Deutschland-Türkei im 11FREUNDE-Ticker
Wenn Freuen keinen Spaß macht
Text: Dirk Gieselmann und Fabian Jonas Bild: Imago
Gespenstisch, fiebrig, zum Teil albtraumhaft, am Ende sah man sich aber doch zum Jubeln gezwungen. Mit 3:2 gewinnt Deutschland gegen die Türkei und steht im Finale. Hat David Lynch Regie geführt? Lest das Drehbuch hier noch mal.
Ziehen wir unter dieses Spiel den längsten Schlusstrich aller Zeiten: Ein Event für alle Eventfans, ein Tritt ins Gemächt all derjenigen, denen was am Fußball liegt. Die Deutschen spielten desorientiert, ängstlich, und wenn sie doch mal am Ball waren, behandelten sie ihn wie einen Luftballon mit Mickey-Mouse-Motiven drauf. Die Türken konnten ihre Freiheiten kaum fassen und deshalb auch nicht nutzen. Sie sind es gewohnt, Gegner nieder zu ringen. Dass ein Gegner sich aber freiwillig zu Boden wirft und weint – damit konnten sie nicht rechnen. War das die ebenso geniale wie perfide Taktik der Deutschen? Wir wollen es nicht wissen. Oder vielleicht doch. Irgendwann. Aiman Abdallah von Pro7 soll es uns eines Tages erklären.
Wir verabschieden uns, fahren bis zum Finale in den Harz und beobachten Hirsche, wenn welche vorbeikommen. Bis dann.

94. AUS AUS AUS. Das Spiel, wenn es denn eines war, ist aus. Wir sind fix und fertig, starren wie gebannt auf den Bildschirm, der prompt wieder weiß wird. Fordern das ZDF zum Rücktritt auf.
94. Nochmal gefährliche Freistoßsituation für die Türkei nach angeblichem Foul von Ballack. Aber Tümer haut das Ding auf die Tribüne. Failure Delivery.
93. Jansen kommt rein. Orakel Gieselmann unkt: »Jetzt macht Jansen ein Eigentor« Schreibe an Uli Hoeneß, erkläre ihm meine Situation. Failure Delivery.
92. Kollege Gieselmann und ich liegen uns in den Armen. Gieselmann verkündet, ab sofort Bayernfan sein zu wollen. Verbiete es ihm. Er brüllt CSU CSU CSU!!! Ich verbiete es ihm erneut. Jetzt auf Lebensszeit. Immer bis einer heult...
90. JAAAAAAAAAAAAA!!!!!! LAAAAAAAAAAAAAAAAAAHM!!!! Macht den Türken und seinen Fehler wieder gut. Im Strafraum freigespielt knallt er das Ding unter die Latte!!! Nie war Philipp Lahm schöner.
90. Das Spiel wirkt inzwischen in dieser Übertragung, als liefe es auf vier Zeitebenen!
86. WIR STERBEN! TOR! »Genau durch die Unterhose« schreit Rethy, und bevor wir kapieren, was der Mann ungefähr meinen könnte, sehen wir den Ball von Semihs Fuß neben dem kurzen Pfosten vorbei kullern. Lahm sieht ganz schlecht aus, von Lehmann entscheiden wir später, ob er nichts machen konnte oder auch schlecht aussah. Wir waren auch schon mal hübscher.
84. Hätten nie gedacht, dass uns Tonprobleme je so fertig machen könnten. Aber es ist so. Mal laut, mal leise, mal mit mal ohne Fanhintergrund, dann ganz weg.
ungefähr 79. TOOOOOOOR für Deutschland. Klose nickt eine Flanke von Lahm ein, Rüstü sieht ganz dumm aus, und wir können uns kaum freuen. Einmal wegen des Spiels, zum anderen, weil uns der Verdacht beschleicht, dass dieses Spiel überhaupt nicht stattfindet. Rethy weiß inzwischen, eine gefühlte Viertelstunde bevor das Bild eintrifft, schon, was passiert. Das ist nicht schön. Es wird nicht schöner dadurch, dass es ausgerechnet Rethy ist, der vorher etwas sieht als man selbst. Man ist das ja nicht unbedingt gewöhnt in dieser Form.
75. BILDAUSFALL. Man glaubt es nicht. Man glaubt es einfach nicht. Immerhin ist diesmal das Porträt von Bela Rethy sofort zur Hand, der als Radiomann weitermacht. Das ZDF versucht, die Schuld von sich zu weisen. Als das Bild wieder auftaucht, blenden sie das Logo des Schweizer Fernsehens ein.
73. Durch Zufall passiert dann doch mal was. Hitzlsperger packt die linke Klebe aus, verzieht aber knapp.
70. Es ist ein Elend. Hier macht sich Nervosität breit. Selbst schon abgepfiffene Situationen werden mit Entsetzenslauten kommentiert. »UARGH» läse sich so was wohl im Comic. Schluck!
66. Die Deutschen tapsen durch die Gegend wie Dreijährige beim Topfschlagen. Schön, dass das Training in Ascona so abwechslungsreich ist, aber irgendwann sollte man sich dann doch wieder auf seine Kernkompetenzen konzentrieren.
64. Das Spiel ist wieder zu sehen. Das macht diesen Abend auch nicht wesentlich schöner.
60. Der Server bricht zusammen, alle wollen auf 11freunde.de zugreifen. Es schmeichelt uns, liebe Fans, dass sie glauben, wir sähen mehr. Leider müssen wir Sie enttäuschen.
58. Rethy kommentiert, macht einen auf Radiolegende. Wie ich Fußball hasse!
57. Alternative Videotext. Die Kollegen Bock und Apitius sind sofort hypnotisiert, halten sich für Kakadus.
56. Bildausfall. Wir kommentieren von nun an blind. Wahrscheinlich spielen die Deutschen immer noch Grütze.
55. Fernschuss Hitzlsperger, drüber. Alle freuen sich. Wenn die Sonne tief steht, werfen auch Zwerge lange Schatten.
53. Semih foult den Putschisten Frings, sieht zu Recht Gelb.
52. Die Zeitlupe zeigt: Lahm wird vom Bus überfahren. DAS WAR EIN ELFER, SCHIRI! SCHIEDSRICHTER TELEFOOOOOOOOON!!!! Gott sei Dank, das Aufregen funktioniert doch noch.
51. Lahm wird elfmeterreif gefoult, Busacca denkt nicht mit, ein Strafstoß bleibt aus. Wir sind zu schwach, um uns aufzuregen.
49. Frings fällt hin, schläft auf dem Rasen ein. Jogi Löw dreht am Rad, Köpke kotzt.
46. The torture goes on: Wiederanpfiff durch Busacca. Tragisches Missverständnis zu Beginn: Rüstü kommt mit der Frisur von 11FREUNDE-Mann Apitius aus der Kabine. Steht ihm gar nicht mal so gut.







