Was jetzt auf uns zukommt
Countdown to Cordoba
Text: Lars Spannagel Bild: Imago
Wer jetzt nicht Cordoba und die deutsche Niederlage bei der WM 1978 gegen Österreich erwähnt, der hat schon verloren. Zum Glück wissen wir bereits, was vor dem entscheidenen Spiel alles noch auf uns zukommt.
D: Eine deutsche Boulevardzeitung titelt: »Aufgedeckt: Verschwörung gegen Schweini!« Der Österreichische Fußballbund (ÖFB) soll Schiedsrichter Frank de Bleeckere bestochen haben, um Schweinsteiger gegen Kroatien vom Platz zu stellen. Berti Vogts erklärt auf Anfrage: »Vielleicht ist der deutsche Fußball zu erfolgreich. Ich weiß nicht, ob es eine Anordnung gibt.«
Ö: Eine österreichische Zeitung kommentiert: »Jetzt werdn’s narrisch!« Ein Sprecher der »Freien Österreichischen Nagelstudios« (FÖN) verspricht Österreichs Fußballern für ein Tor gegen Deutschland »lebenslang Pediküre umsonst sowie 20 Prozent Nachlass auf Maniküre«. Der ÖFB lehnt dankend ab
D: Eine Aufführung von Mozarts Messe »Exsultate Jubilate« für Sopran und Orchester (KV 165) in Berchtesgaden wird wegen befürchteter Ausschreitungen abgesagt.
Ö: Auf Anordnung des österreichischen Innenministeriums werden auf den Fanmeilen in den EM-Spielorten nicht die letzten EM-Gruppenspiele gezeigt, sondern eine Endlosschleife des WM Spiels 1978 in Cordoba. Zum ersten Mal sind die Public-Viewing-Areas brechend voll.
D: Eine deutsche Boulevardzeitung titelt: »Deutsche fordern: Kaiser raus aus Kitz.« Franz Beckenbauer soll seinen Hauptwohnsitz aus Österreich zurück nach Deutschland verlegen. Lothar Matthäus sekundiert: »Genau.«
Ö: Eine Sprecherin der Vereinigung »Niederösterreichische Lustbetriebe« (NÖL) verspricht Österreichs Fußballern für ein Tor gegen Deutschland »lebenslang freien Eintritt in allen Etablissements zwischen Mödling und Zwettl«. Der ÖFB lehnt dankend ab, die Spieler protestieren.
D: Eine deutsche Boulevardzeitung titelt: »Ösis Sex-verrückt! Aber wir sind die Schwarz-Rot-Geilsten!«
Ö: Die burgenländische Polizei setzt an einem einzigen Tag 141 deutsche Autofahrer und Passagiere wegen »nicht ordnungsgemäß angebrachter Fähnchen« vorübergehend fest. Die Bundesregierung bestellt den österreichischen Botschafter ein.




