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24.04.2008

Wenn Fußballer nicht verzeihen können

Offene Rechnungen

Text: Christian Zaschke  Bild: Imago

Berti Vogts und Lothar Matthäus kabbeln sich mal wieder. Matthäus, so Vogts, habe »50 Länderspiele zu viel gemacht«. Doch die beiden sind nicht die einzigen aus der Welt des Fußballs, die ihre Streitigkeiten einfach nicht vergessen können.

Wenn Fußballer nicht verzeihen können - Offene Rechnungen


Berti Vogts - und es sei noch einmal angemerkt, dass es sich um den Berti Vogts handelt, der demnächst Nationaltrainer von Aserbaidschan wird - Berti Vogts also - und es sei vielleicht noch rasch bemerkt, dass es sich um den Berti Vogts handelt, der als Fußballer den Namen »Terrier« trug, und zwar nicht, weil er am Ball so gut war - dieser Berti Vogts hat nun ein paar Sätze über Lothar Matthäus gesagt. Zum Beispiel: »Ich hätte gedacht, dass er im DFB-Sonderlehrgang dazugelernt hat. Doch Matthäus leidet an Selbstüberschätzung.«



Einmal dahingestellt, ob der zweite Satz ganz, ein bisschen oder kein bisschen wahr ist: Was hätte Matthäus denn im »DFB-Sonderlehrgang« dazulernen sollen? So wie Vogts spricht, klingt es, als sei ein DFB-Sonderlehrgang eine Schule fürs Leben oder gar eine Ausbildung zum Guru. Es ist allerdings bloß eine verkürzte Trainerausbildung. Dann sagte Vogts noch: »Lothar hat eher 50 Länderspiele zu viel gemacht.«

Erstaunlich, dass der kleine Mann so gemein sein kann. Matthäus hat 150 Länderspiele absolviert, und die letzten 50 waren nun wirklich nicht alle schlecht. Und ja, er ist vielen Kollegen sehr auf die Nerven gefallen, er redet manchmal wirklich dummes Zeug, aber er war ein phantastischer Fußballer. Vogts wäre überglücklich, wenn er in Aserbaidschan einen fände, der halb so gut spielt wie Matthäus in seinen Länderspielen 101 bis 150.Warum also macht er das? Nun: Weil das bei vielen Fußballern so üblich ist. Matthäus selbst lässt wenige Gelegenheiten aus, Jürgen Klinsmann einen mitzugeben, Rudi Völler attestiert Oliver Bierhoff immer wieder gern, dieser verfüge über »Malta-Füße«, und Andreas Möller hält Mario Basler für »eh doof«. Diese Liste ließe sich beliebig weiterführen, es ist erstaunlich, wie viele Fußballer noch Rechnungen offen haben.

Was nun den aktuellen Streit angeht: Sollte Matthäus erneut zum Gegenschlag ausholen wollen und dazu an einen Witz über Vogts’ Engagement in Aserbaidschan denken, so sollte er dabei bedenken, dass er selbst im Sommer Trainer des israelischen Klubs Maccabi Netanya wird.




Süddeutsche@11Freunde






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