Jacek Protasewicz sucht nach neuen Poldis
Der Spielerfänger
Text: Andreas Bock Bild: Privat
Dass Miroslav Klose und Lukas Podolski für Deutschland auflaufen und nicht für das Land ihrer Väter, ärgert die Polen mehr denn je. Damit so etwas in Zukunft nicht mehr passiert, gibt es Jacek Protasewicz.
In den Westen aufbrechen und von vorne anfangen, das wäre doch was, dachte sich Jacek Protasewicz. Etwas Inspirierendes, etwas, von dem junge Polen träumen. Und so packte er im Sommer 1998 seine Sachen, seine Hoffnungen, ein paar Möbel, das Nötigste eben, und verließ das oberschlesische Dorf Rybnik, um in Deutschland sein Glück zu finden.
Doch ehe er sich versah, war es Herbst geworden, und der einst so optimistische Mann schlich verloren durch die Straßen von Gladbeck. Der Traum vom besseren Leben schien schnell geplatzt. »Arbeit«, sagt der heute 43-Jährige, »ich wollte damals nichts als Arbeit«. 15 Jahre lang hatte er in Polen als Bergmann geschuftet, nun war er nach Deutschland gekommen, um seinen Kindern eine bessere Ausbildung zu ermöglichen, aber auch, weil er selbst etwas Neues wagen wollte – »am liebsten etwas mit Fußball«.
Doch die Kontakte zu den Wichtigen der Branche, die mit Anglizismen jonglieren und deren Handys minütlich klingeln, die fehlten. So kam Jacek dort an, wo fußballbegeisterte Arbeitslose und Rentner bereits lange vor ihm gestrandet waren: am Zaun der Fußballplätze.
Talente frühzeitig kontaktieren
Woche für Woche stand er dort. Spiele beobachten, über Fußball reden, grummeln, das war sein Kontrast zum grauen Ruhrpott-Alltag. Und plötzlich wurde es zu seiner Berufung. »Es fing alles mit einem Zufall an«, sagt Jacek Protasewicz, »und weil ich ganz schön sauer war«. Eines Tages saß er vor seinem Computer und klickte sich durch die Tiefen des Internets. In einem Chat stieß er auf eine rege Diskussion über polnische Fußballtalente, an der sich auch Maciej Chorazyk, der Chefscout des polnischen Fußballverbandes (PZPN), beteiligte. Ein Diskutant nörgelte, dass sich der Verband nicht ausreichend um die in Polen geborenen Lukas Podolski und Miroslav Klose gekümmert habe, doch Chorazyk wiegelte ab: Es sei doch schon alles viel besser geworden, denn niemand geringerer als er selbst sei seit einigen Jahren für das Scouting in Deutschland verantwortlich und werde solche Talente nun frühzeitig kontaktieren.
Aus Heft #79 06 / 2008
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