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17.06.2008

Der Rumpelfußball der Nationalmannschaft

Zurück in die Zukunft

Text: Johannes Aumüller  Bild: Imago

Die deutsche Nationalelf gewinnt gegen Österreich, überzeugt aber spielerisch erneut nicht. Grund zum Pessimismus? Nein. Endlich ist alles wie früher. Beim Fan stellt sich wieder das klassische Nationalmannschaftsgefühl ein.

Der Rumpelfußball der Nationalmannschaft - Zurück in die Zukunft


Wenn in 100 Jahren die Historiker die Geschichte des deutschen Fußballs diskutieren, dürften sie sie mit ziemlicher Einigkeit in drei Epochen gliedern: die Zeit vor Klinsmann (K), die Zeit K sowie die Zeit nach K. Heftige Kontroversen hingegen wird es darüber geben, ob und - wenn ja -, wie weit die Zeit K denn noch in die Jahre hineingestrahlt hat, in denen Jürgen Klinsmann schon gar nicht mehr Trainer war.



Bis einschließlich der im November abgelaufenen EM-Qualifikation sah es so aus, als würde sich unter der Trainerschaft von Joachim Löw nicht nur die Zeit K verlängern, sondern sich daraus sogar ein K plus entwickeln. Bei Spielen wie dem 2:1-Sieg gegen Tschechien vereinigte die Nationalmannschaft die Elemente der Klinsmann-Zeit mit weiterführenden Errungenschaften der Löw-Ära - es war eines der besten Spiele, wenn nicht gar das beste Spiel, der jüngeren Nationalmannschaftsgeschichte.

Erinnerungen an die WM 2002

Doch spätestens nach der EM-Vorrunde sind alle Optionen eines K-plus-Ansatzes vom Tisch. Der sogenannte Rumpel-Fußball ist wieder zurück, und das ist auf den ersten Blick natürlich kein gutes Zeichen.

Doch man übersieht leicht, dass es in den Vor-K-Zeiten des Rumpelfußballs nicht nur ein bitteres EM-Vorrunden-Aus 2004 und ein noch bittereres EM-Vorrunden-Aus 2000 gab. Sondern dazwischen war ja auch noch in Japan und Südkorea dieses kleine Mehrnationenturnier namens Weltmeisterschaft, das natürlich nix ist im Vergleich zu so einer großartigen Veranstaltung wie einer Europameisterschaft, für die Deutschen aber trotzdem im Finale brasilianisch endete.

Die aktuelle Vorrunde erinnert frappierend an die ersten Spielen dieser WM 2002. Zunächst ein relativ locker herausgespielter Sieg (8:0 gegen Saudi-Arabien/2:0 gegen Polen), aus dem im Anschluss viel zu hohe Anforderungen abgeleitet wurden; dann ein Rückschlag (1:1 gegen Irland/1:2 gegen Kroatien); und schließlich in einem spannenden letzten Gruppenspiel die mühsame Qualifikation für die nächste Runde (2:0 gegen Kamerun/1:0 gegen Österreich).

Deutschland hat sich in diesen ersten drei EM-Spielen zurücküberholt in die Zeit vor K, und das ist auf den zweiten Blick eine phantastische Nachricht. Deutschland spielt nicht mehr vertikal und nicht mehr schnell in die Spitze, zumindest deutlich seltener. Deutschland spielt wieder so, wie Deutschland immer gespielt hat.

Die Mannschaft läuft, sie kämpft, sie überzeugt defensiv mit ihrer Kopfball- und ihrer Zweikampfstärke, sie gewinnt offensiv die Spiele mit Standardsituationen. Beim Fan stellt sich wieder das klassische Nationalmannschaftsgefühl ein: Man darf wieder ausgiebig über sie meckern und lästern, und jeder C-Liga-Kicker darf mit Ernst in der Stimme von sich behaupten, dass er gegen Österreich mehr Tore erzielt hätte als Mario Gomez. Was soll's - die Nationalelf gewinnt trotzdem.



Süddeutsche@11Freunde


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Kommentare

  • User
  • 17.06.2008 13:36:58 wanne71

    Wie wahr! Genauso haben wir gestern während der Übetragung des Spiels diskutiert. Schlecht gespielt - und am Ende doch wieder im Finale. Ich meine mich aber daran zu erinnern, das während der Rumpelzeiten unsere Abwehr immer sattelfest und unser Sturm immer für mindestens ein Tor gut war. Das sieht diesmal bei der EM anders aus - von daher bin ich vom Weiterkommen des Teams (noc) nicht überzeugt!

  • User
  • 17.06.2008 15:19:53 outwachler

    Ganz ehrlich: mich nervt dieses Genöhle total. Spielen sie schön und offensiv und machen keine Tore, dann wirkt das neue System nach Klinsmann nicht mehr genug.
    Spielen sie hinten sicher, lassen kaum gegnerische Chancen zu und gewinnen nur mit einem Tor Vorsprung, dann ist das gräßlicher Rumpelfußball.
    Keine Mannschaft bietet in jedem Spiel herzerfrischenden Zauberfußball, auch wenn wir uns das wünschen würden.
    Das Team hat noch Möglichkeiten nach oben klar. Aber deshalb muss man den Sieg gestern noch lange zu keiner Niederlage reden.

  • User
  • 17.06.2008 15:40:37 gygax

    Dass es gestern kaum zu gegnerischen Chancen kam, lag primaer am Gegner. Gab gestern bei uns nochn schoenen Zusammenschnitt ueber die oesterreichischen Offensivbemuehungen. Alder, hab ich mich erschrocken...

  • User
  • 17.06.2008 16:09:44 sgu07

    mal ´ne zwischenfrage: hatten die ösis gegen kroatien nicht ähnlich viele "offensivbemühungen" oder täusch ich mich? und hat man dann die kroaten danach auch so belächelt und draufgeschlagen?
    mannmannmann, geht mir das aufn keks.

  • User
  • 17.06.2008 16:19:41 gygax

    Objektiv gesehen? Nein, du taeuschst dich. Auch gegen Polen haben sie sich ihrer Qualitaet entsprechend gut verkauft, einzig die Abschlussschwaeche hat da bessere Ergebnisse verhindert. Gestern allerdings war das ein Rueckfall in alte, schlimme Zeiten. Ich halte es halt fuer Quatsch zu erwaehnen, dass man kaum gegnerisch Chancen zugelassen hat, wenn der Gegner Fehlpaesse spielt fuer die sich ein C-Jugendtrainer schaemen wuerde. Was soll man denn beschoenigen, es war halt keine tolle Leistung der Deutschen. Aber es hat zum Sieg gereicht. In einigen JAhren wird das "wie" keine Sau mehr interessieren, so what?

  • User
  • 17.06.2008 17:06:39 calimero

    und wenn ich mir diesen fred merke. und so gott will, ihn euch in zehn jahren unter die augen reibe?

  • User
  • 17.06.2008 17:12:46 monssolis

    Hm, es ist aus der Ferne schwer zu beurteilen, ob die Österreicher so viele Fehlpässe gespielt haben, weil sie so schlecht waren, oder ob sie die Deutschen durch Pressing unter Druck gesetzt und eben jene erzwungen haben. Nachdem die erste halbe Stunde im Spiel Ö-Hrvatska so aussah, als hätten die Österreicher ihre U17 geschickt, muss man allerdings festhalten, dass sie im weiteren Verlauf des Spiels und ganz sicher auch gegen Polen sich doch deutliche Übergewichte erarbeitet haben und auch Chancen, die sie leider nicht nutzen konnten. Tja, ist halt Ansichtssache, ob sie von sich aus plötzlich so viel schlechter waren oder ob es am Gegner lag.

    Nur so angemerkt: Frings z.B. (stark verbessert!) hatte die meisten Ballkontakte im ganzen Spiel, hat also ungeheuer viel gearbeitet. Ballack war meistgefoulter Spieler (übrigens 23 Fouls durch Ö und 10 durch D). Man neigt dazu, da viel zu übersehen.

  • User
  • 17.06.2008 17:48:05 vorstopper

    Man kann ja auch nicht alles sehen - das Bier holt sich ja nicht selbst!

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