Realisten das Zepter schwingen, damit wir auch mal wieder zu Recht was zu feiern haben.

  • User
  • 04.08.2008 08:22:10 janstar

    Kann Sammers Kritik an der Feier nachvollziehen. Man muss schon fragen dürfen, ob man sich trotzt des verlorenen Finales dahinstellt und so tut, als ob nichts geschehen wäre.

    Aber irgendwie passt die Veranstaltung ja ins Bild. Denn wie man deutlich an der Auseinandersetzung zwischen Oliver Bierhoff und Michael Ballack nach dem Finale sehen kann, war die ach so tolle Stimmung innerhalb der Mannschaft und des Stabes zu mind. 50 % Propaganda. Glaube also, dass wikrlich alle so ganz freiwillig da oben standen und sich das antun mussten.

    Ist ja meistens so, dass die erste Party, die noch halbwegs spontan war, um Längen besser ist, als die zweite, die genau durchgeplant war.


  • User
  • 07.08.2008 12:55:25 tomandcherry

    Da sich schon die 'Bergtour 2008'-Marketing-Kampagne beinahe als Schuss in's eigene Knie erwiesen hätte, wäre eine etwas dezentere Abschlussfeier durchaus angebracht gewesen.


    Aber vielleicht gehört das jetzt alles zum Umfeld der deutschen Fußball-N11? Viel Marketing, viel Selbstinszenierung, viel Feiern mit den tollen Fans, viel Zeug das mit dem eigentlichen Fußball nicht mehr viel zu tun hat.


    Und dementsprechend sehen dann die Spiele wieder aus. Ein Rückfall in längst vergangen geglaubte Zeiten.


    Das 'Sommermärchen 2006' ist endgültig vorbei und wir müssen wieder den grauen Tatsachen in die Augen sehen, die da heißen:


    'Rumpelfußball', 'Kampf und Krampf', 'keine nennenswerten technischen Fortschritte' und am Ende 'unter die besten Vier haben wir's doch wieder geschafft - also sind wir gut'....


    Der WM2010-Quali sehe ich jetzt schon mit größten Bedenken entgegen.


     


     


     



  • User
  • 07.08.2008 23:51:59 AntiMöller

    Ich finde dieses Kurven-Humptazeug auch völlig entwürdigend. Aber Deine Bedenken würde ich nicht teilen. Wir hatten halt das Pech, dass 08 die halbe mannschaft unter Form gespielt hat und auf einen Schneider konnte man dann doch nicht verzichten. Es wird noch einiges an klasse Spielern dazukommen, im kömmenden Jahr. Z.B. Kroos, der mich sehr im Stil an Schneider erinnert. Sofern er bei uns (Bayern) eine Chance bekommt, latürnich. Marin -auch natürlich- , die U19er. Da haben andere Nationen nicht mehr diesen Vorsprung (außer Brasilianer + vielleicht Argentinier).

    Ich finde nur dieses Buli-Geschwätz von "es muss sich einer entwickeln" etc. sooo dämlich. Schalke04 wurde in d. CL jüngst von einem 17-jährigen rausgekegelt! Also, wenn einer mit 17 gut ist, ist er gut. Wenn er einen Durchhänger hat, hat er einen Durchhänger. Aber ein Talent prophylaktisch nicht aufzustellen, wegen -sagenwirma- 2 Spielen in Folge gespielt, ist doch dämlich, weil selbstbeschränkend. Ich befürchte nur, dass wir hier in der Buli immer noch die Entscheidungsträger haben, welche sich um Entscheidungen drücken. Da geht inho auch unser aktueller Nationaltrainer scheiße voran. Der agiert mehr politisch, als mit Auge. Klar war Adler besser als lehmann. Klar hätte man marin statt Odonkor mitnehmen sollen. Bei uns wird viel zu viel wert auf Mannschaftspolitik gelegt. Wenn bei Barca Ronaldinho scheiße spielt (oder nicht mehr gut genug), dann ist der ratz-fatz draussen. In der Buli-Kultur gibt es aber noch dieses Hofschranzen-Getue. Bei mir ist es z.B. Sagnol. Der muss einfach weg, raus! Man muss es natürlich aber auch fair sagen. "Tschullige Willy. Aber Du spielst doch seit 2 Jahren scheiße, meckerst rum, kassierst dafür aber wie ein Blöder ab. Bei mir spielst Du nicht mehr und vielleicht wäre es besser, Du trainierst bis Vertragsende zu Hause." Warum haben wir hier so eine Kultur der Pfründe erschaffen? Doch nicht wegen der -aua!- Zeitungen?

    In den großen Ligen der Welt spielen wie selbstverständlich blutjunge Fußballer auf Positionen gewisser Ex-Weltmeister. Nur bei uns werden Talente geschont, bis sie 24 sind oder so.

    Warum? Feigheit der Kultur (=Jogi Löw)?

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